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Rückgang bei Ehec-Neuinfektionen: Mediziner hoffen, Spanier wettern

Es gibt Hoffnung - zaghafte: Die Zahl der Neuinfektionen mit dem gefährlichen Ehec-Errerger geht in Deutschland leicht zurück. Auf Hamburgs Behörden kommen wohl Klagen zu.

Ehec und die Folgen: Hochbetrieb auf der Intensivstation

Bei der Erkrankungswelle mit dem gefährlichen Darmkeim Ehec in Deutschland deutet sich nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie eine leichte Entspannung an. "Die Lage ist so, dass sie scheinbar sich etwas beruhigt, was die Zahl der Neuinfektionen angeht", sagte der Präsident der Gesellschaft, Reinhard Brunkhorst, am Freitag in Hamburg. Er hoffe, dass sich der Trend bestätige und es tatsächlich weniger Neuinfektionen gibt. am Freitag in Hamburg. Allerdings hatte es auch zuvor schon Hinweise auf ein Abflauen der Welle gegeben, die Infektionen hatten dann aber wieder zugenommen.

Derzeit gibt es in Deutschland mehr als 2000 bestätigte Ehec-Infektionen und Verdachtsfälle. Rund 500 Patienten leiden an der schweren Komplikation hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS).

Hoffnung auf neue Therapie

Auch für bereits erkrankte Menschen gibt es gute Nachrichten: Am Donnerstag hatten Mediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) mit Hilfe chinesischer Kollegen das Erbgut des Ehec-Erregers entziffert. Das ist nach Expertenmeinung ein wichtiger Schritt für die Behandlung der Patienten. Mit Hilfe der genetischen Information könnten die krankmachenden Eigenschaften erkannt werden, erklärte der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Andreas Hensel im ZDF-"Morgenmagazin". "Und dann kann man daraufhin die Therapie ausrichten."

Derweil ist die Quelle der Epidemie weiter unklar. "Im Moment kann sich jeder selber schützen", sagte Hensel im ZDF. Rohe Tomaten, rohe Gurken und Blattsalate sollten gemieden werden. In Deutschland starben bislang mindestens 17 Menschen nach Ehec-Infektionen.

Merkel spricht mit Zapatero

Die gefährliche Epidemie sorgt auch international für Verstimmung: Am Donnerstagabend hat Bundeskanzlerin Merkel mit Spaniens Regierungschef Luis Zapatero telefoniert, um die Wogen zu glätten. Beide Seiten seien sich einig gewesen, dass es jetzt vorrangig darum gehe, die Infektionsquelle des Erregers zu identifizieren, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Merkel habe Verständnis gezeigt für die Verluste der spanischen Bauern.

Spanische Gemüseproduzenten meldeten sich am Freitag mit massiven Vorwürfen gegen die Hamburger Behörden zu Wort. Sie bereiten Schadenersatzklagen vor. Es gebe erhebliche Zweifel, ob bei der Entnahme von Proben zum Nachweis des EHEC-Erregers durch die Hamburger Gesundheitsbehörde die notwendige Sorgfalt aufgewendet worden sei, erklärten Vertreter der spanischen Firma Frunet und eines Ökobauern-Verbandes in der Hansestadt. So seien keine ordnungsgemäßen B-Proben entnommen worden. Gurken der gleichen Charge hätten nachweislich keine Ehec-Bakterien enthalten. Sämtlich vor Ort entnommenen Proben seien negativ. Alle Tests zeigten, dass die spanischen Gemüsebauern nicht für den Ausbruch der Infektionskrankheit verantwortlich seien.

Die Deutschen haben ihr Essverhalten bislang offenbar nicht grundlegend geändert. Dies gab der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bekannt. "Vereinzelt verzichten die Gäste in den Restaurants auf die Salatbeilage oder essen gekochte Gerichte anstelle von Salaten", sagte Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges am Freitag der DPA. Einige Betriebe hätten Zertifikate ihrer Lieferanten ausgehängt, dass die frischen Waren frei von Ehec-Keimen seien. Andere böten statt Salaten nun Suppen an. Bei manchen steige die Nachfrage nach gekochten Gerichten. "Die Gäste reagieren unterschiedlich, aber ruhig und besonnen." Repräsentative Daten liegen dem Verband aber noch nicht vor.

seh/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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