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Abnehmen: Fünf Diät-Versprechen im Check

Lässt sich Fett wegrubbeln? Helfen Eiweiß-Brote beim Abnehmen und wie sinnvoll sind Light-Produkte? stern.de hat fünf Diätversprechen unter die Lupe genommen.

Von Silke Gronwald

Wenn Abnehmen doch nur so einfach wäre, wie es die Industrie verspricht.

Wenn Abnehmen doch nur so einfach wäre, wie es die Industrie verspricht.

Das Frühjahr ist da, die dicken Wollmäntel können langsam aber sicher weggepackt werden, die Menschen zeigen wieder mehr Haut: Wer will da nicht mit einer guten Figur punkten?

Die Sehnsucht der Verbraucher ist zugleich ein enormes Geschäft: Geschätzte 100 Milliarden Euro Umsatz hat die Abnehmindustrie 2012 alleine in Europa gemacht. Light-Produkte, Schlankmacher, Nahrungsergänzungsmittel: Vieles wird beworben - und gekauft. Doch was ist dran an den Heilsversprechen der Abnehmindustrie? Fünf Mythen im Check.

1. Light macht leicht!

Voller Geschmack, keine Kalorien – so die Verheißung der Getränkehersteller. Ideal also zum Abnehmen. Gerade erst aber ergab eine Studie der Johns Hopkins School: Light-Limos eignen sich dafür nicht. Die Probanden nahmen insgesamt sogar mehr Kalorien zu sich als eine Vergleichsgruppe, die das zuckrige Original trank.

Experten vermuten, dass die Süßstoffe die Kontrolle des Appetits stören. Und dass die Verbraucher glauben, sie könnten mehr essen, wenn sie kalorienarm trinken. Ohnehin warnen Experten, dass künstlich gesüßte Getränke eine langfristige Umstellung der Ernährung erschweren – und das ist die einzige Methode, die zuverlässig beim Abnehmen hilft.

2. Eiweiß-Brot ist die Lösung!

Um Bäckereien machten viele Figurbewusste wegen der kohlenhydratreichen Brezeln und Brötchen früher einen großen Bogen. Heute wirbt die Zunft mit einem eigenen Mittel gegen runde Hüften und pralle Bäuche: Ein "Low-Carb-Brot" soll die Pfunde purzeln lassen.

Ernährungsexperten sind skeptisch. Und auch Verbraucherschützer warnen vor Irreführung. Die kohlenhydratarmen Modebrote sind nämlich anderweitig gehaltvoll. Manche Sorten enthalten zehnmal mehr Fett als konventionelles Backwerk. Darüber hinaus sind sie recht teuer. 400 Gramm kosten drei bis vier Euro.

3. Die Wampe lässt sich wegrubbeln!

Nein, nein und nochmals nein: Fett lässt sich nicht wegbürsten, -cremen und auch nicht ausschwitzen. Aber der Glaube ist unausrottbar: Seit Langem ist der Bauch-weg-Gürtel im Homeshopping ein Verkaufshit, genauso wie der Infrarot-Anzug. In den 40er Jahren versprach "Sylvia of Hollywood", dass sie "Fett aus den Poren quetschen werde, genauso wie Kartoffelbrei aus der Kartoffelpresse".

Und heute? Brütet die Wellnessindustrie noch immer, wie sie Massagen aller Art als Schlankmacher verkaufen kann.

4. Der Mensch braucht künstliche Vitamine!

Die Regale in den Supermärkten, Drogerien und Apotheken sind überladen mit Nahrungsergänzungsmitteln. Gerade während des Abnehmens greifen viele zu den vermeintlichen Helfern. Dabei sind sie bei einer ausgewogenen Diät schlicht überflüssig.

Schlimmer noch: Eine Überdosierung kann gefährlich werden. So hat eine Studie mit 20.000 Teilnehmern in England gezeigt, dass hohe Dosen der Vitamine A, C und E das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um acht Prozent steigern.

Generell raten Ernährungsexperten, sich mit Vitaminen aus natürlichen Lebensmitteln zu versorgen. Denn vermutlich wirken diese auch durch die Kombination ihrer verschiedenen Inhaltsstoffe. Eine gesunde Ernährung deckt in der Regel auch den Vitaminbedarf des Körpers.

5. Die Fettpolster verschwinden, die Muskeln bleiben!

"Fettpolster reduzieren ohne wertvolle Muskelmasse anzugreifen" – das versprechen einige eiweißbasierte Formula-Diäten. Ein Glas der Flüssignahrung ersetzt eine komplette Mahlzeit. Die Mischung soll gewährleisten, dass der Organismus genügend Nährstoffe erhält, dabei Fett abbaut, die Muskeln aber erhält.

Wahr ist: Formula-Diäten werden erfolgreich in der Behandlung von stark Übergewichtigen eingesetzt, in der Regel kombiniert mit Bewegung und psychologischen Therapien. Susanne Klaus vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam Rehbrücke (DIfE) hat die Wirkung von Hochproteindiäten an Mäusen untersucht. Und tatsächlich scheint es, dass eine eiweißreiche Ernährung helfen kann, Übergewicht vorzubeugen und den berüchtigten Jo-Jo-Effekt zu vermeiden. Aber: Dass sie den Muskelabbau beim Abnehmen komplett verhindert, ist nicht belegt.

In jedem Falle ist es ratsam, vor dem Diät-Start einen Arzt zu konsultieren. "Für Menschen mit vorgeschädigten Nieren ist die Eiweißschwemme nicht zu empfehlen", erklärt Ernährungsexpertin Susanne Klaus. Und teure Formula-Produkte braucht es für eine Hochprotein-Diät auch nicht. Hülsenfrüchte, Fisch und Steak erledigen den Job genauso.

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