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Versorgung von Covid-19-Patienten Berliner Intensivmediziner mahnen zur Vorsicht bei Sport, Drogen und im Straßenverkehr

Pflegekräfte auf einer Intensivstation betreuen einen Covid-19-Patienten
Pflegekräfte auf einer Intensivstation betreuen einen Covid-19-Patienten
© Jan Woitas / DPA
Die Lage auf den Intensivstationen spitzt sich weiter zu – vor allem aufgrund ungeimpfter Covid-19-Patienten. Berliner Chef- und Oberärzte richten deshalb einen Appell an die Bevölkerung.

In der vierten Welle der Corona-Pandemie spitzt sich auch die Situation auf den Intensivstationen weiter zu. In einigen Regionen sind bereits alle verfügbaren Betten mit Covid-19-Erkrankten belegt, planbare Operationen werden verschoben, um die Kapazitäten zu schonen. Nicht planbar sind hingegen Patienten, die etwa nach Unfällen eine intensivmedizinische Behandlung benötigen – und diese aufgrund der angespannten Lage eventuell nicht bekommen könnten.

Intensivmediziner aus Berlin und Brandenburg sprechen deshalb einen klaren Appell an die Bevölkerung aus. In einer noch nicht veröffentlichten Stellungnahme, über die der "Tagesspiegel" und die "Märkische Onlinezeitung" berichten, warnen sie, die Behandlungen auf den Intensivstationen der Berliner Kliniken lasse sich "nicht mehr lange auf dem heutigen Niveau aufrechterhalten", wenn die Zahl der schweren Covid-19-Fälle weiter steige.

Extremsport und riskanten Drogenkonsum meiden

Die Mediziner rufen deshalb dazu auf, potenziell gefährliche Situationen so gut wie möglich zu meiden. "Wir raten dazu, in den nächsten Wochen besonders vorsichtig zu sein", sagte Jörg Weimann, Chefarzt der Intensivstation im Sankt Gertrauden-Krankenhaus in Berlin-Wilmersdorf, dem "Tagesspiegel". "Dazu zählt etwa Extremsport auszusetzen, riskanten Drogenkonsum zu vermeiden und nur äußerst wachsam am Straßenverkehr teilzunehmen."

Die an der Erklärung beteiligten Ober- und Chefärzte weisen darauf hin, dass in den nächsten Wochen mit noch mehr schweren Covid-19-Fällen zu rechnen sei, die auf den Intensivstationen versorgt werden müssten. "Das wird nur noch dadurch gelingen, dass die Teams der Intensivstationen bei gleicher Besetzung eine immer größer werdende Patientenzahl betreut – und das muss zwangsläufig zu einer Verminderung der Qualität führen", heißt es in dem Appell.

Vor allem ungeimpfte Patienten auf den Intensivstationen

Laut Divi-Intensivregister werden in Berlin aktuell rund 200 Covid-19-Fälle behandelt, von insgesamt 1080 Intensivbetten sind noch 104 frei. Vor allem ungeimpfte Patienten würden auf den Intensivstationen liegen, berichtete Chefarzt Weimann dem RBB: "Bei den Ungeimpften werden die Intensivpatienten immer jünger und wir haben immer wieder welche dabei, die keine Vorerkrankungen haben." Impfdurchbrüche machten etwa 20 Prozent der Intensivpatienten aus, hierbei handele es sich meistens um Ältere oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen.

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Um die Versorgung auf den Intensivstationen weiterhin zu gewährleisten, werden in Berlin und Brandenburg bereits jetzt medizinische Eingriffe priorisiert, heißt es in der Erklärung der Chef- und Oberärzte – das sei "bereits unsere tägliche Realität – und die von vielen kranken Menschen in der Region". Sollte sich die Lage weiter verschlechtern, könnte das dazu führen, "dass manchen Bedürftigen eine Intensivtherapie schlicht versagt wird".

Quellen: "Tagesspiegel" / "Märkische Onlinezeitung" / RBBDivi-Intensivregister


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