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Sachsen-Anhalt Drei Kinder und Jugendliche sterben nach Sekundärinfektion – das sind die Gefahren

Auf einem Nachttisch liegen Medikamente, Nasenspray und Taschentücher
Im Fall von drei verstorbenen Menschen geht das RKI davon aus, dass sie erst eine Grippe und dann eine bakterielle Infektion hatten
© Bernd Weißbrod/dpa
Drei junge Menschen sind in Sachsen-Anhalt nach einer sogenannten Sekundärinfektion verstorben, nachdem sie zunächst eine Grippe hatten. Ein Allgemeinmediziner erklärt, wie gefährlich eine solche Infektion werden kann.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RTL.de 

Das Robert Koch-Institut (RKI) teilte in seinem Wochenbericht mit, dass zum Jahreswechsel in Sachsen-Anhalt drei Kinder und Jugendliche durch bakterielle Infektionen gestorben seien. Alle Verstorbenen zeigten Symptome einer bakteriellen Meningitis. Außerdem wurden Influenza-A-Viren nachgewiesen.

So konnte in zwei Fällen im Blut das Bakterium Streptococcus pyogenes nachgewiesen werden. Dieses kann unter anderem Scharlach, Tonsillitis (Mandelentzündung), nekrotisierende Fasziitis oder eine Wundrose auslösen.

Im Blut des letzten Betroffenen wurde das Bakterium Staphylococcus aureus festgestellt. Das RKI geht davon aus, dass alle drei Verstorbenen zuerst mit Influenza-A infiziert waren und sich anschließend noch eine zweite bakterielle Infektion zugezogen haben.

RKI fordert genauere Untersuchungen

Das RKI sieht diese Entwicklung als Warnsignal und rät Ärzten dazu, vermehrt auch auf bakterielle Erreger zu testen: "Sekundärinfektionen durch bakterielle Erreger, wie Gruppe-A-Streptokokken, Pneumokokken, Haemophilus influenzae und Staphylococcus aureus treten insbesondere auch während der Influenza- und Erkältungszeit auf und sollten neben Meningokokken differentialdiagnostisch bei schwerwiegenden bakteriellen Infektionen, wie einer Meningitis oder Sepsis berücksichtigt werden." Es wird vermutet, dass eine Primärinfektion mit beispielsweise Influenzaviren das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf mit einer weiteren bakteriellen Infektion begünstigt.

Dr. Specht geht davon aus, dass der Grund, wieso Sekundärinfektionen gehäufter auftreten, einerseits an der doch sehr schwerwiegenden Grippewelle liegen könnte und wir andererseits nach Corona anfälliger sind für Infektionen jeglicher Art. Stichwort: Rebound-Effekt. "Man kann nur hoffen, dass das jetzt wieder abebbt. An sich wären ja viele bakterielle Infektionen gut behandelbar, wenn man sie frühzeitig entdeckt und dann das richtige Antibiotikum auswählt. Das Problem besteht dann, wenn zu viel Zeit ins Land geht und die Bakterien schon im Körper wüten können und es dann eben zu längerfristigen Komplikationen kommen kann. Oder zum Tod, wie in den aktuellen Fällen."

Grippe und bakterielle Infektion zusammen: "Man muss immer sehr, sehr wachsam sein"

Der Mediziner bewertet die drei Fälle als "besonders tragisch". Wenn sich auf eine echte Influenza zusätzlich eine weitere bakterielle Infektion setzt, ist das problematisch: "Der Organismus ist dann schon geschwächt und dann können die Bakterien leichter anhaften und in den Körper eindringen. Das muss hier geschehen sein. Und dann haben diese Bakterien es auch noch geschafft, bis hin zu den Hirnhäuten zu gehen, die sich dann entzündet haben." Es kam zu einer Meningitis, die letztendlich tödlich endete.

Eine solche Sekundär- oder auch Superinfektion sei deswegen so tückisch, weil man die Symptome nur schwer deuten kann: "Man stellt ja zunächst einmal eine Diagnose, zum Beispiel eine Virusinfektion und in diesen Fällen Influenza. Das erklärt dann viele der Symptome. Wenn dann aber noch andere Symptome hinzukommen, die passen, ist man natürlich geneigt, die auch der Influenza zuzuschreiben." Dass es sich in Wirklichkeit um eine Extra-Infektion handle, um Bakterien, die sich oben drauf gesetzt haben – darauf komme man nur in den seltensten Fällen. "Das übersieht man leicht. Man muss daher immer sehr, sehr wachsam sein und Tests machen", so der Mediziner.

Gibt es eine Möglichkeit, Sekundärinfektionen doch irgendwie zu erkennen?

"Bakterielle Sekundärinfektionen treten wahrscheinlich häufiger auf, als bekannt ist. Manche erkennt man aber schon, zum Beispiel im Mund-Rachen-Bereich. Aber häufig muss man eben einen Abstrich machen, um auf Nummer sicher zu gehen", so Dr. Specht.

Dennoch sei leider keine klare Linie zu ziehen, dass man sagen könne, bei diesen bestimmten Virusinfektionen muss immer geschaut werden, ob eine Superinfektion vorliegen könnte. Denn: "Die meisten Virusinfektionen bleiben für sich." Sein Rat: "Wenn Symptome durch die Ursprungserkrankung, die Erstdiagnose, nicht erklärt werden können, dann könnte das ein Hinweis sein, dass man nochmal genauer nachschauen muss." Ebenso wenn Symptome lange anhalten und keine Besserung auftritt. "Das ist immer ein Grund, nochmal den Arzt aufzusuchen."

RTL.de, ckön

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