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Masern, Mumps und Röteln: Impfung zu Unrecht unter Verdacht

Auch neue Studien finden keinen Zusammenhang zwischen der Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln und Autismus. Doch immer noch verzichten Eltern darauf, ihre Kinder impfen zu lassen.

Von Lea Wolz

Zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat sollte die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln erfolgen

Zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat sollte die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln erfolgen

Masern, Mumps und Röteln zählen zu den klassischen Kinderkrankheiten - die jedoch alles andere als harmlos sind. Vor allem eine Maserninfektion kann gefährliche Komplikationen mit sich bringen, bleibende Schäden verursachen und sogar tödlich sein. Um Kinder gegen Masern, Mumps und Röteln zu schützen, gibt es daher seit Jahren eine Dreifachimpfung (MMR).

Doch noch immer sind Eltern verunsichert, ob sie ihre Sprösslinge damit immunisieren lassen sollen. Viele denken, dass der Kombinationsimpfstoff gefährlich sei und etwa Autismus auslösen könne - ein Zusammenhang, den der Mediziner Andrew Wakefield 1998 in einer kleinen und höchst umstrittenen Studie herstellte und der mittlerweile als widerlegt gilt. Doch die krude These beschädigte den Ruf der Impfung und wird von Impfgegnern noch immer gerne angebracht.

Dabei belegen Studien immer wieder, dass es keinen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus oder entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn gibt. Schon 2005 hatte ein Team um den italienischen Epidemiologen Vittorio Demicheli für eine Cochrane-Analyse 31 Arbeiten zu dem Thema untersucht. Diese Übersichtsarbeiten gelten als besonders zuverlässig, da sie alle hochwertigen Studien zu einem Thema auswerten und so den aktuellen Wissensstand festhalten. Bereits damals fand das Team keine Hinweise, dass die MMR-Impfung solche Nebenwirkungen hat.

Große Übersichtsarbeit findet keinen Zusammenhang

In einer Aktualisierung der Übersichtsarbeit bekräftigen die Wissenschaftler nun noch einmal die Ergebnisse von 2005. Dafür erfassten sie alle neueren Artikel, in denen es um die Sicherheit und mögliche Komplikationen der MMR-Impfung ging. Von den 96 neu gefundenen Arbeiten erfüllten allerdings nur 33 die methodischen Ansprüche, sodass der aktualisierte Cochrane-Report nun insgesamt 64 Studien umfasst. Diese Arbeiten mit Daten zu insgesamt 14,7 Millionen Kindern bis zum Alter von 15 Jahren werteten die Autoren aus.

Einen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Auftreten von Krankheiten wie Autismus, Asthma, Allergien, Diabetes vom Typ 1, Leukämie oder Morbus Crohn fanden Demcheli und sein Team nicht. Dafür zeigte sich die Impfung wirksam. Eine Dosis biete einen 95-prozentigen Schutz vor Masern, schreiben die Forscher. Je nach verwendetem Virusstamm werden bei einer mindestens einmaligen Impfung die Ansteckung mit Mumps zu etwa 70 bis 80 Prozent verhindert. Über den Schutz, den der Kombinationsimpfstoff vor Röteln bietet, lagen keine Daten vor.

Zwar kann auch die MMR-Impfung Nebenwirkungen haben - etwa leichte wie Rötungen und Schwellungen an der Einstichstelle. Selten entwickeln geimpfte Kinder sogenannte Impfmasern, bei denen die Symptome der Krankheit wie Fieber und Hautausschlag in abgeschwächter Form auftreten. Zu der gefürchteten Hirnentzündung, die zu bleibenden Schäden führen kann und in zehn bis 20 Prozent der Fälle tödlich endet, kann es nach der Impfung ebenfalls kommen - allerdings deutlich seltener als nach einer Ansteckung mit echten Masern. Von einer Million geimpfter Kinder entwickelt eines diese sogenannte Masern-Enzephalitis, bei der die Viren ins Gehirn dringen. Zum Vergleich: Bei ungeimpften Kindern ist es 1 von 1000. Das Risiko ist also deutlich höher.

Immer wieder regionale Ausbrüche

Die Cochrane-Autoren kommen daher zu dem Schluss: Die vorhandenen Daten zur Sicherheit und Effektivität der MMR-Impfung rechtfertigen ihren großflächigen Einsatz mit dem Ziel, die Masern weltweit auszurotten und das Auftreten von Mumps und Röteln zu senken. In Deutschland ist die Häufigkeit von Masernfällen seit Einführung der Impfung zwar deutlich zurückgegangen, doch regional kommt es immer wieder zu kleinen Ausbrüchen.

Grund für solche Ausbrüche ist ein unzureichender Impfschutz in der Bevölkerung - zu dem es etwa kommen kann, wenn Eltern die Gefährlichkeit der Krankheit unterschätzen oder bewusst bei ihren Kindern auf die Impfung verzichten. Erst vor Kurzem warnte die Weltgesundheitsorganisation, dass Masern in Europa wieder auf dem Vormarsch sind.

Die Zahl der Masern-Erkrankungen in Deutschland schwankt von Jahr zu Jahr: 2010 wurden dem Berliner Robert-Koch-Institut 780 Masernfälle gemeldet, im vergangenen Jahr waren es 1607. Laut Statistischem Bundesamt sterben in Deutschland jährlich ein bis zwei Menschen an den Folgen der Erkrankung.

Die MMR-Vakzine ist seit 1970 auf dem Markt und wird in über 90 Ländern als Standardimpfung eingesetzt. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die erste Impfung im Alter zwischen 11 und 14 Monaten. Eine zweite Impfung - frühestens vier Wochen später und spätestens bis zum 23. Lebensmonat - ist ratsam, um einen möglichst kompletten Impfschutz zu erhalten.