HOME

Mythos entlarvt: Glückliche Menschen leben doch nicht länger

Scheinbar gute Nachrichten für alle Miesepeter: Eine Studie hat ergeben, dass Glück allein keinen Einfluss auf die Gesundheit hat. Das gilt allerdings nur für Frauen.

Von Ilona Kriesl

Freude und Glück im Leben halten gesund - das galt lange Zeit als Fakt. Eine neue Studie nährt allerdings Zweifel an dieser These.

Freude und Glück im Leben halten gesund - das galt lange Zeit als Fakt. Eine neue Studie nährt allerdings Zweifel an dieser These.

"Lach doch mal wieder!" Wie schnell kommt uns dieser Satz über die Lippen, wenn wir einem Mensch begegnen, der griesgrämig durch das Leben stapft. Gut gemeint ist er ja: Glück, so glauben wir, hält gesund, fit und macht uns widerstandsfähiger gegen Stress und Krankheiten. Im Umkehrschluss würde das bedeuten: Unzufriedenheit schadet der Gesundheit, macht krank und verkürzt unter Umständen sogar das Leben. Doch stimmen diese gängigen Behauptungen überhaupt?

Ein australisches Forscherteam ging der Frage nun mit einer großangelegten Studie nach. Die Wissenschaftler um Bette Liu von der University of New South Wales wollten klären, ob glückliche Menschen tatsächlich gesünder sind – und unter Umständen deshalb auch länger leben. Ältere Studien legen diesen Zusammenhang nahe: Demnach sollen glückliche Menschen ein längeres Leben führen und seltener an Herzkrankheiten sterben. Warum das so ist, ist unklar. Möglicherweise, so vermuteten Forscher bislang, könnte Zufriedenheit das Immunsystem und auch den Kortisolspiegel im Blut beeinflussen und so für den Effekt verantwortlich sein.

Wurden Ursache und Wirkung verwechselt?

Das Forscherteam jedoch glaubt, dass eine Verwechslung zu diesem Zusammenhang geführt haben könnte: Demnach ist es wohl nicht das Unglücklichsein, das Menschen krank macht. Vielmehr könnten es die Krankheiten selbst sein, die Menschen das subjektive Gefühl vermitteln, dass sie unglücklich sind. Zudem vermuten die Forscher, dass unzufriedene Menschen häufiger zu Zigaretten greifen, viel Alkohol trinken und auch sonst eher ungesund leben. All diese Zusammenhänge könnten zu dem Schluss geführt haben, dass unglückliche Menschen früher sterben. Sie würden aber nicht bedeuten, dass das Unglücklichsein per se für die Kurzlebigkeit verantwortlich ist.

Ein wenig Glück kann nicht schaden

Um ihren Verdacht zu erhärten, analysierten die Forscher die Daten von rund 720.000 Frauen aus Großbritannien. Diese befragten sie nach ihrer gesundheitlichen Verfassung, ihrem Stresslevel und auch, ob sie sich glücklich fühlten. Tatsächlich ergab sich nach der Auswertung kein Zusammenhang, dass der Faktor Glück allein Einfluss auf die Sterblichkeit haben könnte. Allerdings, so gibt Co-Autor Richard Peto zu bedenken, kann Unzufriedenheit zu einem ungesunden Lebensstil verleiten, etwa übermäßigem Alkoholkonsum, und auf diese Weise der Gesundheit schaden. Soll bedeuten: Zufriedenheit und Glück scheinen der Gesundheit zumindest nicht abträglich zu sein.

Die Forscher betonen jedoch auch, dass weitere Forschung nötig sein wird, um das Studienergebnis zu untermauern. Zwar besitzt die Studie aufgrund der Vielzahl an Teilnehmern eine relativ gute Aussagekraft, allerdings ist es schwierig, ein komplexes Gefühl wie Glücklichsein via Fragebogen zu erfassen. Zudem bleibt unklar, wie sich Glück im Leben auf die Gesundheit von Männern auswirkt. 

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity