Etikettenschwindel Abgelaufenes Hackfleisch im Supermarkt


Bisher war es nur ein Verdacht: In Niedersachsen sollen Supermarkt-Angestellte Fleisch zum verkauft haben, dessen Verfallsdatum überschritten war. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft die Betrüger auf frischer Tat ertappt.

Laut staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen soll in zwei Filialen der Supermarktkette "Real" in Niedersachsen der Etikettenschwindel regelmäßig stattgefunden haben. In den durchsuchten Geschäften in Laatzen und Langenhagen bei Hannover seien Beschäftigte auf frischer Tat ertappt worden, als sie das abgelaufene Fleisch umpackten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Bislang seien aber keine Fälle bekannt, in denen Menschen durch den Verzehr des Fleisches erkrankt seien.

Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte, "Real" nehme die Vorwürfe sehr ernst. Es werde auch intern auf Hochtouren ermittelt, um die Behörden zu unterstützen, "wo immer es geht". Die betreffenden Mitarbeiter seien freigestellt worden.

Gegen neun Mitarbeiter wird ermittelt

Laut Staatsanwalt Bernard Südbeck richten sich die Ermittlungen gegen neun Mitarbeiter der Kette, darunter zwei Fleischermeister. Die beiden sollen systematisch Hackfleischprodukte nach Ablauf des Verbrauchsdatums umverpackt und neu etikettiert haben. In Gang gekommen seien die Untersuchungen durch die Aussagen eines Supermarkt-Mitarbeiters. Seit seiner Einstellung im September 2003 habe er in einer der Filialen und später in einem zweiten Geschäft beobachtet, wie mit dem Hackfleisch verfahren worden sei. Der Zeuge habe die Vorgänge auch fotografiert.

Daraufhin hatte die Staatsanwaltschaft vergangene Woche die beiden Märkte durchsucht und die Beschäftigten ertappt, sagte Südbeck. Die Mitarbeiter hätten allerdings erklärt, nur an diesem Tag Fleisch neu verpackt zu haben. In Folge der Durchsuchung habe sich noch ein Zeuge gemeldet, der Hinweise auf zwei weitere Märkte gegeben habe. Mit Ermittlungsergebnisse sei in diesen Fällen frühestens Ende der Woche zu rechnen. Südbeck, der nur von Ermittlungen gegen eine Lebensmittelkette sprach, erklärte, es werde wegen Verstoßes gegen die Hackfleischverordnung und das Lebensmittelgesetz ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft will auch klären, inwieweit Vorgesetzte, etwa Filialleiter oder Regionalleiter, involviert sind. Die Ermittler schließen derzeit aber aus, dass die "Real"-Zentrale in Mönchengladbach von den Vorgängen Kenntnis hatte, wie Südbeck mitteilte.

AP AP

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