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Das Glück ist ein Turnschuh: Wie Mütter wirklich aussehen. Ein Nachtrag

Schön, dass mein Blog über das Aussehen von Müttern so viel gelesen und diskutiert wurde. Das freut mich wirklich. Und danke für die vielen Anregungen und Ideen. Fünf Mal pro Woche Training, ein Personaltrainer und eine harte Diät sind für mich aber nicht die Lösung. Dafür habe ich leider nicht die Zeit, das Geld und vor allem keine richtige Lust. Nein, ich bin nicht faul. Ich bin einfach nur zufrieden mit meinem Körper.

Ja, es gab Zeiten, da war das anders. Da fand ich die auf Hochglanz polierten Sixpacks am Kiosk wirklich erstrebenswert. Und habe mit meinem nach der Geburt meines Sohnes veränderten Körpers gehadert. So geht es vielen Frauen. Auch der Australierin Taryn Brumfitt. Über ihren Film bin ich gestern auf Youtube gestolpert.

Wabbelig. Zu klein. Gewöhnlich. Abstoßend.

Das waren die Antworten, die sie erhielt, als sie Frauen auf der Straße fragte, was sie über sich denken. Erschreckend.

Taryn Brumfitt ist Fotografin und Mutter von drei Kindern. Im Leben davor war sie schlank, sogar Bodybuilderin. Nach den Geburten ihrer Kinder, hasste sie ihren Körper nur noch. Der Bauch zu dick, die Brüste zu schlaff. Sie stand stundenlang weinend vor dem Spiegel. Nannte sich ekelhaft und hässlich. Ein Termin für die Schönheitsoperation war vereinbart.

Es kam aber nicht dazu. Denn irgendwann in den vielen, vielen Monaten stellte sie sich die Frage: „Wie soll ich jemals meiner Tochter beibringen, ihren Körper zu lieben, wenn ich es als Mutter selbst nicht hinbekomme?“ Sie verschob die OP und begann das Experiment, ob sie es auch ohne Eingriff schafft, ihren Körper zu lieben.

Es war ein harter Weg. Keine Zweifel. Am Ende steht aber ein starkes Vorher/ Nachher-Bild.

Nicht falsch verstehen. Ich weiß, wie viel Arbeit und Schweiß in einer Top-Figur stecken. Allen Respekt für jede Frau, die das zustande bringt. Und die so aussehen will.

Aber es ist nicht mein Weg. Ich will nicht solchen Idealen hinterher hetzen. Deswegen bin ich noch lange nicht faul. Oder suche nach Ausreden. Ich treibe Sport. Regelmäßig, mindestens zwei Mal die Woche. Wann immer es passt. Nehme meinen Sohn mit. Aber mit einem völlig anderen Ziel. Ich glaube an die heilende Wirkung von Bewegung. Dafür muss ich mir aber nicht die Seele aus dem Leib hetzen. Sondern kann einen entspannten Lauf genießen. Die Gedanken treiben lassen. Ich esse auch gerne ein Stück Bananen-Kuchen zu meinem Kaffee. Ich hasse es, Kalorien zu zählen. Gewogen habe ich mich seit Jahren nicht. Von mir aus, ist das alles disziplinlos. Aber Gesundheit wird zum Glück nicht darüber definiert, wie ich aussehe. Oder ob ich fünf starke Muskeln mehr am Bauch habe. Ich bin nicht nur Bauch, Beine, Po. Und ich bin vor allem nicht nur das, was andere von mir erwarten. Was andere sehen wollen. Denn gefallen muss ich nur mir selbst.

Um eine sogenannte Bikini-Figur zu bekommen, müsste ich mich einem harten Trainingsprogramm unterwerfen. Ich will aber beim Sport Spaß haben – sonst wird es zur Qual. Es würde vor allem auf Kosten meiner Familienzeit gehen. Die ist mir als berufstätige Mutter heilig. Eine Erfahrung, die übrigens auch Taryn Brumfitt als ehemalige Bodybuilderin teilt. Ich mag nicht auf Kohlenhydrate verzichten und nur noch Eiweiß essen. Hühnchen ist lecker, aber für mich am liebsten süß-sauer mit Reis. Deswegen werde ich nie wieder einen Sixpack haben. Das ist überhaupt nicht schlimm. Denn ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich morgens im Spiegel sehe.

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