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Pflegereport 2010 Jeder dritte Deutsche wird dement


Kein schöner Blick in die Zukunft: 58 Prozent aller Männer und sogar 76 Prozent der Frauen müssen damit rechnen, im Laufe des Lebens altersverwirrt zu werden. Das geht aus dem aktuellen Pflegereport hervor. Den Kranken- und Pflegekassen droht eine Kostenexplosion.

Auf die Sozialkassen in Deutschland kommen durch den starken Anstieg von Demenzkranken deutlich höhere Kosten zu. Derzeit wird mehr als jeder dritte Bundesbürger im Laufe seines Lebens altersverwirrt. Insgesamt 58 Prozent der Männer und 76 Prozent der Frauen werden dement oder aus anderen Gründen pflegebedürftig. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Pflegereport 2010 der Krankenkasse Barmer GEK hervor.

"Das geht uns wirklich alle an", sagte Studienautor Heinz Rothgang von der Bremer Universität. Der Vorstandsvize der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, zeigte sich alarmiert: "Die Zahlen zeichnen ein ungemütliches Szenario." Die Zahl von derzeit 1,2 Millionen Demenzkranken wird sich bis 2060 laut Report mit dann 2,5 Millionen mehr als verdoppeln. Von den Dementen seien zwei Drittel pflegebedürftig. Derzeit gibt es 2,3 Millionen Pflegebedürftige.

Zahl der Pflegebedürftigen steigt

Als ein Grund für den Anstieg gilt die immer längere Lebenserwartung. Je höher das Alter, desto größer die Wahrscheinlichkeit, gebrechlich, vergesslich und verwirrt zu werden. Deshalb steigt nach Darstellung der Krankenkasse auch die Zahl der Menschen, die vor ihrem Tod Pflege brauchten: 2009 waren es 47 Prozent der Männer und 67 Prozent der Frauen. 2001 hatten die Quoten erst bei 40 und 60 Prozent gelegen. Insgesamt braucht mehr als jeder Zweite vor dem Tod Pflegeleistungen, wie es weiter hieß.

Auf Pflege- und Krankenkassen rollen dem Report zufolge gewaltige Kosten zu. Die Kosten liegen für Demente um jeweils 10.000 Euro pro Jahr höher als für Nicht-Demente, so Rothgang. In den nächsten 50 Jahren könnten die Kosten den Prognosen zufolge in zweistelligem Milliardenbereich steigen. Werden die vielfach eher geringen Leistungen für Altersverwirrte wie seit Längerem geplant erhöht, steigen die Kosten weiter.

Bereits 2012 oder spätestens 2013 werde die Pflegeversicherung ein Defizit einfahren, prognostizierte Rothgang. Teils hart ins Gericht gingen Schlenker und Rothgang mit der Koalition und Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Der geplante Aufbau einer Kapitalsäule in der Pflegeversicherung durch neue Zusatzprämien bringe zunächst keine finanzielle Entlastung und gehe auch an den Zukunftsproblemen vorbei. "Das wollen wir nicht", sagte Schlenker. Stattdessen müsse man dann über Beitragserhöhungen nachdenken.

be/DPA/DAPD DPA

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