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Ehec-Infektionen in Deutschland Experten vermuten Keim in Salatboxen


Forscher suchen weiter fieberhaft nach der Ehec-Infektionsquelle. Eine Expertin vermutet den Keim in vorportionierten Salaten. Der Chef des Robert-Koch-Instituts erwartet, dass es schon bald weniger neue Infektionen geben wird.

Als Quelle für den aggressiven Darmkeim Ehec gehen einige Experten derzeit von vorportionierten Salaten aus. "Im Moment sieht es so aus, als wenn Salatbars, also vorbereitete Salatteile eine Rolle spielen", sagte die ärztliche Leiterin des Großlabors Medilys der Asklepios-Kliniken in Hamburg, Susanne Huggett, im ARD-Morgenmagazin. Die Untersuchungen seien aber noch nicht abgeschlossen. "Es wird aber mit Hochdruck daran gearbeitet."

Der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, erwartet ein Abflauen bei den grassierenden Ehec-Infektionen. "An sich muss das jetzt abfallen, das kann nicht weitergehen", sagte Burger am Mittwoch am Rande einer Sitzung des Bundestags-Gesundheitsausschusses in Berlin. Eine 83 Jahre alte Frau starb beim aktuellen Krankheitsausbruch nachweislich durch die Infektion. Derzeit gibt es bundesweit mehr als 460 mögliche Fälle.

Obwohl ein großes RKI-Team unter Hochdruck nach dem Infektionsherd sucht, sei bisher kein einzelnes Lebensmittel als Quelle identifiziert worden. "Es war nicht ein einziges Produkt erkennbar", sagte Burger. Gülle als Ursache sei "natürlich theoretisch eine Erklärung", aber dafür gebe es keine Daten. Es gebe mittlerweile 130 schwere Verlaufsfälle - im Vergleich zu 60 bis 70 Fällen, die sonst im ganzen Jahr anfielen.

Hygiene ist das wichtigste

Da Frauen am meisten betroffen seien, liege die Interpretation nahe, dass sie sich bei der Verarbeitung von Lebensmitteln infiziert hätten. Burger sagte, möglicherweise finde man überhaupt keine eindeutige Quelle. "Im Moment sind die Hygienemaßnahmen das Allerwichtigste." Dies betreffe vor allem die Küchenhygiene bei jedem einzelnen.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat die Ausbreitung des gefährlichen Darmkeims als "besorgniserregend" bezeichnet. "Wir können momentan noch nicht sagen, wo die Quelle ist und können deshalb auch keine neuen Fälle ausschließen", sagte Aigner am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin.

Experten mahnen weiterhin zur Hygiene bei der Vorbereitung von Lebensmitteln. Kurz vor einer Sitzung des Gesundheitsausschusses sagte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung Wolfgang Zöller (CSU): "Das Wichtigste ist, dass man zu Hause die normalen Hygienemaßnahmen einhält. Solange nicht hundertprozentig klar ist, wo es herkommt, ist es schwierig, andere Maßnahmen zu ergreifen."

"Bis in die Haarspitzen sensibilisiert"

Für den gesundheitspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion Karl Lauterbach ist es vorstellbar, dass es einen Krisenstab geben wird, "zumindest, wenn es nicht schnell gelingt, die Quelle der Erreger zu identifizieren". Ehec sei gefährlicher als Vogelgrippe wegen der oft dauerhaften bleibenden Schäden. Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, Carola Reimann (SPD) sieht derzeit keinen politischen Handlungsbedarf. "Die niedergelassenen Ärzte sind bis in die Haarspitzen sensibilisiert."

Verbraucherschutzministerin Aigner beschwichtigte unterdessen Ängste vor einer Ansteckung. "Auf Gemüse muss niemand verzichten", sagte sie der "Passauer Neuen Presse". "Grundsätzlich sollten vor dem Verzehr stets die allgemeinen Hygiene-Empfehlungen beachtet werden: Rohes Gemüse und Obst vor dem Essen schälen oder zumindest gründlich waschen."

be/DPA DPA

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