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"Jenke-Experiment" auf RTL: "Eine Lüge" - so scharf kritisiert der Drogen-Experte Jenkes LSD-Trip

Der Drogentrip von RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff in das "Jenke-Experiment" sorgte für massive Kritik. Auch der in der Sendung gezeigte Drogen-Experte distanziert sich vom Format – und unterstellt RTL eine "Lüge".

RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff hält Drogen in der Hand

In "Das Jenke-Experiment" auf RTL nahm Reporter Jenke von Wilmsdorff harte Drogen, unter anderem LSD

Amphetamine, LSD, Ecstasy: In der Anfang September ausgestrahlten Folge des "Jenke-Experiments" auf RTL schluckte Jenke von Wilmsdorff harte Drogen. Das selbst erklärte Ziel des Privatsenders: über Drogen und deren Gefahren aufzuklären, zur Not auch mit drastischen Bildern, die Jenke im Drogenrausch zeigen.

Nach Meinung des Drogen-Experten Henrik Jungaberle ist das TV-Experiment allerdings kräftig schief gegangen. Jungaberle begleitete den RTL-Reporter während seines Drogentrips, er massierte ihn und versuchte, ihn zu beruhigen, als dieser in Panik geriet. In einem Blog-Eintrag, den er kurz nach Ausstrahlung verfasst hatte, kritisiert er das Format jedoch scharf und berichtet von seinem "persönlichen Jenke-Kater".

Jenkes Drogenexperiment sei "zusammenhanglos" und "klischeehaft"

Die Sendung sei eine "wirre Aneinanderreihung emotionalisierender Szenen" gewesen, schreibt Henrik Jungaberle. "Es ging vorgeblich um 'harte' Drogen, aber die Sendung war journalistisch weichgespült und verlief sich im Ganzen dann ins Unkritische."

Jungaberle kritisiert in erster Linie die Umsetzung des Themas und führt auch Beispiele auf:

  • Seiner Meinung nach war die Sendung "arm an Fakten". Es würden keine Statistiken über die Relevanz der Drogen genannt und keine Vergleiche gezogen, etwa zu legalen Drogen wie Alkohol. 
  • In der Umsetzung des Themas hätten sich Jungaberle zufolge Fehler eingeschlichen. Beispielsweise sei das angebliche Ecstasy-Experiment mit dem Wirkstoff MDAI statt MDMA ausgeführt worden. "Das ist vor allem deshalb relevant, weil die genannte Dosis von 250 mg für einen MDMA-Trip bereits hoch bis sehr hoch wäre. Solche Fehler gibt es einige", schreibt der Sozialwissenschaftler.
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  • Das Experiment sei zudem "zusammenhanglos", "klischeehaft" und "pauschalisierend". Jungaberle kritisiert es als "labyrinthisches Herumspazieren in der Welt der Drogen".
  • Jenkes LSD-Trip sei außerdem weit von einem "Horror-Trip" entfernt gewesen, erklärt Jungaberle. Doch dieses Bild werde in der Sendung erweckt. Die zwei emotional schwierigen Momente - Jenke glaubt, in Jungaberle seinen Sohn zu sehen und flüchtet vor seinen Begleitern - hätten nur wenige Minuten angehalten und seien gut lösbar gewesen. "Hier wurde in der endgültigen Darstellung dieser Erfahrung letztlich eine Lüge produziert."

Gegenüber der "Bild" äußerte sich RTL zu den Vorwürfen: "Dr. Henrik Jungaberle hat uns, während der guten Zusammenarbeit bei diesem Projekt, als Experte wertvolle Einblicke ermöglicht", erklärte eine Sprecherin gegenüber der Bild. Er habe alle ihn betreffenden Szenen vorher zur Abnahme bekommen. Der Anspruch des "Jenke-Experiments sei es, sich mit bestimmten Drogen kritisch auseinanderzusetzen und "vor den zerstörerischen Konsequenzen zu warnen".

Das Drogen-Experiment war am 5. September auf RTL ausgestrahlt worden und hatte im Anschluss für massive Kritik gesorgt. Auch Medienwächter beschäftigten sich mit der Sendung und prüften, ob von ihr eine Gefahr für Jugendliche ausgehe. Sie erklärten die Folge des "Jenke-Experiments“"letztlich aber als nicht jugendgefährdend.  

ikr

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