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Neue EU-Verordnung: Vor sechs Farbstoffen wird jetzt gewarnt

In Lutschern, Bonbons, Eis oder Puddings finden sich sechs Farbstoffe besonders häufig, die unter anderem im Verdacht stehen, Hyperaktivtät und aggressives Verhalten bei Kindern zu steigern. Jetzt muss ein Warnhinweis auf die Verpackung, wenn einer der Stoffe enthalten ist.

Sind bestimmte Farbstoffe enthalten, bekommen Lebensmittel in Zukunft einen Warnhinweis

Sind bestimmte Farbstoffe enthalten, bekommen Lebensmittel in Zukunft einen Warnhinweis

Süßigkeiten und andere Lebensmittel, die bestimmte künstliche Farbstoffe enthalten, müssen von diesem Dienstag an einen Warnhinweis auf der Packung tragen. Nach einer EU-Verordnung muss der Satz "kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen" mit aufgedruckt sein. Die neue Regelung gilt für die Farbstoffe Tartrazin (E 102), Chinolingelb (E104), Gelborange S (E 110), Azorubin (E 122), Cochenillerot A (E 124) und Allurarot AC (E 129).

Die synthetischen Farbstoffe sind häufig in Süßigkeiten wie Bonbons, Lutschern und Kaugummis sowie Limonaden zu finden. Doch sie können auch Pudding oder Speiseeis beigemischt sein. Die Substanzen verbergen sich häufig hinter den E-Nummern, die auf Verpackungen aufgedruckt sind. Verbraucherschützer wenden sich schon lange gegen diese künstlichen Zusätze, die im Verdacht stehen, Allergien oder Krebs auszulösen. Eine Studie der britischen Universität Southampton hatte 2007 auch einen Zusammenhang zwischen Hyperaktivität, Aggressivität und Konzentrationsschwierigkeiten bei Kindern und dem Genuss von Süßigkeiten mit diesen Farbstoffen gefunden.

Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa kam 2008 zu dem Schluss, dass die britische Studie keine ausreichenden Beweise dafür liefere, dass die Farbstoffe mit Hyperaktivität bei Kindern in Zusammenhang stehen. Das EU-Parlament entschied sich dennoch für den Warnhinweis auf Lebensmitteln.

Die deutsche Lebensmittelwirtschaft kritisierte die Neuregelung. "Gefühlte Risiken machen Verbraucher unsicher", sagt Matthias Horst, Hauptgeschäftsführer des Bundes für Lebensmittelrecht. Grundlage für solche Warnhinweise dürften nur belastbare, wissenschaftlich ermittelte Daten sein, die sich auf wirkliche Gesundheitsrisiken beziehen. Diese lägen hier nicht vor.

Verbraucherschützer betonen dagegen, dass sich künstliche Farbstoffe durch natürliche ersetzen lassen. Dazu zählten zum Beispiel Frucht- und Pflanzenextrakte wie Beetenrot, Spinatextrakt, Holunder oder Carotinoide.

DPA / DPA
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