Genmais Keine "hundertprozentige Reinheit"

In der Affäre um illegal aus den USA importierten Genmais haben Experten über Verbesserungen beim Import von Genpflanzen beraten. Die Unvereinbarkeit europäischer und amerikanischer Systeme bringen Kontrollverfahren an ihre Grenzen.

Regierung fordert EU-Datenbank für verbotene Gentechnik

In einer Sondersitzung des Verbraucherausschusses im Bundestag stand die Lieferung von nicht zugelassenem genmanipulierten Bt10-Mais aus den USA nach Deutschland und in andere EU-Staaten im Mittelpunkt. Hauptfrage war, wie die Kontrollen bei gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verbessert werden können.

Die agrarpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Höfken, erklärte, es gebe offensichtlich keine ausreichende Sicherheit in der Produktion und im Umgang mit gentechnisch veränderten Pflanzen. Sie forderte wie auch zuvor bereits Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) eine EU-Datenbank für verbotene Gentechnik.

"Bedauerliche Verwechslung"

Ein Vertreter der Herstellerfirma Syngenta sprach von einer "bedauerlichen Verwechslung". Der Bt10-Mais bedeute aber keine Gefahr für die Sicherheit der Verbraucher. Zudem habe das Unternehmen der EU ein Testverfahren zur sicheren Erkennung zur Verfügung gestellt. Syngenta wolle zur Aufklärung des Falls mit Regierungen und Behörden zusammenarbeiten. Syngenta hatte unbemerkt die nicht zugelassene Sorte Genmais vier Jahre lang bis 2004 in den USA vertrieben.

Das Biotechnologieunternehmen hatte das Gen eines Bodenbakteriums in den Mais eingesetzt, das wie ein Schädlingsbekämpfungsmittel in der Pflanze wirkt. Syngenta besitzt zudem die Genehmigung zum Vertrieb der Maissorte Bt11, die von der EU zum Verzehr freigegeben ist. Als Reaktion auf die Vermischung der Maissorten machte die EU die Auflage, dass nur garantiert Bt10-freie Lieferungen eingeführt werden dürfen. Spuren der zugelassenen Bt11-Maissorte wurden bis zum Jahr 2002 vor allem in Chips gefunden.

Ein Sprecher des bayerischen Verbraucherministeriums sagte, eine noch stärkere Überwachung auf Bt10-Mais wäre unverhältnismäßig. Die bereits jetzt bestehenden gesetzlichen Anforderungen seien ausreichend.

Neues EU-Zertifikat gefordert

Der Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz, Christian Grugel, sagte, der Skandal um Bt10-Mais zeige, dass das amerikanische und das europäische System nicht vereinbar seien. Logische Konsequenz sei, dass die EU ein Zertifikat für den Mais-Import verlange. Experten bemängelten zudem, dass Testlabors kaum Beispielproben für Bt10 zur Verfügung hätten.

Nach Ansicht des Bundesverbandes der Pflanzenzüchter sind höhere Kennzeichnungsschwellenwerte auch für Saatgut notwendig. Denn eine "hundertprozentige Reinheit" könne nicht gewährleistet werden. Gerd Winter von der Universität Bremen riet zu einer Vereinfachung des Rechts. Die EU-Kommission könne nur dann gegen verbotene gentechnisch veränderte Organismen vorgehen, wenn der Verdacht auf Gefahr für Umwelt oder Gesundheit bestehe.

DPA


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