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"Intimarzt": App gegen Geschlechtskrankheiten: Zeig' mir deinen Penis - und ich sage dir, was du hast

Wenn Penis oder Scheide jucken, gehen Patienten aus Scham oft sehr spät zum Arzt. Die App "Intimarzt" soll die Diagnose von Geschlechtskrankheiten künftig erleichtern - anonym und mithilfe von Fotos.

Die App "Intimarzt" soll die Schamschwelle bei Geschlechtskrankheiten senken

Die App "Intimarzt" soll die Schamschwelle bei Geschlechtskrankheiten senken

Getty Images

Wenn es im Schritt juckt oder kneift, ist das für die meisten Patienten eine peinliche Angelegenheit. Aus Schamgefühlen zögern sie den Arztbesuch lange hinaus - und quälen sich unnötig lange mit den Beschwerden.

Eine neue App soll das nun ändern: Sie soll die Schamschwelle bei Geschlechtskrankheiten senken und eine frühzeitige Diagnose ermöglichen. Mit der App "Intimarzt" können Patienten aus ganz Deutschland erstmals digital und anonym Symptome bei einem Facharzt abklären lassen, wie das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und die Universitätsklinik Essen berichten. Aus Scham holen sich Betroffene meist erst sehr spät ärztlichen Rat.    

Ziel der neuen digitalen Anwendung ist es, solche Krankheitsbilder früher zu diagnostizieren und damit besser behandeln zu können. Die Landesärztekammer Baden-Württemberg genehmigte einen entsprechenden Antrag für die erste telemedizinische Smartphoneanwendung speziell für Geschlechtskrankheiten. Damit ist es Fachärzten für Haut- und Geschlechtskrankheiten aus Deutschland erlaubt, Patienten zu befunden.    

App "Intimarzt" gibt Therapie-Empfehlungen

"Intimarzt" liefert eine erste Einschätzung, einschließlich einer Empfehlung etwa zu frei verkäuflichen Arzneimitteln, die den meisten Patienten den Gang zum Arzt bereits ersparen kann. Der Patient bezahlt eine Servicegebühr von 24,95 Euro, die er bislang noch aus eigener Tasche bestreiten muss.    

Um sich eine Erstmeinung einzuholen, müssen Patienten drei Fotos des Problembereichs aufnehmen und einige Fragen zu möglichen Symptomen beantworten. Die Bilder und Informationen werden anschließend über eine verschlüsselte Verbindung an einen Facharzt aus Baden-Württemberg übermittelt. Innerhalb von 48 Stunden soll dann eine erste Einschätzung vorliegen. Rückfragen der Onlineärzte und die Antworten werden in einem nur für Arzt und Patient zugänglichen und geschützten Datenraum gespeichert.

Nicht jeder Arztbesuch kann ersetzt werden

Die App soll damit die Lücke zwischen Internetrecherche und persönlichem Praxisbesuch schließen. Allerdings kann ein Befund per Smartphone den Arztbesuch nicht in jedem Fall ersetzen. Bei nicht eindeutigen Fällen werden die Fachärzte nach wie vor zu einem Praxisbesuch raten.    

Das anonyme Angebot ist nach Angaben von Jochen Utikal vom Deutschen Krebsforschungszentrum auch für die frühzeitige Diagnose von Krebserkrankungen bedeutsam. So seien zum Beispiel Vulva- oder Peniskarzinom, Hautflecken im Intimbereich oder Feigwarzen durch eine HPV-Infektion dringend auch onkologisch abzuklärende Veränderungen.

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ikr / AFP