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RTL-Experiment: 28 Tage ohne Essen: Jenke von Wilmsdorff stürzt sich in die Magersucht

Zur Primetime wagt RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff ein radikales Experiment: Er will magersüchtig werden. Wochenlang isst er nichts und verliert viele Kilogramm. Dann wird es gefährlich.

RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff wollte sich in die Magersucht treiben

RTL-Reporter Jenke von Wilmsdorff wollte sich in die Magersucht treiben

Jenke von Wilmsdorff liebt das Extrem: Im Rahmen seiner umstrittenen Selbstversuchs-Sendung "Das Jenke-Experiment" nahm der RTL-Reporter schon harte Drogen, meisterte den Alltag im Rollstuhl, lebte im Knast und benebelte sich im Dauerrausch. Im Finale der vierten Staffel ging der 50-Jährige zur besten Sendezeit um 21.15 Uhr nun an seine körperlichen Grenzen:  Jenke von Wilmsdorff wollte nachempfinden, wie sich eine Essstörung anfühlt.

"Essen ist für viele in Deutschland ein Kampf, dabei sollte es das Normalste der Welt sein", erklärte er zu Beginn der Sendung. Er wollte wissen, was Menschen in die Anorexie treibt - eine der häufigsten Erkrankungen bei Teenagern. Doch das Experiment gelingt nicht auf allen Ebenen.

Drei Kilogramm in sieben Tagen

Zu Beginn wiegt von Wilmsdorff 83 Kilogramm, davon sind 12 Kilogramm Fett. Sein Bauchumfang beträgt 98 Zentimeter. Sein Fitnesszustand ist gut, wie sein Arzt bestätigt. Dann kommt die Radikaldiät: Die ersten zwei Wochen verzichtet der RTL-Reporter komplett auf feste Nahrung. Tagsüber trinkt er Wasser mit etwas Geschmack, abends gibt es warme Brühe. Null Kalorien, jeden Tag.

Schnell schlägt sich der Hunger auf die Stimmung nieder. "Die ersten Tage waren eine Qual. Mir tat der Magen weh, ich war übellaunig", jammert von Wilmsdorff. Nach sieben Tagen hat er drei Kilogramm abgespeckt, nicht ohne Folgen: Der RTL-Mann wird krank. "Der Körper ist unterversorgt und kann sich gegen die Keime nicht zur Wehr zu setzen", erklärt Markus Wilken, der auf Essstörungen spezialisierte Diplompsychologe, der das Experiment überwacht. 

Doch von Wilmsdorff fühlt sich mit jedem verlorenen Kilogramm besser. Nach zwei Wochen ist der Bauchumfang um 7,5 Zentimeter geschrumpft, die Waage zeigt sechs Kilogramm weniger an. Das Gesicht ist dünner, der Bauch flacher. Und von Wilmsdorff gibt stolz zu: "Mir gefällt, was ich sehe." Solche Sätze lassen nicht nur den Experten aufhorchen. "Jetzt wird’s gefährlich, das ist der Moment, in dem er in die Anorexie abrutscht. Er denkt, er hat seinen Körper unter Kontrolle - aber das hat er nicht", erklärt Diplompsychologe Wilken.

Von Wilmsdorff rutscht in die Anorexie

Von Wilmsdorffs Verhalten wird immer extremer: Erst riecht er nur am gekauften Brot, ohne es zu probieren. Zum Schluss empfindet er sogar Freude daran, ein Brot zu backen, das er niemals essen wird. Er sitzt an einem gedeckten Tisch vor einem leeren Teller. Inwieweit diese Szenen real oder nur für die Zuschauer inszeniert sind - Jenke von Wilmsdorff ist auch Schauspieler -, wird nicht ganz klar.

Nach 19 Tagen sind sieben Kilogramm weg, an der Schulter sind die spitzen Knochen zu sehen. "Wenn man sich das Bild von ihm anguckt, sieht man, wie leer seine Augen geworden sein", diagnostiziert Wilken. "Sein Lebensgeist verschwindet. Jetzt sind wir ziemlich nah an der Anorexie."

Von Wilmsdorff, der sich anfangs nicht vorstellen konnte, wie permanenter Hunger einen in die Sucht treiben kann, driftet ab. Beim Besuch seiner Mutter isst er ein Stück Pflaumenkuchen, treibt danach eine Stunde lang Sport und fühlt sich trotzdem schäbig: "Der Ärger über das eigene Versagen überwiegt." Zwei Tage später kann er widerstehen und freut sich darüber: "Ich empfinde sogar Gefallen daran, ein leichtes Hungergefühl zu haben, dem aber nicht nachzugeben." Nun schreitet der Experte ein, doch von Wilmsdorff will noch nicht abbrechen.

Hilferuf per Youtube: Wie Fremde einer Magersüchtigen Hoffnung schenken

Am letzten Tag des Experiments ist der Reporter mit den Kräften am Ende, er schafft nicht einmal seine übliche Joggingroute. Ein Check beim Arzt zeigt die schockierende Diagnose: Herzmuskelschwäche.

Nach 28 Tagen wiegt Jenke von Wilmsdorff zehn Kilogramm weniger (davon 5,5 Kilogramm Fett), der Bauchumfang schmolz auf 85 Zentimeter.

RTL-Doku bleibt oberflächlich

So schockierend die Bilder des Experiments sind, der Erkenntnisgewinn hält sich in Grenzen. In kurzen Einspielern versucht RTL, die einzelnen Facetten der Krankheit näher zu beleuchten, kratzt dabei aber nur an der Oberfläche. So spricht von Wilmsdorff etwa mit der 28-jährigen Johanna, die sowohl an Anorexie als auch Bulimie leidet: "Das Leben besteht nur aus Essen, Kotzen, Essen, Kotzen, den ganzen Tag, so dass du gar nichts anderes mehr schaffst." Doch der Ursache ihrer Krankheit geht von Wilmsdorff nicht auf den Grund.

Szenenwechsel: Dutzende schlanke Unterwäschemodels stolzieren über einen Laufsteg. Um so eine Figur zu haben, müsse man sich nicht nur beim Essen zurückhalten, sondern auch viel Sport treiben, erzählen die Protagonisten. Das ist wenig überraschend, denn dass das propagierte Bikini-Ideal mit Konfektionsgröße XS nicht der Durchschnittsfrau entspricht, dürfte jedem Zuschauer klar sein (im Durchschnitt trägt Frau übrigens Größe 44). Die Sendeminuten hätte man besser genutzt, um die Einzelschicksale noch näher zu beleuchten.

Magersucht ist eine ernste Krankheit

Der strittigste Moment des Experiments ist der Besuch bei einer Mutter, deren Tochter jahrelang an Magersucht litt. Sie verlor elf Kilogramm und fand sich immer noch zu dick, am Ende musste sie in eine Klinik. Und während von Wilmsdorff sich die Leidensgeschichte der Familie anhört, sitzt er vor einem leeren Teller - er darf ja nicht essen. Wie zynisch.

Zum Schluss bleibt die Erkenntnis: Magersucht ist eine ernsthafte psychische Erkrankung, die nicht nur für die Betroffenen schlimm ist, sondern auch für die Angehörigen. Es ist von Wilmsdorff hoch anzurechnen, dass er die Krankheit zur Prime Time thematisiert, um auf die Folgen aufmerksam zu machen.

Doch wenn sich der Reporter mehrfach darüber freut, wie schön flach sein Bauch geworden sei, nützt auch die Stimme aus dem Off nichts, dass das Experiment "nicht zur Nachahmung empfohlen" sei. Denn das man leicht die Kontrolle verliert, hat der Reporter zuvor eindrücklich bewiesen. Am Ende bleibt ein fader Beigeschmack.

Sie leiden an einer Essstörung oder vermuten, dass ein Angehöriger oder Freund betroffen sein könnte? Informationen und Hilfe gibt es bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Dort finden Sie auch eine Liste mit bundesweiten Beratungsangeboten.

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