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Serie Erfolgsmenschen: "Eine Firma für PC-Mäuse? Du bist ja irre!"

Roccat - eine kleine deutsche Firma nimmt es mit Branchengrößen wie Microsoft und Logitech auf. Das erste von sieben persönlichen Interviews mit Machern in unserer Serie Erfolgsgeschichten.

Von Henry Luebberstedt

"Eigentlich müsste man mal..." oder "Wenn ich mehr Zeit und Geld hätte, dann würde ich..." Viele Menschen haben Ideen für neue Produkte, Dienstleistungen oder Projekte. Aber meist bleiben die Pläne unverwirklicht, weil die Umsetzung für zu aufwändig, teuer und risikoreich gehalten wird. In unserer Interviewreihe "Erfolgsmenschen" stellen wir Männer und Frauen vor, die sich davon nicht abhalten ließen und ihre Ideen in die Tat umsetzten. Sieben Geschichten, die Mut machen, sich selbst mehr zuzutrauen.

Den Auftakt macht René Korte. Als er 2007 die Firma Roccat gründete und Tastaturen und Mäuse für PC-Spieler herstellen wollte, gaben Branchenkenner dem Unternehmen keine Überlebenschancen. Der Markt galt als verteilt und von etablierten Firmen besetzt. Fast hätten sie Recht behalten.

In einen Markt einsteigen, der als gesättigt gilt. Hielt jemand sie für wahnsinnig?
"Ja. Ein guter Freund meinte damals, ich sei völlig verrückt. Immerhin tritt man bei Mäusen und Tastaturen gegen Unternehmen wie Microsoft und Logitech an. Das schaffst Du nie, sagte er damals. Er kam selbst aus der Branche und arbeitete für einen der beiden Schwergewichte. Jahre später räumte er dann ein, dass er sich geirrt hatte. 'Chapeau!' sagte er damals zu mir. Unsere Freundschaft hatte jedoch darunter gelitten."

Würden Sie sich selbst als Erfolgsmenschen bezeichnen?


"So würde ich mich schon sehen. Allerdings definiere ich Erfolg nicht über das Bankkonto. Geld war nie mein Antrieb. Ich lebe mein Leben aber bin nicht reich, das Meiste bleibt in die Firma. Als Unternehmer hat man es nie richtig geschafft. Der Markt ist ziemlich brutal. Erfolg ist in einem globalisierten Geschäft wie dem unseren eine schnelllebige Sache. Man ist ständig getrieben. Aber: Ich bin ja nicht allein! Ich habe viele gute Menschen um mich herum. Die Mitarbeiter, die Gesellschafter. Sie alle haben am Erfolg von Roccat Anteil."

Wenn Sie als Unternehmer Erfolg nicht über Geld definieren, über was dann?


"Über die Zufriedenheit der Kunden mit dem was ich, was wir als Firma tun. Positives Kundenfeedback ist für mich die größte Befriedigung. Ich schaffe etwas, mit dem andere zufrieden sind."

War dieser Erfolg schon immer ein Ziel von Ihnen?


"Nein. Das hat sich so ergeben. Als ehemaliger Profi-PC-Spieler und Mitarbeiter eines größeren Tastatur- und Mausherstellers hatte ich irgendwann gedacht: 'Man, das, was die hier machen, kannst Du auch – nur besser'. Dann haben mir Investoren Startkapital gegeben und ich legte los."

Na, das hört sich ja einfach an...


"Wenn einer zu mir sagt, dass ich etwas nicht schaffen könne, dann löst das bei mir eine Trotzreaktion aus. Ich hatte die Ideen und ich war mutig. Na ja, und gleich nach dem Start bin ich dann ja auch schnell auf die Schnauze gefallen…."

Klingt, als müsse man für Erfolg einen Preis zahlen.
"Ich hatte Anfangs das gesamte Unterfangen schwer unterschätzt. Vor allem, wenn man in Asien vor allem China mit Zulieferfirmen arbeiten muss, zahlt man ein hohes Lehrgeld. Damals hatte ich keine Vorstellung von der dortigen Mentalität. Und gleich am Anfang stand ich denn ja auch da mit einem coolen Firmennamen, einer großartigen PR-Idee – hatte aber kein Produkt, weil bei der Herstellung in China etwas schief gegangen war. Es war der Horror. Die Firma hatte damals nur überlebt, weil ich mit meinen Mitarbeitern Marketingaufträge für andere Firmen übernahm. Drei bis vier Jahre hatte ich 24 Stunden am Tag nur für Roccat gelebt. Das ging an die Substanz und an meine Gesundheit."

Wie sollte man denn gebaut sein, um Erfolg zu haben?


"Also, eine gute Portion Unerschrockenheit ist nötig und gerade beim Start hilft etwas Naivität. Hätte ich beim Start gewusst, was ich heute weiß, ich hätte es gelassen. Ich würde heute sehr viel anders machen."

Was sind denn Ihre Lehren?


"Mache alle kritischen Dinge selbst, also innerhalb deiner Firma mit deinen Leuten."

Was war denn die größte Durststrecke für Sie?


"Es ist jetzt ein paar Jahre her. Wir hatten gerade die schwierigsten Probleme überwunden. Ich war auf dem Weg nach Hong Kong, zu Besuch bei einem Zulieferer. Gerade im Hotel angekommen, schaltete ich den Fernseher ein. Während meines stundenlangen Fluges hatte Lehman-Brothers die Pleite verkündet und die Wirtschaftskrise eingeläutet. Es wurde eine Liste betroffener Banken gezeigt. Unsere Hausbank war auch darunter. Ich ließ mich auf die Bettkante sinken und dachte nur 'Mein Gott, warum jetzt, warum ich'. Danach widmete ich mich intensiv der Hausbar… Aus, vorbei, das war es dann wohl mit dem Erfolg, mit Roccat. Glücklicherweise hatte sich dann bald herausgestellt, dass es nur das Privatkundengeschäft der Bank betraf, zudem sprangen weitere Geldgeber ein. Wir konnten weitermachen."

Solche Dinge hinterlassen sicher Spuren. Hat der Erfolg sie verändert?


"Es wäre falsch zu sagen, dass der Erfolg keine Auswirkungen auf einen hat. Man wird doch sehr viel selbstbewusster. Aus der Erfahrung heraus gehe ich heute selbst mit größeren Herausforderungen gelassener um. Abgehoben bin ich jedoch nicht, ich bin viel zu sehr geerdet."

Und was ist mit dem Freundeskreis?


"Erfolg verändert Freundeskreise. Das war auch bei mir so. Ich hatte zeitweise viele „Fan-Freundschaften“, wie ich sie nenne. Menschen, die sich eher mit einem schmücken wollen. Und sicher gibt es auch Neider. Irgendwann habe ich dann meinen Freundes- und Bekanntenkreis bereinigt. Heute habe ich eigentlich nur noch wenige wirklich gute Kumpels. Und alle haben absolut nichts mit meiner Branche am Hut. Der eine betreibt ein Café, der andere ist glücklicher Familienvater und arbeitet fernab von jenen Themen, die mich sonst beschäftigen."

Das größte private Erfolgsziel?


"Eine Familie zu gründen, die durch mich und mit mir Bestand hat, gesund ist, - körperlich, finanziell und mental."

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