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Das Glück ist ein Turnschuh: Warum fünf Minuten nicht ausreichen

Fünf Minuten am Tag bewegen - und schon lebt man Jahre länger? Dieses schöne Ergebnis lieferte eine Studie. Doch stimmt es? Alexandra Kraft über falsche Heilsversprechen und voreilige Schlüsse.

Das Leben kann so einfach sein. Fünf Minuten Laufen pro Tag und schon winken ein paar Jahre mehr Lebenszeit. So stand es vor zwei Wochen in einer Studie, die weltweit große Aufmerksamkeit sorgte.

Kein Wunder, wer hört denn nicht gerne, dass mit so wenig Aufwand ein so großer Effekt erzielt werden kann. Der Freispruch vom lästigen, stundenlangen Training. Wissenschaftlich abgesichert. Nie wieder anstrengen. Juchu.

Reingefallen. Denn diese Studie, wie viele andere dieser Machart, untersuchen nur Läufer und Nichtläufer. Die Wissenschaftler lassen niemanden speziell für diese Studie trainieren. Alle anderen Lebensgewohnheiten und Umstände, jenseits des Laufens, gehen nicht in die Auswertung ein. Auch wenn diese sich positiv auf die Lebenserwartung auswirken. So leiden Läufer in der Regel unter weniger Übergewicht, sie schlafen regelmäßiger und länger, sie ernähren sich gesünder. Aber all das wird nicht beachtet. Sondern nur das pure Ergebnis: Läufer leben länger.

Dabei weiß man inzwischen, dass das selbe Ergebnis nicht zwingend dieselbe Ursache haben muss. Es kann alles nur Zufall sein.Wie in diesem Fall, weil Sportler in der Regel einfach einen gesünderen Lebenswandel pflegen. Ihre Laufgewohnheiten sind nur ein kleiner Aspekt.

Heilsversprechens verkaufen sich aber einfach zu gut. Einer Verlockung, der vor allem Wissenschaftler im sogenannten Gesundheitsbereich in den USA zu erliegen scheinen. So gehen Experten davon aus, dass weniger als 20 Prozent aller Studien zu diesem Thema wirklich wissenschaftlichen Standards entsprechen. Die fünf Minuten Studie kam übrigens von der Universität Iowa.

Wer echte Ergebnisse haben will, müsste eine Gruppe Läufer ausbilden. Die sich einheitlich ernährt und deren Lebensgewohnheiten sich fast gleichen. Und eine zweite Gruppe Faulpelze, die träge im Sessel sitzen bleibt. Diese Versuchsanordnung müsste über viele Jahre beobachtet werden, bevor wissenschaftlich relevante Daten verfügbar wären. Schwierig, aber nicht unmöglich.

Was bleibt also von der frohen Botschaft über den Segen des Laufens? Naja, vielleicht: Bewegung schadet sicher nicht. Besser fünf Minuten am Tag, als gar nichts. Aber, wir sollten aufhören, uns selbst zu belügen. Denn der ehemalige Jäger, der früher Tiere stundenlang zu Tode hetzte, verkümmert, wenn er 23 Stunden und 55 Minuten am Tag nichts macht und nur fünf Minuten Auslauf bekommt.

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