Gürtelrose statt Schlaganfall
Gesichtslähmung wie aus dem Nichts

Gürtelrose Herpes Zoster im Gesicht
Gürtelrose kann überall am Körper auftreten, meist auf Bauchhöhe, in seltenen Fällen jedoch auch im Gesicht.  
© Getty Images
Gürtelrose, ein harmloser Name für eine tückische Krankheit, die zur Gesichtslähmung, Erblinden oder Taubheit führen kann. Rund 95 Prozent tragen das Virus in sich, doch nur die Hälfte aller Erwachsenen ist sich der Gefahr bewusst, zeigt eine neue Umfrage.  

Es sei wie aus dem Nichts gekommen, erzählt die Kindergärtnerin Martina B. Gemeinsam mit ihrem Mann saß die 62-jährige Hamburgerin am Frühstückstisch. Man redete, las Zeitung, plante den Tag. Als sie von ihrem Kaffee nippte, sei die heiße Flüssigkeit aus linken ihrem Mundwinkel wieder herausgelaufen, erinnert sie sich. Wie ungeschickt, habe sie noch gedacht. Sie nahm erneut einen Schluck. Und wieder lief der Kaffee seitlich aus ihrem Mund. Erst dann bemerkte sie die vor Erschrecken geweiteten Augen ihres Mannes. Er sah, was sie nicht mehr fühlen konnte: Ihre linke Gesichtshälfte hing von den Augenliedern bis zum Kinn schlaff herab. 

Sie rasten in die Notaufnahme. Verdacht auf Schlaganfall. Dann ging es so schnell, dass sie mental gar nicht hinterhergekommen sei. Sofort wurde sie ins CT geschoben. Als keine entsprechenden Veränderungen gefunden wurden, meinte die Ärztin, dass nur zwei Möglichkeiten blieben: FSME oder Gürtelrose. Es war Gürtelrose. Zwei Jahre ist das jetzt her. Die linke Gesichtshälfte hängt noch immer. Martina B. musste lernen, mit ihrem entstellten Äußeren zu leben und auf eine langsame Besserung zu hoffen. Zumindest könne sie das linke Auge heute endlich wieder schließen. Bei dieser Krankheit sei man schon für kleine Fortschritte dankbar.

Wer Windpocken hatte, trägt das Gürtelrosen-Virus ein Leben lang in sich

Die Diagnose habe sie geschockt, sagt sie rückblickend. Nichts habe bei ihr darauf hingedeutet. Bis zu diesem Morgen habe sie sich gut gefühlt. Verursacher der Gürtelrose ist das sogenannte Varicella-Zoster-Virus (VZV). Wer Windpocken hatte, trägt das Virus bereits in sich. Für immer. Sind die Windpocken überstanden ist man zwar ein Leben lang vor Windpocken geschützt, kann sich jedoch ein zweites Mal mit dem Erreger infizieren und eine Nervenentzündung bekommen - eben die berüchtigte Gürtelrose. Im Fall von Martina B. hat eine Sonderform des Virus, den Zoster oticus, den Gesichtsnerv befallen. 

Dass das Immunsystem die Varicella-Zoster-Viren nicht aus ihrem Körper verbannen kann, liegt an einem ganz gemeinen Trick: Während die Windpocken wüten, nistet sich das Virus in den Nervenknoten ein, die in der Nähe des Rückenmarks liegen. In diesen sogenannten sensorischen Ganglien schlummern die Erreger dann ein Leben lang. Normalerweise hält das Immunsystem sie in Schach. Mit zunehmendem Alter lässt die "Kompetenz" des Immunsystems jedoch nach. Kommen dann noch Stress oder das Immunsystem unterdrückende Medikamente hinzu, können die Viren wieder aktiv werden. Jedes Jahr erkranken allein in Deutschland rund 300.000 Menschen an Gürtelrose, viele Betroffene sind älter als 60 Jahre. 

Nach einer neuen internationalen Umfrage unter 3500 Erwachsenen des Impfstoffherstellers GSK wissen über die Hälfte der als von Windpocken befallenen Erwachsenen nicht, dass sich bei ihnen eine Gürtelrose entwickeln kann. Auch über die Risikofaktoren herrscht weitgehend Unwissenheit. So haben Erwachsene mit Asthma, COPD, koronaren Herzerkrankungen und Rheumatoider Arthritis durchschnittlich ein 30  Prozent höheres Erkrankungsrisiko als Erwachsene ohne entsprechende Grunderkrankungen. Ein deutlich erhöhtes Gürtelrose Risiko besteht auch für Erwachsene mit Depressionen. Jedes Jahr klärt der Pharmakonzern in der weltweiten Aktion "Gesundheitswoche Gürtelrose" über die Gefahren der tückischen Krankheit auf. 

Seit 2018 empfiehlt auch die Ständige Impfkommission allen Menschen über 60 Jahren die Impfung mit einem Totimpfstoff. Wer bereits an einer Grunderkrankungen leidet, hat schon ab dem 50 Lebensjahr Anspruch auf die Impfung gegen Gürtelrose. 

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