Herzpatient Gerd Kuck war fast schon tot. Gerade noch rechtzeitig hat er ein Spenderherz transplantiert bekommen. Nun kämpft er sich zurück ins Leben.
Organspende
"Das ist schon ein krasses Gefühl" – Gerd und sein neues Herz
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Ja, kann man irgendwie ganz schlecht beschreiben. Zu Anfang denkt man, das ist der absolute Wahnsinn. Da schlägt irgendwas in deiner Brust, was du über viele Jahre gar nicht gespürt hast. Das ist schon ein krasses Gefühl. Wenn man dann aufstehen soll aus dem Bett, nachdem man so lange gelegen hat, dann kann man gar nicht aufstehen. Man kann auch gar nicht stehen. Das geht alles nicht. Und dann kamen die mit drei Therapeuten zu Anfang, dass ich überhaupt aus dem Bett, zum Aufstehen kam. Dann haben die mich, wie gesagt, mit zwei Männern auf jeder Seite festgehalten und einer hat den Stuhl immer hinter mir gehalten, dass ich mich dann in den Stuhl setzen konnte. Dann habe ich eine halbe Stunde im Stuhl gesessen und dann musst ich auch schon wieder ans Bett, weil ich nicht mehr sitzen konnte. Das wird jeden Tag – nicht viel – aber es wird jeden Tag ein bisschen besser und das gibt einem dann den Schub und die Motivation, dass man sagt: „Okay, es geht noch nicht viel, aber es geht immer ein, zwei Schritte mehr.“ Auch wenn man jetzt natürlich immer noch ein Stück weit eingeschränkt ist. Man kann jetzt zum Beispiel keinen Urlaub auf dem Bauernhof machen wegen der Infektionsgefahr. Da muss man natürlich schon ein bisschen aufpassen, aber man ist insgesamt natürlich wesentlich befreiter, geht man dann mit der Situation um. Was mich am meisten freut, ist jetzt mal, dass ich hier zu Hause sein kann nach so einer langen Zeit und dass das alles relativ gut dann ausgegangen ist. Ich empfinde das als ein riesengroßes Geschenk und ich möchte da auch vernünftig damit umgehen, mit diesem Geschenk. Das war nie so, dass ich da irgendwie ein schlechtes Gewissen habe oder sage, jetzt musste jemand sterben wegen mir, weil das im Endeffekt ja auch Quatsch ist. Da bin ich jetzt ein bisschen feinfühliger vielleicht oder so. Obwohl ich habe mir davor ja auch schon immer Gedanken darüber gemacht, was das wohl für ein Gefühl sein wird, wenn man dann so ein Spenderorgan erhalten hat. Dann gibt es eben auf der einen Seite diese riesige Freude, jetzt bei mir und meiner Familie insbesondere, aber auf der anderen Seite muss man sagen, da ist ja auch Leid damit verbunden, dass eben jemand da zu Tode gekommen ist.