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Tatsache oder Trugschluss: Macht Zucker Kinder hyperaktiv?

Zu viel Zucker ist ungesund, das ist klar. Doch verwandelt der süße Stoff Kinder in hyperaktive Zeitgenossen? Und macht es Sinn, bei ADHS Zucker gänzlich vom Speiseplan zu streichen?

Von Lea Wolz

Macht abends essen dick? Ist es schädlich, den Deckel des Joghurtbechers abzulecken? Gibt es süßes Blut? Der stern nimmt in loser Reihenfolge Alltagsmythen unter die Lupe. Zuerst lassen wir Sie, die Leser, darüber abstimmen. Auf der nächsten Seite finden Sie die Auflösung des Mythen-Checks.

Macht Zucker hyperaktiv?

Lesen Sie auf der nächsten Seite, was dran ist an der Vorstellung, dass Zucker hyperaktiv macht.

Zucker macht Kinder hyperaktiv - kaum ein Mythos, der sich so hartnäckig hält wie dieser. Noch immer erkundigen sich besorgte Eltern in Internetforen, ob der süße Stoff tatsächlich eine Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitäts-Störung, kurz ADHS, beim Nachwuchs auslösen könne. Und noch immer verbreiten sich Erfahrungsberichte, dass eine Reduktion des Zuckerkonsums dabei geholfen habe, Zappelphilippe zu ruhigen und konzentrierten Kindern zu machen. Solche Anekdoten nähren den Mythos und halten ihn am Leben.

Dabei ist wissenschaftlich längst klar: Zucker verwandelt Kinder nicht in hyperaktive Zeitgenossen und sorgt nicht dafür, dass gesunde Kinder ADHS entwickeln. "Es gibt keine seriöse Studie, die belegt, dass Zucker hyperaktiv macht", sagt Michael Schulte-Markwort, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

"Um ADHS ranken sich immer schon Theorien, dass bestimmte Nahrungsmittel oder deren Bestandteile für die Erkrankung verantwortlich sind", so der Mediziner, der auch die Kinder- und Jugendpsychosomatik-Abteilung am Altonaer Kinderkrankenhaus leitet. "Da Zucker in den Industrienationen in der Tat zu viel aufgenommen wird, gibt es eine große elterliche Aufmerksamkeit gegenüber dem Zuckerkonsum der Kinder und den Verdacht, der 'schädliche' Zucker könne vieles Negative und Krankhafte verursachen."

Keine wissenschaftlichen Belege

Wer sich mit dem Thema Zucker und ADHS beschäftigt, landet bei dem kalifornischen Arzt Benjamin Feingold. Dieser führte in den 1970er Jahren - gestützt durch einzelne Fallbeobachtungen - die Theorie ein, dass Lebensmittelzusätze wie künstliche Aromen und Farbstoffe zu Hyperaktivität und Lernschwierigkeiten führen können. Um diese zu behandeln, entwickelte der Arzt eine eigene Ernährungsweise, die Feingold-Diät, bei der diese Zusatzstoffe gemieden wurden. Auch Zucker geriet schnell als schädlicher Stoff ins Visier der Feingold-Befürworter.

Noch heute findet diese Ernährungsweise Anhänger, obwohl es wissenschaftlich keinerlei Belege für ihre Wirksamkeit gibt. Dass Zucker nicht hyperaktiv macht, haben mittlerweile zahlreiche methodisch einwandfreie Studien widerlegt. So fand etwa eine Übersichtsarbeit mit zwölf Studien keinerlei Belege für die Hypothese: Weder bei Kindern, bei denen ADHS bereits diagnostiziert worden war, noch bei gesunden Kindern führte Zuckerkonsum zu Verhaltensauffälligkeiten - ganz gleich ob die Kleinen zu zuckerhaltigen Drinks, Fruchtzucker, Schokolade oder Naschereien griffen. Auch eine andere Übersichtsarbeit, die 23 Studien und 560 Kinder umfasste, fand keinerlei Belege dafür, dass Zucker Aufmerksamkeitsstörungen oder Hyperaktivität beim Nachwuchs hervorruft. Andere Studien unterstreichen dies.

Die Erwartung spielt eine große Rolle

Doch warum unterscheiden sich die wissenschaftlichen Aussagen von dem, was Eltern aus eigener Erfahrung berichten? Die Erwartung könnte hierbei eine große Rolle spielen, zeigt eine Untersuchung. Für diese teilten Forscher 35 Jungen im Alter von fünf bis sieben Jahren zufällig in zwei Gruppen ein. Den Müttern erzählten die Wissenschaftler, dass ein Teil der Kinder extrem zuckerhaltige Nahrung erhalte, der andere ein Placebo. Tatsächlich erhielten alle Kinder zuckerfreie Nahrung. Doch die Mütter, die davon ausgingen, dass ihr Nachwuchs Süßes bekommen hatte, beurteilten das Verhalten der Jungen im Anschluss häufiger als hyperaktiv und auffällig.

Zudem könnte auch schlichtweg die Situation zu Fehlschlüssen verleiten, vermuten Forscher: Süßes bekommen Kinder oft zu besonderen Anlässen, etwa Geburtstagsfeiern. Aufgedreht sind sie bei solchen Feiern oftmals ebenfalls. Krankhaft ist das keinesfalls. Und umgekehrt könnte auch der erhöhte Energiebedarf dafür gesorgt haben, dass Kinder vermehrt zu Zucker greifen.

"Hyperaktivität darf man ohnehin nicht mit ADHS gleichsetzen", sagt Mediziner Schulte-Markwort. "Das wichtigste Symptom beim ADHS ist das Konzentrationsdefizit" - und eben nicht allein der gesteigerte Bewegungsdrang.

Zucker in Maßen - dennoch sinnvoll

Auch wenn Zucker nicht hyperaktiv macht, den Stoff nicht in Übermaßen zu verzehren, ist für alle Kinder sinnvoll: Schädlich für die Zähne ist Zucker allemal. Zu viel davon kann nicht nur zu Karies führen, sondern auch Übergewicht sowie Diabetes fördern.

Bestimmte Farbstoffe und Konservierungsmittel stehen ebenfalls seit Jahren im Verdacht, hyperaktives Verhalten bei Kindern zu verstärken. Auch wenn der Zusammenhang wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist: Süßigkeiten, die diese Farbstoffe enthalten, müssen seit einiger Zeit mit dem Warnhinweis "kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen" gekennzeichnet sein. Diese Risikofaktoren zu meiden, ist einfach - und kann sinnvoll sein.

Schulte Markwort zufolge gibt es Studien, die zeigen, dass eine ausgewogene Ernährung - in der auf möglichst viele Farb- und Zusatzstoffe verzichtet wird - bei Kindern mit ADHS die Symptomatik leicht verbessern kann. "Aber das gilt nicht für alle betroffenen Kinder und vor allem reicht es zur Therapie alleine nicht aus." Wesentliche Bestandteile sind laut dem Mediziner neben der Elternaufklärung und -beratung eine medikamentöse Behandlung in Kombination mit einer Psychotherapie.

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