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Serie Erfolgsmenschen: Erfolg ist ... wenn man das liebt, was man tut

Sie kennen die Dirigentin Joana Mallwitz nicht? Wäre keine große Bildungslücke. Doch sollten Sie Geschichten über ungewöhnliche Erfolge mögen, hätten sie die einer ungeplanten Traumkarriere verpasst.

Von Gabriele Meister

Es gibt sie noch, die Männerdomänen. Berufe in denen eine Frau auch heutzutage noch auffällt. Zugegeben, man muss schon suchen. Und wer würde vermuten, ein solches Männerrefugium ausgerechnet in der Musik zu finden: unter den Dirigenten! Vor allem im ausgewählten Kreis der Chefdirigenten, die als Generalmusikdirektoren für die musikalische Leitung von großen städtischen Orchestern verantwortlich sind. Ihre Leidenschaft für die Musik hat die Frankfurterin Joana Mallwitz genau dort hin katapultiert. Sie übernimmt im Herbst die musikalische Leitung am Theater in Erfurt. Damit hat sie mit 27 Jahren einen Job, den viele ihrer männlichen Kollegen erst 20 Jahre später bekommen. Warum sie so erfolgreich ist, hat Joana Mallwitz uns in einem Gespräch verraten.

Frau Mallwitz, was war für Sie bisher Ihr größter Erfolg?<BR> Einerseits bestimmt meine neue Stelle: Das Theater Erfurt hat mich gerade zur Generalmusikdirektorin, also zur musikalischen Leiterin, gewählt. Das ist für mich eine großartige und herausfordernde Aufgabe. Andererseits sind für mich persönlich aber vor allem die Momente große Erfolge, in denen ich am Notenpult stehe und merke, dass durch die Musik etwas entsteht; dass da etwas gelingt. Das fühlt sich ein bisschen an, als wenn ich mit allen Musikern um mich herum abheben würde und plötzlich alle auf derselben Wellenlänge sind. Auch wenn man extrem hart und lange probt, passiert das natürlich nicht bei jeder Vorstellung.

Sie haben sehr schnell sehr viel Erfolg gehabt. Geht Ihnen das manchmal zu schnell?

<BR> Ein bisschen suspekt ist es mir schon, ich hatte ja nie einen Masterplan für meine Karriere ausgearbeitet. Aber es sind ja immer schöne Aufgaben – das gibt mir so viel Energie, dass ich auch drei Premieren hintereinander durchstehe. Es ist gut, dass mich die Musik zwingt, im Moment zu leben. Da kann ich mir gar nicht so viele Gedanken machen.

Hatten Sie schon einmal Sorge vor Misserfolg?

<BR> Das hat bestimmt jeder. Bis kurz vor der Vorstellung bin ich sehr kritisch mit mir und habe viele Zweifel. Trotzdem versuche ich, in der letzten halben Stunde vor Beginn nicht mehr zu üben, sondern mich nur noch auf mich und meinen Atem zu konzentrieren. Anfangs ist es mir schwer gefallen, ruhig zu bleiben, aber seitdem ich mal mit 39 Grad Fieber dirigiert habe, weiß ich, dass ich auf meine Konzentration und das Adrenalin vertrauen kann, wenn ich ans Pult trete.

War Macht ausschlaggebend für Ihren Berufswunsch?

<BR> Als ich mit 13 Jahren Schuberts "Unvollendete" gehört habe und später "Tristan und Isolde", wusste ich, dass ich diese Musik gestalten will. Auch wenn ich immer gern und intensiv Klavier gespielt habe, hat mir ein einzelnes Instrument nicht gereicht. Natürlich gab es anfangs Leute, die mich gewarnt haben: Joana, du begibst dich in die Höhle des Löwen, du bist doch eine Frau, du bist jung und sensibel. Zum Glück war ich mir sicher genug, dass ich wenigstens ausprobieren will, wie weit ich mit dem Dirigieren komme. Natürlich freue ich mich, dass ich in Erfurt jetzt auch die Programme zusammenstellen kann. Aber das alles hat für mich weniger mit Macht zu tun, mehr mit der Möglichkeit zu gestalten.

Was war die schlimmste Durststrecke zwischendurch?

<BR> Ich bin sehr dankbar, dass bisher alles gut gegangen ist, andere müssen viel länger kämpfen. Es gab nie einen Punkt, an dem ich dachte: Ich schaff das jetzt nicht mehr. Trotzdem war es natürlich hart für mich, als ich mit 19 zu dirigieren angefangen habe und noch nicht so viel konnte, aber Leistung bringen und mich schnell entwickeln musste. Zum Glück habe ich immer viel Unterstützung von meinem Freund bekommen, der inzwischen mein Mann ist. Als Sänger kann er vieles gut nachvollziehen.

Wenn Sie jemandem ein Tipp fürs Leben geben würden, welcher wäre das?

<BR> Ein Tipp fürs Leben? Oh Gott, dafür muss man doch alt und weise sein. So blöd das klingt: Ich glaube, man muss lieben, was man im Moment tut, und nicht so viel über gestern und morgen nachdenken.

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