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Was tun im Stau?: Achtung, fertig, Stillstand

Die Hitze ist kaum noch auszuhalten. Der Schweiß läuft in Strömen, und es geht keinen Zentimeter nach vorne. Stauorgien haben in der Sommerhitze einen ganz besonderen Reiz. Wir sagen, wie man einen kühlen Kopf behält.

Spätestens am Tag vor der Fahrt in den Urlaub sollte man sich Gedanken über den fahrbaren Untersatz machen. Wer zu den Glücklichen zählt, der Modelle verschiedener Dimensionen zur Auswahl hat, sollte sich im eigenen Sinne für ein größeres Modell als Reisevehikel entscheiden. Statt sich Schulter an Schulter im engen Fond den heißen Temperaturen hinzugeben und sich gegenseitig zu bemitleiden, schwitzt es sich in einem Van, Kleinbus oder SUV eine ganze Ecke angenehmer. Man hockt sich nicht auf der Pelle und das garantiert mindestens eine Stunde mehr Ruhe im Fond. Wer im Stau noch auf Partnerfang gehen möchte, dem sei ein Cabriolet empfohlen. Entweder man hat im Super-Stau bereits zahlreiche Kontakte geknüpft und Telefonnummern gesammelt oder man kommt bereits am Urlaubsort gebräunt an. Das verbessert die Chancen beim anderen (oder gleichen) Geschlecht von Timmendorf bis Malaga. Sonnencreme nicht vergessen.

Weitere Tipps für den Stau in der Liste links.

Susanne Kilimann / Stefan Grundhoff; press-inform

Durstlöscher

Eine entspannte Atmosphäre im Auto ist ohne Verpflegung undenkbar. Gekühlte Getränke sind neben hoffnungsspendenden Knabbereien ein wichtiger Bestandteil für eine entspannte Tour. Wenn es schon an die Ausstattung des Autos geht, dann sollten auch einige Spiele (analog und digital) an Bord sein. In vielen Familien haben die mobilen DVD-Systeme mittlerweile einen festen Platz in der Spielekiste. Sorgt auch im Stau und brütender Hitze für weniger Störgeräusche im Fond. Ob sich die Eltern in der ersten Reihe von x-ten Mal Benjamin Blümchen oder Harry Potter antun wollen, sollte jedoch bedacht werden. Kopfhörer sind bekanntermaßen für die einen wie die anderen ein probates Mittel.

Musik liegt in der Luft

Früher waren es Musikkassetten, dann CDs und mittlerweile die mobilen Musikspieler wie die stylishen iPods, die für Entspannung im Auto sorgen. Wer Angst um die eigene Gesundheit und das Nervenkostüm hat, sollte die Titelauswahl vor der Abfahrt noch einmal kurz kontrollieren. Bei Temperaturen um 35 Grad Celsius im Schatten kann auf heiße Rhythmen gut verzichten. Easy-Listening-Musik kann Wunder bewirken und so manchen Harndrang noch eine halbe Stunde im Zaum halten.

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Energiereserven

Bei längeren Fahrten und besonders im Stau sollte man bei allen Geräten Ersatzakkus und bestenfalls ein KFZ-Ladegerät an Bord haben. Empfiehlt sich übrigens auch für das Mobiltelefon. Mit leerem Akku kann man im Kamener Kreuz erst nach Sonnenuntergang per Lichtzeichen den Pizzaservice um Hilfe rufen. Dass der Tank bei der Fahrt in den Urlaub nicht bis auf den letzten Tropfen leer gefahren werden sollte, versteht sich von selbst. Eine kurze Kontrolle des Autos sollte vor der Fahrt obligatorisch sein.

Prima Klima

Stau auf der A8. Nichts geht mehr. Draußen brütende Hitze. Drinnen quengelnde Kinder, gestresste Eltern und eine miefige Geruchs-Melange aus belegten Broten und Sonnencreme. Zum Glück gibt’s die Klimaanlage: Sie verschiebt die Sollbruchstelle des elterlichen Geduldfadens nach außen, trocknet die Schweißperlen auf der Stirn und bewahrt bei manchen Autos sogar den Schokoriegel im Handschuhfach davor, zu einer ekligen braunen Masse zu zerfließen. Ab der Kompaktklasse aufwärts sind Neuwagen ohne Klimaanlage undenkbar geworden. Gewöhnliche Klimaanlagen sind schon fast out, die Klimaautomatik gibt längst den Ton an. Bei einer Mehrzonen-Klimaautomatik können Fahrer und Beifahrer oder sogar alle Passagiere die Temperatur auf ihrem Sitzplatz individuell einstellen.

Wie so viele Komfort-Extras hat auch die gute alte Air Condition ihre Nachteile. Der größte ist ein erhöhter Spritverbrauch – rund ein Liter pro 100 Kilometer. Der Mehrverbrauch lässt sich allerdings schlecht beziffern, er ist sowohl vom Motor als auch von der Qualität der Klimaanlage abhängig.

Der Mensch

Doch die beste Vorbereitung bringt nur wenig, wenn sich die Familie auf die Fahrt nicht vorbereitet hat. Warum es gerade auf der Fahrt in den Urlaub zwischen den Autoinsassen so oft kracht, hat viele Gründe, meint der Berliner Verkehrspsychologe Edmund Wirzba. "Ein Faktor zum Beispiel ist die typische Konkurrenzsituation, die der Autofahrer erlebt, wenn er sich zum Ferienstart gemeinsam mit den Massen in Bewegung setzt. Jeder will so gut und so schnell wie möglich an sein Ziel. Und wer im Stau steckt, fühlt sich leicht als Verlierer, ist unzufrieden mit sich, weil er die falsche Zeit oder die falsche Strecke gewählt hat, weil ihn die 'Besseren' abgehängt haben. Wenn dann auch noch eine kritische Bemerkung vom Partner kommt - ('ich wollte ja gestern schon los') - entfesselt sich schnell ein dicker Streit." Die schlechte Stimmung im Cockpit geht auch an den Kindern auf dem Rücksitz nicht spurlos vorbei. "Die Kleinen haben ganz feine Sensoren für die Signale, die ihre Eltern aussenden", sagt Wirzba. "Selbst wenn kaum Worte fallen, kriegen sie ganz genau mit, dass da vorn die Gewitterwolken aufziehen. Papas Tonfall, Mamas Blick können für sie Vorboten einer drohenden Katastrophe sein." Kein Wunder also, wenn die Kids quengelig werden. Zu Hause könnten sie sich ins Kinderzimmer verkrümeln oder draußen spielen gehen. Im Auto gibt’s kein Ausweichen – das potenziert den Stress.

Doch Autofahrer und Co-Pilot können einiges tun, um Streit an Bord zu vermeiden. Schon eine gute Planung senkt das Stressrisiko. Punkt eins: Die Zeitkalkulation sollte immer großzügig sein. Auch wer eine bestimmte Autofähre erreichen will, kann auf Fahrpausen nicht verzichten. Punkt zwei: Reizthemen sind im Auto tabu. "Unangenehmes muss vor oder nach der Fahr geklärt werden. Niemals im Auto", rät Verkehrspsychologe Wirba. Punkt drei: Kritische Wortwechsel gilt es frühzeitig auszubremsen. "In unserer Gesellschaft ist es üblich, auf etwas Negatives negativ zu reagieren. So schaukelt man sich gegenseitig schnell hoch", weiß der Psychologe. Gut sei es daher, sich schon vor der Fahrt ein paar Strategien gegen die Streit-Spirale einfallen zu lassen. "Ein Witz oder ein Lied, das man gemeinsam singt, können die Situation auflockern, wenn sich Stress anbahnt."

Nur die Ruhe

Seit Jahren beten die Verkehrspsychologen, genügend Pausen einzulegen. Für viele ein geradezu irrer Wunsch, denn sparsame Dieselmotoren mit Endlosreichweiten von über 1.000 Kilometer und die allseits beliebten Drive-Ins machen Pausen selbst bei einer Reiseroute zwischen Hamburg und Rimini nahezu überflüssig. Alle zwei bis drei Stunden eine Pause tut jedoch der Seele gut. Sollte die A3 ebenso wie die bekannten Ausweichrouten komplett verstopft sein, gibt es immer noch eine Notlösung. Zum nächsten Freizeitpark ist es oftmals nicht weit. Wenn es schon nicht weiter geht, muss es nicht immer der Abstecher in das überfüllte und noch heißere Outlet-Center sein. Ferienoasen wie der Skyline Park in Bad Wörishofen, das Phantasialand bei Brühl oder der Europa-Park Rust sind eine nette Alternative. Oftmals ist es das Sinnvollste, erst am späten Abend weiterzufahren. Dann sind auch die Temperaturen gesunken, und die Kinder schlafen im Auto.

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