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Infektionen: Resistenzen? Von wegen! Ärzte raten zu kürzeren Antibiotika-Therapien

Antibiotika sollten auch nach dem Verschwinden der Symptome eingenommen werden? Das stimmt so nicht mehr. Immer mehr Mediziner stellen den Nutzen der Faustregel bei bestimmten Infektionen infrage. Wichtig für Patienten: auf den Rat ihres Arztes hören.

Eine junge Frau nimmt eine Tablette ein.

Bei einigen Infektionen kann auch eine kürzere Antibiotikatherapie sinnvoll sein

Immer bis zum Packungsende einnehmen, auch wenn die Symptome bereits verschwunden sind: Diese Empfehlung für die Antibiotikaeinnahme ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) überholt. Untersuchungen der vergangenen Jahre lieferten immer mehr Belege, dass bei vielen Infektionen eine kürzere Einnahmezeit genauso wirksam sei, erklärte die Fachgesellschaft anlässlich der bevorstehenden Weltantibiotikawoche der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Antibiotika nicht eigenmächtig absetzen

Eine kürzere Therapie habe zudem den Vorteil, dass weniger resistente Erreger entstünden. Dennoch sollten Patienten Antibiotika nicht in Eigenregie absetzen, sobald sie sich besser fühlten, warnten die Experten. Das Vorgehen sollte abhängig von der bakteriellen Infektion und in enger Absprache mit dem Arzt abgesprochen werden. Eine Pauschalisierung, dass nunmehr immer kurz therapiert werden dürfe, könne für manche Patienten gefährlich sein, warnte die Gesellschaft.

In den vergangenen Jahren mehrten sich demnach Studien, wonach bei verschiedenen kürzere Antibiotikatherapien einer längeren Therapie gleichwertig oder sogar überlegen sind. In Studien erwies sich zum Beispiel bei einer ambulant erworbenen Lungenentzündung eine fünftägige Antibiotikatherapie als ebenso wirksam wie eine zehntägige. Im Fall einer schweren Infektion mit Staphylokokken dagegen müssen Betroffene Antibiotika oft mehrere Wochen lang zu sich nehmen. Hier könnte eine zu kurze Therapie zu Komplikationen führen.

Dauer der Antibiotikatherapie richtet sich nach Infektion

"Viele Jahre ist man davon ausgegangen, dass eine längere Antibiotikatherapie die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr der Infektion oder die Ausbildung von Resistenzen verringert", erklärte der DGI-Vorsitzende Gerd Fätkenheuer. Dahinter stand der Gedanke, möglichst alle krankmachenden Bakterien abzutöten. Heute sei bekannt, dass je länger die Bakterien dem antimikrobiellen Wirkstoff ausgesetzt sind, desto eher überleben gegen das Mittel unempfindliche Erreger.

Mit der am kommenden Montag beginnenden Weltantibiotikawoche will die WHO auf die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit aufmerksam machen. Die Ausbreitung von Resistenzen soll so eingedämmt werden.


ikr/AFP

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