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Lungenkrankheit: Was den ersten Coronavirus-Fall in Deutschland von anderen Fällen unterscheidet

In Deutschland sind mittlerweile vier Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Der erste Fall wirft neue Fragen über das Virusverhalten auf: Die Ansteckung erfolgte offenbar vor dem Ausbruch von Symptomen.

Coronavirus in Deutschland: Asiatische Touristen mit Mundschutzmasken

Asiatische Touristen mit Mundschutzmasken: Gesundheitsminister Jens Spahn ruft angesichts von vier Coronavirus-Fällen in Deutschland zu "wachsamer Gelassenheit" auf

DPA

In Deutschland sind nachweislich vier Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Die drei weiteren Fälle stehen in "Zusammenhang mit dem ersten Fall", heißt es in einer Mitteilung des Bayerischen Gesundheitsministeriums, die am Dienstag veröffentlicht wurde. "Auch diese Patienten sind Mitarbeiter der Firma aus dem Landkreis Starnberg, bei der bereits der erste Betroffene beschäftigt ist." Den Infizierten geht es offenbar den Umständen entsprechend gut. Die Krankheitsverläufe seien nach jetzigem Stand "sehr, sehr milde", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin".

Das Coronavirus hat seinen Ursprung in der chinesischen Metropole Wuhan und löst eine Lungenkrankheit mit Symptomen wie Fieber, Husten und Atembeschwerden aus. In China gibt es derzeit 6000 bestätigte Fälle, 132 Menschen starben. Der Großteil der Fälle scheint leicht zu verlaufen. Viele Erkrankte stehen in örtlichem Zusammenhang mit der Metropole Wuhan und der chinesischen Provinz Hubei - sei es, weil sie sich selbst dort aufgehalten oder persönlichen Kontakt zu Menschen von vor Ort gehabt haben.

Aus Angst vor Ansteckung benutzen viele Menschen in China derzeit einen Mundschutz

Auch der erste Infektionsfall in Deutschland ist auf die chinesische Region zurückzuführen. Der 33-jährige Mann hatte sich offenbar am 21. Januar während einer Fortbildungsveranstaltung bei einer chinesischen Kollegin angesteckt, die für einige Tage zu Besuch in Deutschland war. Vor der Reise hatte die Frau Kontakt zu ihren Eltern gehabt, die aus der besonders betroffenen Region Wuhan stammen. Die Frau sei am 23. Januar nach China zurückgereist und habe sich auf dem Heimweg krank gefühlt, hatte Andreas Zapf, Präsident des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, am Dienstag in München erklärt.

Übertragung in Inkubationszeit?

Der erste Fall ist für Forscher von besonderem Interesse: "Es handelt sich um die zweite Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Chinas, die erste war in Vietnam", sagt Lars Schaade, Leiter des Zentrums für Biologische Gefahren am Robert Koch-Institut. Auch von den Fällen in Frankreich unterscheide sich der deutsche Fall somit. "Die Person war nicht selbst in China, sondern hatte mit einer Person aus China Kontakt, die dienstlich in Deutschland war."

Offenbar hatte die Frau aus China während ihres Aufenthalts in Deutschland noch keine Krankheitssymptome gezeigt. "Es scheint so zu sein, dass sich der Fall in Bayern angesteckt hat, während der Indexfall (Anm.d.Red.: Person, von der die Ansteckung ausging) noch in der Inkubationszeit war, also noch keine Krankheitssymptome hatte", so Schaade. "Hiervon wurde bereits aus China berichtet, allerdings ist noch unklar, ob dies Einzelfälle sind oder häufiger vorkommt." Das Robert Koch-Institut werde dies laut Schaade allerdings zum Anlass nehmen und die Empfehlungen anpassen, ab wann Personen als infektiös gelten und wie mit Kontaktpersonen umgegangen werden soll.

"Das Gesundheitsamt ermittelt nun alle engen Kontaktpersonen und wird eine häusliche Quarantäne veranlassen, die bis zum Ablauf des 14. Tages nach dem letzten Kontakt mit dem Patienten dauern wird. In dieser Zeit kontrollieren die Kontaktpersonen mit Hilfe eines Tagebuchs ihre Gesundheit, das Gesundheitsamt erfasst die Daten täglich. Ist irgendetwas auffällig, wird die Person ebenfalls getestet und isoliert", so Schaade.

Ziel dieses Vorgehens sei es, die Infektionskette zu unterbrechen. "Dafür ist es wichtig, dass echte Verdachtsfälle und natürlich auch die bestätigten Fälle professionell im Krankenhaus isoliert werden, auch wenn sie vielleicht nur leicht erkrankt sind."

Minister Spahn ruft zu "wachsamer Gelassenheit" auf

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml sagte am Dienstagabend, dass rund 40 Mitarbeiter der Firma ermittelt wurden, die als enge Kontaktpersonen der infizierten Personen in Frage kommen. "Die Betroffenen sollen am Mittwoch vorsichtshalber getestet werden." Über den Ansteckungsweg der drei weiteren Infizierten gibt es noch keine Informationen. Das Bayerische Gesundheitsministerium will im Laufe des Tages eine Pressemitteilung herausgeben.

Jens Spahn zum Coronavirus: "Anlass für übertriebene Sorge besteht nicht"

Gesundheitsminister Jens Spahn rief angesichts des Virus am Mittwoch zu "wachsamer Gelassenheit" auf. "Es war zu erwarten, dass es auch zu Infektionen hier in Deutschland kommt, eben durch Kontakt mit Reisenden aus China." Entscheidend sei nun, dass etwaige Patienten in Deutschland schnell identifiziert und isoliert werden.

Anm. d. Red: Dieser Artikel basiert auf ersten Angaben von Gesundheitsbehörden, wonach die Frau während ihres Aufenthalts in Deutschland keine Krankheitssymptome gezeigt habe. Diese Angaben stammten aber offenbar nicht von der Frau selbst, sondern von den später Infizierten. Mittlerweile wurde bekannt: Die Frau hatte während ihres Aufenthalts wohl doch schon erste Krankheitssymptome und unter anderem ein fiebersenkendes Mittel genommen.

ikr

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