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Geschlechtskrankheiten: Warum die tückische Syphilis wieder auf dem Vormarsch ist

Lange Zeit waren sie aus dem Gedächtnis der Menschen verschwunden. Jetzt sind sie wieder auf dem Vormarsch: Geschlechtskrankheiten. Wo kommen sie her? Wie erkennt man sie? Teil 1 unserer Serie: die Syphilis.

Der Syphilis-Erreger Treponema Pallidum in einem Elektronen-Mikroskop

Erreger der Syphilis: das Bakterium Treponema Pallidum

Am Anfang ist es nur ein kleines Geschwür, kaum größer als ein Hirsekorn. Es breitet sich allmählich aus, wird münzgroß, nässt, verursacht jedoch keine Schmerzen. Die Symptome klingen zunächst von selbst wieder ab – um Wochen später zurückzukehren. Das macht die Syphilis so tückisch. Sie verläuft in verschiedenen Stufen, bleibt manchmal stumm und verursacht verschiedenste körperliche Symptome. Ärzte bezeichnen sie deshalb auch als Chamäleon unter den Krankheiten.

Die Syphilis wird durch ein Bakterium hervorgerufen, genauer: den spiralförmigen Erreger Treponema Pallidum. Bis vor kurzem galt die Geschlechtskrankheit als Relikt aus vergangenen Tagen. Doch die Gefährdung durch den Erreger ist aktueller denn je. Berlin, London, Las Vegas: Von überall auf der Welt treffen Meldungen über gestiegene Krankheitszahlen ein. In Deutschland haben die Fallzahlen jüngst einen neuen Höchststand erreicht: 5722 Syphilis-Fälle wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) im Jahr 2014 gemeldet – die meisten davon in der Hauptstadt.

Was sind die Gründe für diesen Anstieg? Und wie kann man sich vor einer Infektion mit dem Syphilis-Erreger schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie äußert sich eine Syphilis-Erkrankung?

Die Bandbreite der Symptome und Verläufe variiert stark. Nach Angaben der Deutschen Aids-Hilfe wird eine eine Syphilis daher oft übersehen oder mit anderen Krankheiten verwechselt. Das ist problematisch, denn eine Syphilis - wird sie als solche erkannt - kann gut mit dem Antibiotikum Penizillin behandelt werden. Bleibt sie jedoch unbehandelt, können Infizierte Organ- oder Nervenschäden davontragen.

Ärzte unterscheiden drei verschiedene Stadien der Krankheit: 

  • Die Infektion zeigt sich zunächst an Eichel, Schamlippen, Mund, Anus oder Finger. An diesen Stellen tritt das Bakterium meist in den Körper ein und ruft nach etwa drei Wochen erste Symptome hervor, die sogenannte primäre Syphilis, auch harter Schanker genannt. Dabei handelt es sich um ein nässendes, jedoch schmerzloses Geschwür, das eine hochansteckende Flüssigkeit absondert. Die Lymphknoten sind geschwollen. Meist heilen die Symptome von selbst ab.
  • Mit einem Abstand von einigen Wochen kommt es zu weiteren Symptomen: Erkrankte entwickeln Fieber, sie sind ständig müde und haben einen juckenden,schuppigen Ausschlag an Fußsohlen und Händen. Betroffene leiden unter Haarverlust oder können Schleimhautveränderungen entwickeln, die an Warzen erinnern. Es kann vorkommen, dass die Syphilis in diesem Stadium von selbst ausheilt. Experten schätzen, dass das bei knapp jedem dritten Infizierten der Fall ist.
  • Bleibt die Syphilis unbehandelt, kann es zum dritten, jedoch seltenen Stadium der Krankheit kommen: der sogenannten späten Syphilis. Zwei, drei Jahre nach der Infektion bilden sich am ganzen Körper harte, gummiartige Knoten, die aufplatzen. Der Syphilis-Erreger kann zudem Organe und Nervensystem befallen und schwere Schäden verursachen. 
Syphilis-Symptome im zweiten Stadium der Krankheit

Lange Zeit galt die Syphilis als Relikt aus vergangenen Tagen. Doch die Krankheit ist wieder auf dem Vormarsch. Das Bild aus dem Jahr 1883 zeigt die Symptome des zweiten Syphilis-Stadiums: Hautausschläge, Haarausfall, geschwollene Lymphknoten.

Wie wird Syphilis übertragen?

Die Syphilis wird beim Sex übertragen – durch ungeschützten Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr. Syphilis-Geschwüre sondern eine ansteckende Flüssigkeit ab. Der Erreger gelangt über kleinste Verletzungen der Haut und Schleimhäute in den Körper des Partners. Auch durch Petting und Zungenküsse können die Erreger übertragen werden, etwa wenn sich das Syphilis-Geschwür im Mund oder an den Fingern befindet. Daher ist es wichtig, ein auffälliges Geschwür nicht zu berühren. Nach einem versehentlichen Kontakt ist es sinnvoll, die Hände zu waschen und zu desinfizieren.

Eine Syphilis-Erkrankung ist besonders für schwangere Frauen problematisch: Der Erreger kann zu Früh- oder Fehlgeburten führen und auch auf das Kind übertragen werden.

Wie kann man sich vor einer Syphilis schützen?

Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht, jedoch gibt es Maßnahmen, die das Risiko einer Infektion senken. Die Wichtigste: das Benutzen eines Kondoms. Der Kontakt zu nässenden Geschwüren und auffälligen Hautstellen sollte in jedem Fall vermieden werden. Auch durch infiziertes Blut ist eine Ansteckung möglich, etwa beim gemeinsamen Benutzen von Spritzen.

Wie wird eine Syphilis behandelt?

Eine Syphilis ist gut zu behandeln. Das Mittel der Wahl ist das Antibiotikum Penizillin. Werden Erkrankte im ersten oder zweiten Stadium behandelt, liegt die Heilungsrate nach Angabe der "Frauenärzte im Netz" bei nahezu 100 Prozent. Auch eine fortgeschrittene Syphilis kann noch mit Penizillin therapiert werden. Eine frühe Diagnose ist jedoch wichtig, um bleibende Schäden an Organen und Nerven zu verhindern.
Auch die Sexualpartner des Erkrankten sollten sich an einen Arzt wenden und gegebenenfalls behandeln lassen.

Warum häufen sich die Fallzahlen derzeit?

Die Gründe dafür sind noch nicht endgültig geklärt. Experten vermuten jedoch, dass ein verändertes Dating-Verhalten zu den steigenden Neuerkrankungen führen könnte: Durch Dating-Apps und das Internet fällt es leichter, neue Bekanntschaften zu schließen. Sexpartner wechseln häufiger, was zu einer Verbreitung des Erregers führen könnte. 

Auch wird diskutiert, ob ein verändertes Risikobewusstsein zu steigenden Erkrankungszahlen beiträgt: HIV ist zwar nicht heilbar, jedoch besser behandelbar als noch vor einigen Jahren. Das könnte dazu verleiten, auf ein Kondom zu verzichten. 

ikr

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