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Gesundheits-Debatte: Waage gegen Fahrrad

Viele Menschen wiegen zu viel, bewegen sich zu wenig und entwickeln daher Herzkreislaufprobleme, Diabetes und diverse andere Krankheiten. Was hilft? In einem Fachjournal streiten zwei Wissenschaftler über die beste Lösung.

Die Fitness ist wichtiger als das Körperfett, meinen drei britische Forscher

Die Fitness ist wichtiger als das Körperfett, meinen drei britische Forscher

Was nutzt der Gesundheit mehr: Aufs Gewicht achten oder sich regelmäßig bewegen? In der aktuellen Ausgabe des "British Medical Journal" vertreten zwei Forschergruppen unterschiedliche Meinungen zu dieser Frage - eine spannende Diskussion. Bewegungsmangel und Übergewicht gelten als Risikofaktoren für zahlreiche Krankheiten vom Diabetes bis zu Herzkreislaufproblemen. Viele Menschen bringen gleichzeitig zu viel Gewicht auf die Waage und sind nicht aktiv genug. Da stellt sich durchaus die Frage, an welcher Schraube gedreht werden sollte.

Der britische Sportmediziner Richard Weiler und zwei Kollegen vertreten, salopp formuliert, die These: Lieber ein fitter Dicker als ein normalgewichtiger Couch-Potatoe. Fünf Mal pro Woche eine halbe Stunde Bewegung sollte drin sein, doch 95 Prozent der Menschen in England und den USA schaffen nicht einmal das. In Deutschland dürfte die Zahl ähnlich aussehen. Damit sei Bewegungsmangel der einzige derart weit verbreitete Risikofaktor, schreiben die Forscher.

Wer sich bewegt, nimmt ab oder hält zumindest sein Gewicht, mag man jetzt sagen. Aber das stimmt nicht immer. Fünf mal 30 Minuten Bewegung pro Woche wirken sich kaum aufs Gewicht aus, aber auf die Gesundheit. So würde laut einer Untersuchung mit knapp 14.000 Teilnehmern jede Art von Bewegung, unabhängig vom persönlichen Body-Mass-Index, die Lebenszeit verlängern. Die Wissenschaftler befürchten, dass die aus ihrer Sicht unnötige Konzentration auf die Pfunde übergewichtige Menschen vom Sport abhält, der ihnen auch nützen würde, wenn sie dadurch kein Gewicht verlieren. Und sie fügen hinzu, dass medizinische Maßnahmen gegen Übergewicht - Medikamente und Operationen - Risiken mit sich bringen, während ein Bewegungsprogramm im Prinzip nur positive Nebenwirkungen hat.

Gesunde Ernährung durch die Lebensmittelpreise fördern

Der australische Forscher Timothy Gill und seine Kollegen halten dagegen: Hauptsache kein Übergewicht, meinen sie. Jede Strategie, die sich allein auf Bewegung konzentriere und das Problem Übergewicht ignoriere, sei von vornherein fehlerhaft. Der Mangel an körperlicher Aktivität sei nur ein Aspekt des Übergewicht fördernden Lebensstils, der in der Gesellschaft verbreitet sei. Sie sehen - naheliegend beim Thema - die Ernährung als weiteres wichtiges Feld. Sie schlagen weitreichende Veränderungen vor, um gesunde Ernährung zu fördern: von anderen Produktionswegen bis hin zu veränderten Preisen. Wie das aussehen könnte, führen sie nicht weiter aus. Eine Extra-Steuer auf Wurst vielleicht oder Subventionen für Bio-Möhren. Gill und seine Kollegen wollen auch für mehr Bewegung sorgen. So sollten schon bei der Stadtplanung mehr Radwege und Grünflächen geschaffen werden, damit die Bürger spazieren oder radeln.

Was bedeutet das für den einzelnen, der auf seine Gesundheit achten will? Dass sich auch die Experten nicht einig sind, sollte auf keinen Fall abschrecken. Weder von regelmäßiger Bewegung noch von gesunder Ernährung.

bub

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