Resistenzen Antibiotika immer wirkungsloser


Mit Sorge beobachten Mediziner weltweit die zunehmende Resistenz von Bakterien gegen herkömmliche Antibiotika.

Mit Sorge beobachten Mediziner weltweit die zunehmende Resistenz von Bakterien gegen herkömmliche Antibiotika. Auch in den Industrieländern nehmen Infektionskrankheiten wieder zu, während gleichzeitig die Mittel dagegen an Wirksamkeit verlieren, wie der Direktor des Leipziger Universitätsinstituts für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Arne Rodloff, berichtete. So habe das gegen die Erreger der Lungenentzündung eingesetzte Antibiotikum in Deutschland inzwischen eine Versagerrate von 20 Prozent.

Antibiotika werden zu unbedacht verschrieben

Nach Angaben Rodloffs kann sich die Bundesrepublik - und besonders der Osten - noch glücklich schätzen, relativ unangepasste Bakterien zu beherbergen. In den USA, Spanien und Frankreich beispielsweise sei die Resistenzrate gegenüber den gängigen Antibiotika drei bis vier Mal so hoch.

Überall hat die zunehmende Widerstandskraft der Bakterien den gleichen Grund: Zu häufig wurde in der Vergangenheit zur scheinbaren Wunderwaffe gegen die Erreger gegriffen. "Es ist sinnlos, bei jedem grippalen Infekt beim Hausarzt Antibiotika einzufordern", betonte der Mediziner. Diese hülfen nämlich nur bei einer bakteriellen, nicht aber bei einer Viruserkrankung. Der Patient selbst kann laut Rodloff mit einer einfachen Beobachtung beide Infektionsarten unterscheiden: Weißlicher Husten-Auswurf weise auf eine Virusinfektion hin, grünlich-gelber auf Bakterien.

"Ist allerdings klar, dass Bakterien die Erreger sind, dann bringt es auch nichts, den Helden zu spielen und verschriebene Antibiotika nicht oder nur teilweise einzunehmen", sagte der Mediziner. Denn dies wäre für die Erreger nicht das Ende, sondern nur ein gutes Training.

Pharmaindustrie entwickelt zu wenig neue Antibiotika

Rodloff monierte zugleich, dass die Erregerdiagnostik im Alltag der niedergelassenen Ärzte aus Kosten- und Logistikgründen oftmals vernachlässigt werde. Damit stünden epidemiologische Daten, die eine wesentliche Grundlage bei der Auswahl eines Antibiotikums seien, nur in sehr begrenztem Umfang zur Verfügung. Die Resistenzentwicklung könne so nicht zuverlässig beurteilt werden, und die Unsicherheiten bei der Therapie würden größer.

Unzufrieden äußerte sich Rodloff mit Blick auf die Pharmaindustrie. Diese entwickle zu wenig neue Antibiotika, die gegen die sich schnell wandelnden Erreger eingesetzt werden könnten. Vermutlich lohne sich für die Unternehmen dieser Wettlauf mit der Natur nicht mehr.

Doch selbst der immer sparsamere und gezieltere Umgang mit immer verschiedenartigeren Antibiotika gehe das Problem nur von einer Seite an. "Der beste Weg, Infektionen die Stirn zu bieten, ist nach wie vor und mehr denn je die Impfung", mahnte Rodloff. Es sei die Antibiotika-Gläubigkeit, die Millionen Menschen davon abhalte, alle Möglichkeiten der Prophylaxe auszunutzen. "Wenn nun mal klar ist, dass die aktuellen Medikamente den Pneumokokken immer hilfloser gegenüberstehen, dann spricht doch alles dafür, sich gegen diesen Erreger impfen zu lassen", betonte der Mediziner


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