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Das Glück ist ein Turnschuh Die Lüge vom Übergewicht

Eigentlich ist es ein großer Betrug. Und wenn wir mal kurz ehrlich zu uns sind, wissen wir es längst. Diäten taugen nichts. Klar, am Anfang sind die Erfolge groß. Die Pfunde purzeln und wir freuen uns. Aber die brutale Wahrheit ist: Die Wahrscheinlichkeit, dass das überflüssige Gewicht nach fünf Jahren nicht wieder da ist, ist so groß, wie die Chance Lungenkrebs mit Metastasen zu überleben. Wir reden hier von gerade einmal fünf Prozent.

97 Prozent aller, die eine Diät machen, nehmen innerhalb von drei Jahren wieder zu und erreichen ihr altes Gewicht. In Studien finden sich diese ernüchternden Zahlen aber selten, denn die überblicken meist nur den Zeitraum von 18 Monaten. Wie gesagt, alles ein großer Betrug.

Und es gibt noch eine Wahrheit: die milliardenschwere Diät-Maschinerie tut alles, um uns zu verkaufen, dass Übergewicht ungesund ist. Aber genau an diesem Grundsatz wachsen derzeit die Zweifel. Machen zu viele Kilos auf den Rippen denn wirklich krank ? Und führt Abnehmen zu einem gesünderen und längeren Leben?

So wie es aussieht, tun wir uns den Stress zu Unrecht an. Denn Studien des amerikanischen "Centers for Disease Control and Prevention" haben schon wiederholt gezeigt, dass die Sterberate ausgerechnet unter Menschen mit einem Body Mass Index der sie als übergewichtig bewertet, am geringsten sind. Und neuere Untersuchungen legen nahe, dass die Reduzierung des Gewichts bei den meisten überhaupt nicht zu einer Verbesserung von Gesundheitsfaktoren wie Blutdruck, Blutzucker oder Cholesterin führt.

Reingefallen, also...?! All der Irrsinn der letzten Jahrzehnte nur vergebene Mühe? Was damit begann, dass Ärzte in den 1920ern Patienten Schilddrüsenhormone verschrieben, die den Stoffwechsel ankurbeln sollten und so zum Gewichtsverlust führen sollten. An der Nase herum geführt von einer Industrie, deren letzter Schrei Magenband-Operationen sind. Ein radikaler und lebensverändernder Eingriff, nach dem, so die aktuellen Zahlen, die Hälfte aller Patienten nach einigen Jahren wieder ihr ursprüngliches Übergewicht haben. Ganz zu schweigen von all denen, die nach solchen Operationen an Mangelernährung leiden.

Fakt ist, dass die Mehrheit der Versprechungen hinter den abertausend Diät-Methoden quatsch ist und aus wissenschaftlicher Sicht völlig haltlos ist.

Zum Beispiel die viel beschworene Verbindung von Diabetes Typ 2 und Übergewicht. Da sind sich die Forscher heute sehr sicher, dass der Zusammenhang nicht zwingend auch Ursache bedeutet. Vielleicht ist die Gewichtszunahme ja nur ein frühes Symptom einer beginnenden Diabestes-Erkrankung?

Ein höherer BMI galt in den letzten Jahren als Risikofaktor für Herzkrankheiten und spezielle Krebsarten. Im Gegenzug ist aber eine Gewichtsabnahme nicht zwingend verbunden mit einer geringeren Erkrankungsrate. Laut der "Look AHEAD"-Studie von 2013 hatten Testpersonen mit Diabests Typ 2 nachdem sie ihr Gewicht reduziert hatten, genauso viele Herzinfarkte, Schlaganfälle wie die, die immer noch unter Übergewicht litten.

Und dann noch das: Seit 2002 zeigt eine Studie nach der anderen, dass Übergewichtige Herzkrankheiten, Herzversagen, Diabetes, Nieren-Schwäche und andere chronische Krankheiten viel besser überstehen, als Normalgewichtige und auch länger leben. Ärzte nennen diese Erkenntnis das "Übergewichts-Paradox". Die beste Rate im Verhältnis von Sterblichkeit und Gewicht liegt übrigens im Bereich "mittleres Übergewicht".

Schaut man sich die Daten an, wird klar, dass es längst Zeit ist, umzudenken. "Fett Schämen" war gestern. Wir sollten aufhören, zu denken, dass Übergewicht ein Zeichen für Faulheit und mangelnde Selbstdisziplin ist. Der Schaden, den wir damit anrichten ist riesig. Denn, auch das belegen Studien, wer an Diäten scheitert und sich für minderwertig hält, weil er zu viel wiegt, bewegt sich weniger. Und erst dann entstehen die Probleme. Denn, wer keinen Sport treibt und gefrustet auf dem Sofa sitzt, lebt wirklich ungesund.



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