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Extra: Attacke auf das blaue Monopol

Viagra bekommt Konkurrenz - seit dieser Woche ist der Herausforderer CialiS zu haben, der bis zu 36 Stunden Fitness fürs Liebeslager verleiht.

Die ED-Experten, über die Zahl der Impotzenzgeplagten notorisch uneins, rechnen damit, dass allein in Deutschland vier bis zwölf Millionen Männer mit Erektionsstörungen ringen. Von ihnen haben sich bisher nur zehn bis 15 Prozent beim Arzt geoutet. Legt man die angeblich für Deutschland gültige "Impotenz-Prävalenzrate" von 22 Prozent zugrunde, dürften der Pharma-Branche bei weltweit 2,1 Milliarden Männern ab 15 satte Profite ins Haus stehen.

Trotzdem herrscht hinter den Kulissen Hauen und Stechen. Pfizer, Lilly und Bayer sind einander spinnefeind, und sowohl Bayer als auch Lilly stehen unter großem Erfolgsdruck, weil sie 2001 Milliardenseller verloren haben. Bayer musste den Cholesterinsenker Lipobay wegen tödlicher Nebenwirkungen vom Markt nehmen, und Lillys Patent auf das Antidepressivum Prozac lief aus.

Um die Bäume der Konkurrenz nicht in den Himmel wachsen zu lassen, hat Pfizer die Nebenbuhler in den USA wegen Patentrechtsverletzung verklagt. Am 22. Oktober 2001 hatte das amerikanische Patentamt den Viagra-Machern ein bis 2019 gültiges Patent auf das Wirkungsprinzip ihrer Potenzpille erteilt. Und das ist bei Viagra, Cialis und Levitra identisch.

Hingegen hatte Pfizer in der alten Welt mit einem ähnlichen Vorstoß kein Glück: Das Europäische Patentamt in München schmetterte einen Antrag auf Schutz des Wirkungsprinzips ab, ebenso das britische Oberhaus.

Aber auch für Lilly läuft nicht alles nach Plan. Als Cialis am 14. November 2002 in Europa zugelassen wurde, konnte man nicht liefern - ein Pharma-Albtraum. Angeblich war der Umbau der Produktionsstätte im südenglischen Basingstoke noch nicht beendet. Und in den USA gibt es weiteren Ärger für die Viagra-Widersacher: Die Zulassungsbehörde FDA hat Lilly und Bayer verdonnert, zusätzliche Forschung zu betreiben, was die Zulassung der potenziellen Milliardenseller um etwa ein halbes Jahr verzögern wird. Trotzdem sind die Herausforderer guter Dinge, noch 2003 auf den US-Markt zu kommen.

Gänzlich unerwartet war ein Problem, von dem Lilly heimgesucht wurde. Eine Familie Cialis klagte auf Namensänderung der Potenzdroge, weil man befürchte, dass die Kinder "psychische Schäden" erleiden könnten. Ein Firmensprecher wollte nicht verraten, wie viel der Konzern zahlen musste, um die Anwälte der Familie zu befriedigen.

Gerd Schuster

Wissenscommunity