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Übergewicht und Diäten: Wege aus der Jojo-Falle

Viele Deutsche fühlen sich unwohl in ihrer Haut und haben auch einen gewichtigen Grund dazu: Mehr als die Hälfte der Frauen und sogar zwei Drittel der Männer bringen zu viele Kilos auf die Waage. Als Dauerdiäter landen sie anschließend in der Jojo-Falle. Aber es gibt Auswege.

Von Nicole Heißmann

In diesen Tagen fällt für viele Deutsche der Startschuss zur Frühjahrsdiät. Ein großer Teil hat guten Grund abzuspecken: Mehr als die Hälfte der Frauen und sogar zwei Drittel der Männer bringen zu viele Kilos auf die Waage, bescheinigt der Ernährungsbericht der Nation. Doch mit einer Diät befreit man sich noch nicht für immer von Speckrollen und Polstern. Stattdessen legen viele nach dem Abnehmen schnell wieder zu und enden irgendwann als Dauerdiäter in der Jojo-Falle.

Auch eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK belegt, dass viele sich nicht zum ersten Mal quälen: 16 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen haben bereits Abnehmkuren hinter sich, 11 Prozent der Frauen sogar schon mehr als fünf. Dauerhaft durchgehalten hat nach dieser Untersuchung gerade mal ein knappes Drittel. Auch andere Studien kommen zu ähnlichen Ergebnissen: Die "Rückfallquote" ist hoch und liegt in der Regel bei mehr als 50 Prozent: In kurzer Zeit sind bei der Mehrheit der Diäter die mühsam losgewordenen Pfunde wieder am alten Platz.

Abnehmwillige stecken doppelt in der Klemme

Wer ausbrechen will aus dem ewigen Jojo-Zyklus, muss zunächst verstehen, dass der Körper Abnehmen, vor allem schwindende Fettreserven, als Bedrohung empfindet und sich an allen Fronten dagegen verteidigt. Was wiederum dafür sorgt, dass viele nach einer Diät schnell wieder auseinander gehen. Dabei stecken Abnehmwillige gleich doppelt in der Klemme: Zum einen drosselt der Körper seinen Energieverbrauch, wenn er Gewicht abnimmt. Auf der anderen Seite sorgen Signalstoffe und bestimmte Nervenzellen im Gehirn dafür, dass bei schwindenden Fettpolstern der Appetit wächst.

Aushebeln lassen sich die Abwehrmechanismen des Körpers nur mit geeigneten Gegenstrategien. Dabei können kleinere Veränderungen im Alltag Großes bewirken: Studien in Deutschland und Amerika mit Tausenden von Probanden haben Faktoren ermittelt, die einen erfolgreichen "Gewichthalter" ausmachen. Menschen, die nach eigenen Angaben eine Diät hinter sich hatten, wurden über Jahre immer wieder befragt, was sie an ihrem Lebensstil verändert hatten - und in welche Richtung sich ihr Gewicht entwickelte.

Substanzverlust senkt den Energieverbrauch

Daraus leiteten die Forscher Strategien ab, die mit der größten Wahrscheinlichkeit zum dauerhaften Wunschgewicht führten. Von zentraler Bedeutung ist diesen Daten zufolge Bewegung in jeglicher Form, ob als Sport oder Alltagsaktivität. Beides kann schon während einer Diät helfen, den Abbau von Muskelmasse zu verhindern. Denn jeder Substanzverlust des Körpers senkt den Energieverbrauch. Wer weniger verbraucht, schießt aber beim Essen schneller über seinen Tagesbedarf hinaus und nimmt dann bald wieder zu. Im Anschluss an eine Abnehmkur sind daher Aktive auf dem Weg zum Dauer-Wohlfühlgewicht einen Schritt voraus.

Ebenfalls wichtig ist es, seine Psyche zu überlisten. Wer zu streng mit sich selbst ist und ganz auf Leibspeisen verzichtet, verliert nach einer Diät nämlich schnell die Lust am tristen Speiseplan und damit langfristig den Kampf gegen die Pfunde. Einteilen statt verkneifen gilt daher für Leckereien wie Schokolade oder andere Süßigkeiten. Darüber hinaus fanden Wissenschaftler in Amerika Interessantes zum Mahlzeitenrhythmus heraus: Wer sich an regelmäßige Essenszeiten hält, der schafft es eher, sein Gewicht zu halten als der notorische Zwischendurch-Snacker. Vor allem eine Mahlzeit schien das Wunschgewicht dauerhaft zu stabilisieren: Das gute alte Frühstück.

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