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Gepanschter Alkohol Warum Methanol so gefährlich ist

Ob der Schnaps Ethanol oder Methanol enthält, sieht man ihm nicht an
Ob der Schnaps Ethanol oder Methanol enthält, sieht man ihm nicht an
© Colourbox
Drei Schüler hat mit Methanol gepanschter Schnaps das Leben gekostet. Methanolvergiftungen sind tückisch, da sie schleichend beginnen. Und: Eine harmlose Dosis des Alkohols gibt es nicht, sagen Experten.

Methanol eignet sich als Kraftstoff. Es kann als Frostschutzmittel verwendet werden. Auch in der chemischen Industrie kommt der Alkohol zum Einsatz. In Getränken sollte die Substanz dagegen niemals enthalten sein. Trotzdem gibt es Alkoholika mit Methanol - die dadurch sogar tödlich sein können. Meist handelt es sich um selbstgebrannte Schnäpse: Läuft die Destillation nicht richtig, sammelt man statt Ethanol, dem "normalen" Alkohol in Getränken, Methanol. Zum Teil werden auch Spirituosen mit Methanol gestreckt.

"Methanolkonsum ist immer gefährlich, es gibt keine harmlose Dosis", sagt Oliver Sauer, der beim Giftinformationszentrum der Uniklinik Mainz arbeitet. In Deutschland sind seiner Erfahrung nach Fälle von Methanolvergiftungen vergleichsweise selten. In anderen Ländern kommt es häufiger zu dieser Form der Vergiftung - etwa in Skandinavien, wo wegen hoher Alkoholpreise häufiger selbstgebrannter Schnaps getrunken wird.

Schäden an Nerven, Nieren, Leber, Augen

Das tückische: Die ersten Symptome ähneln einem gewöhnlichen Rausch. Die Betroffen werden müde, ihnen wird übel, sie bekommen Kopfschmerzen oder ihnen wird schwindelig. "Außenstehende können daher nicht beurteilen, ob jemand betrunken ist oder ob eine Methanolvergiftung einsetzt", sagt Mediziner Sauer. Dies kann erst ein Arzt anhand der Blutwerte klären. "Bei Verdacht auf eine Methanolvergiftung sollte man sofort ins Krankenhaus", rät er. "Im Extremfall können es schon nach einer Stunde schwere Symptome einsetzen."

Die Vergiftung verläuft zeitverzögert, denn im Körper ist nicht der Alkohol selbst das Problem, sondern die Substanzen, in die er umgewandelt wird. Für den Abbau von Methanol ist - wie beim Ethanol auch - die Leber zuständig. Es ist sogar dasselbe Enzym am Werk: Die sogenannte Alkoholdehydrogenase verarbeitet im Körper Methanol und Ethanol gleichermaßen. Nur: Aus Methanol entsteht dabei Formaldehyd und in einem weiteren Schritt Ameisensäure. Die Substanzen können im gesamten Körper verheerende Auswirkungen haben. "Es drohen neurologische Schäden, so können etwa die Sehnerven geschädigt werden, so dass der Betroffene erblindet", erklärt Sauer. Die Nieren werden ebenso angegriffen wie die Leber und das zentrale Nervensystem. Mehrere Stunden oder sogar Tage nach dem Methanolkonsum kann das Blut übersäuern, weil sich dort Ameisensäure ansammelt. Auch ein Atemstillstand ist möglich. Unbehandelt endet die Vergiftung daher meist tödlich.

Ethanol als Gegenmittel

Kommt jemand mit einer Methanolvergiftung ins Krankenhaus, können die Ärzte zum Beispiel per Dialyse das Methanol aus dem Blut filtern. Zuerst sorgen sie allerdings dafür, dass die Substanz im Körper nicht weiterverarbeitet wird. Daher wird als Gegenmittel tatsächlich Ethanol eingesetzt. Es beschäftigt sozusagen die Alkoholdehydrogenase, so dass das Methanol nicht in Formaldehyd und Ameisensäure umgewandelt wird. Sauer: "Man hält die Patienten zwischen 0,5 und 1 Promille, bis das Methanol aus dem Körper ausgeschieden wurde." Alternativ gibt es ein Medikament, welches ebenfalls die Alkoholdehydrogenase blockiert. Beides nutzt natürlich nur etwas, wenn der Betroffene eingeliefert wird, bevor das Methanol im Körper vollständig umgesetzt wurde.

Nina Bublitz

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