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Krankenkasse: Mehr als der Hälfte der Kleinkinder in Deutschland fehlen Impfungen

Für Kinder in Deutschland empfehlen Ärzte 13 Impfungen bis zum 2. Geburtstag. Doch längst nicht jedes Kind bekommt sie auch. Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse einer Krankenkasse.

Eine rechte Hand im Gummihandschuh hält eine Spritze, die linke hält den nackten Oberschenkel des auf dem Bauch liegenden Babys

Laut einer Studie bekommen zu viele Kinder nicht alle empfohlenen Impfungen

DPA

Rund die Hälfte der 2016 geborenen Kinder wurde bis zum zweiten Geburtstag nicht vollständig geimpft. Das zeigt eine aktuelle Auswertung, die die Techniker Krankenkasse (TK) in Berlin vorgelegt hat. Nur knapp 47 Prozent erhielten alle Teilimpfungen gegen Masern, Keuchhusten, Windpocken und andere Krankheiten. 3,6 Prozent der Kleinkinder bekamen gar keine der von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen 13 Impfungen.

Für die Auswertung der Impfraten wurden die Daten der 2016 geborenen und bei der TK versicherten Kinder untersucht. Gegen Masern sind demnach elf Prozent unvollständig geimpft und sieben Prozent gar nicht. "Wenn Kinder nicht alle notwendigen Teilimpfungen erhalten, sind sie nicht sicher immunisiert", warnte Kassenchef Jens Baas. Die Teilimpfungen könnten meist problemlos nachgeholt werden, ohne dass die Impfserie von vorn beginnen müsse.

Starke regionale Unterschiede bei Impfungen

Regional gibt es bei den Impfraten deutliche Unterschiede. Während die Anteile der nicht vollständig Geimpften in Hessen bei 69 Prozent und in Sachsen bei 62 Prozent liegen, fallen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg 39 Prozent der Kinder in diese Gruppe, in Mecklenburg-Vorpommern 37 Prozent.

Impfung: Das Geheimnis hinter der Narbe, die manche Menschen am Arm tragen

Nach Angaben der Erfurter Psychologieprofessorin Cornelia Betsch gibt es "viele praktische Hürden" beim Impfen. "Die meisten Menschen sind impfbereit - aber Impfen ist oft nicht einfach genug", erklärte Betsch, die zu Impfentscheidungen forscht. Erwachsenen sei außerdem oft auch nicht bekannt, dass oder wann sie sich impfen lassen sollten.

Mehr Aufklärung statt Impfpflicht

Eine Impfpflicht hält Betsch ebenso wie der Gesundheitsexperte Gerd Glaeske von der Universität Bremen für das "letzte Mittel". Mit der Einführung einer teilweisen Impfpflicht könnten andere freiwillige Impfungen "weniger wichtig erscheinen oder von impfkritischen Personen häufiger weggelassen werden", sagte die Expertin. Glaeske hält mehr Aufklärung für nötig. "Dabei sollte allen klar sein, dass es um die Gesundheit der Gemeinschaft geht", betonte er. Zum 1. März 2020 soll die Masernimpfpflicht kommen.

Für den TK-Innovationsreport wurden außerdem insgesamt 23 Wirkstoffe bewertet, die im Jahr 2016 auf den Markt kamen. Dabei wurde vor allem untersucht, ob es einen Zusatznutzen für die Patienten gibt und ob die Kosten angemessen sind

Insgesamt fielen die Bewertungen demnach nicht ganz so positiv aus wie im Vorjahr. 14 Präparate und damit mehr als 60 Prozent bekamen von den Wissenschaftlern der Universität Bremen eine rote Ampel, 2018 waren dies nur 31 Prozent gewesen. Fünf Wirkstoffe bekamen eine grüne Ampel, darunter auch der Impfstoff gegen krebsauslösende humane Papillomviren (HPV), der für Mädchen und Jungen zwischen neun und 14 Jahren empfohlen ist.

tkr / AFP

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