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Schwächere Abwehrkräfte Sorgen die Covid-19-Maßnahmen dafür, dass unser Immunsystem schwächelt?

Immunsystem stärken: 5 Dinge, die Sie in der Isolation beachten sollten
Sehen Sie im Video: Wie bleiben wir in Coronazeiten fit? Mit diesen Tipps stärken Sie Ihr Immunsystem




Den Kontakt mit anderen Menschen zu meiden, ist der wichtigste Schutz gegen das Coronavirus. Die Zeit der Isolation und der Distanz kann sich aber negativ auf unsere Gesundheit auswirken.
Diese Dinge sollten Sie beachten, damit ihr Immunsystem gestärkt bleibt.
Ernährung
Gesunde Ernährung mit ausreichend Vitaminen, Ballaststoffen und Omega-3-Fettsäuren sind wichtig für unser Immunsystem: Die befinden sich vor allem in frischem Gemüse,  Hülsenfrüchten, pflanzlichen Ölen und Fisch. Ein Nährstoffmangel kann Ihr Immunsystem schwächen. Ein Test beim Arzt kann Aufschluss über Ihre Versorgung geben. 
Vitamin C, Zink und Vitamin D sind wichtige Mikronährstoffe, bei denen Forscher eine Wirkung auf das Immunsystem nachgewiesen haben.
Quellen: Forbes,  Frontiers in Immunology 
Bewegung an der Sonne
Mit Sport halten Sie sich fit – am besten im Sonnenlicht. Denn Sonnenlicht fördert nicht nur die Vitamin-D-Produktion.  Im Labor zeigte, dass der blaue und ultraviolette Teil des Sonnenlichts die Aktivität von Infektionen bekämpfenden Zellen steigert.  
Aber Vorsicht:  Zu hartes Training schadet dem Immunsystem eher. Experten empfehlen pro Tag mindestens 30 Minuten moderate Bewegung.
Quellen:
PubMed.org, Stern
Spaß haben und digital in Kontakt bleiben
Lachen ist gesund: Das Sprichwort lässt sich auch wissenschaftlich untermauern. Denn Studien zeigen, dass durch das Lachen T-Zellen, B-Zellen und Immunglobuli aktiviert werden, die unser Immunsystem bei Laune halten. Dabei ist es egal, ob man lacht, weil man glücklich ist oder das Lachen imitiert, wie zum Beispiel beim Lachyoga.
Trotz physischer Isolation ist es wichtig,  digital mit Freunden in Kontakt zu bleiben und gemeinsam zu lachen.
Quellen: The International Journal in Medicine, Journal of the National Cancer Institute The International Journal of Psychiatry in Medicine 
Meditation
 In Stille zu sitzen und den eigen Körper wahrzunehmen, wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus. Studien weisen in die Richtung, dass Meditation einen Einfluss auf die Gene hat, die mit Stress, Entzündungen und Infektionen in Verbindung gebracht werden. 
Meditation kann sich auch positiv au unseren Schlaf auswirken – ein weiterer wichtiger Faktor für unsere Gesundheit.
Quellen: Brain, Behavior, and Immunity, Forbeshttps://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4940234/
 Schlaf
 Experten empfehlen acht Stunden Schlaf in der Nacht. Wissenschaftler beginnen langsam zu verstehen, warum der Schlaf für unser Immunsystem so wichtig ist. Eine aktuelle Studie der Universität Tübingen zeigt, dass Schlaf die Effektivität von Immunzellen verbessern kann.
Sorgen Sie dafür, dass Ihr Zimmer ausreichend dunkel ist und vermeiden sie es vor dem Schlafengehen auf Bildschirme zu schauen.
Quelle: Journal of Experimential Medicine



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Masken, Desinfektionsmittel und Social Distancing machen es Coronaviren und anderen schwer, sich auszubreiten. Das Immunsystem hat wenig zu tun - zu wenig? Experten befürchten, dass die Abwehrkräfte des Körpers nachlassen.

Um dem Coronavirus möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten und Ansteckungen zu vermeiden, läuft das öffentliche Leben derzeit auf Sparflamme. Andere Menschen werden auf Abstand gehalten, Nase und Mund vor unerwünschten Eindringlingen mit Masken geschützt und die Hände regelmäßig geschrubbt. Das Odeur von Desinfektionsmitteln gehört seit Monaten zum Alltag. Das kommt mit einem Nebeneffekt, denn auch andere Infektionskrankheiten, Grippe und Co, werden durch die Covid-Maßnahmen gleich mit abgewehrt. Das Immunsystem hat derzeit wenig zu tun - und genau das bereitet Experten auch Sorgen.

Sie befürchten, dass das Immunsystem in der Pandemie an Abwehrkräften einbüßt. Für die Zeit nach dem Lockdown und bei einer Rückkehr zu mehr Schmuddeligkeit, könnte das zu bösen Überraschungen führen. Die Befürchtung: Bestimmte Erreger lauern nur darauf, dass Mensch wieder nachlässiger wird. Dabei sind auch Erreger, die sich um Schutzmaßnahmen ohnehin nicht scheren - und diese einfach umgehen.

Große Ausbrüche nach Schulöffnungen

Beobachtet wurde das beispielsweise in Hongkong. Nachdem die Kinder nach Monaten des Homeschoolings im Oktober zurück an die Schulen und in die Kindertagesstätten kamen, schoss die Anzahl der Infektionskrankheiten in die Höhe - und das, obwohl sich sowohl Lehrer als auch Kinder weiterhin an Covid-Schutzmaßnahmen hielten. Das berichten Forscher in einer Analyse, die in der Fachzeitschrift "Emerging Infectious Diseases" veröffentlicht wurde.

Demnach kam es in Hong Kong bis Ende November zu insgesamt 482 Infektionsausbrüchen, dabei handelte es sich um Infektionen der oberen Atemwege. Am häufigsten betroffen waren Grundschulen (308), 149 Ausbrüche wurden in Kindergärten, Kindertagesstätten und Vorschulen gezählt, der Rest an weiterführenden Schulen. Ende November mussten die Schulen aufgrund des Ausbruchsgeschehens landesweit wieder schließen.

Mädchen putzt sich die Nase
Kinder haben gern einmal eine Rotznase, oft stecken Rhinoviren dahinter.
© FatCamera / Getty Images

Immunsystem weniger widerstandsfähig?

Doch es waren weder Coronaviren noch Influenzaviren, die den Kindern zu schaffen machten. Stattdessen fanden die Wissenschaftler im Labor Hinweise auf Rhino- und Enteroviren. Diese sind eigentlich als eher harmlos einzustufen und verantwortlich für Erkältungen und weitere eher milde Infektionskrankheiten. 

Dass diese Erreger es schafften, solche weitreichenden Ausbrüche auszulösen, lässt die Forscher annehmen, dass die Immunabwehr der Kinder den Viren geholfen haben könnte. Die Hypothese: Das Social Distancing zwischen Januar und September des vergangenen Jahres könne dazu geführt haben, dass die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen Krankheitserreger nachgelassen habe. 

Weniger Kontakte, größere Anfälligkeit

In Hongkong hatte man in dieser Zeit strikte Eindämmungsmaßnahmen ergriffen, das öffentliche Leben stark gedrosselt. Soziale Kontakte waren auf ein Minimum reduziert worden. In dieser Zeit gingen auch die Erkältungsfälle und die Zahl der grippeähnlichen Erkrankungen stark zurück. Das aber könnte, vermuten die Forscher, dazu geführt haben, dass "die Anfälligkeit der Bevölkerung für Rhinoviren und andere Atemwegsviren, einschließlich Influenzaviren, im Laufe der Zeit zugenommen" habe. 

Da die Menschen während des harten Lockdowns den Viren wahrscheinlich weniger ausgesetzt gewesen seien, habe sich "das Übertragungspotenzial erhöht, als der Schulbetrieb wieder aufgenommen wurde". Kinder gelten als Hauptüberträger der Viren. Die Forscher kommen aufgrund ihrer Ergebnisse zu dem Schluss, dass vor allem an Orten, an denen Schulen über einen längeren Zeitraum geschlossen waren, ein erhöhtes Risiko für die Ausbreitung von Erkältungsviren vorliege. 

Eine Frau mit Brille trägt eine dunkelblaue Kapuze sowie einen schwarzen Mund-Nasen-Schutz mit bunter "2021"-Stickerei

Hartnäckige Rhinoviren

Auch in Großbritannien war es etwa zwei Wochen, nachdem die Kinder im September wieder in den Präsenzunterricht zurückgekehrt waren, zu einem Anstieg von Erkältungsfällen gekommen, darauf verweisen die Forscher. Allerdings ist ein Anstieg der Fallzahlen dort zu diesem Zeitpunkt nichts Ungewöhnliches. 2019 wurde ein ähnlicher Anstieg verzeichnet, damals lagen die Fallzahlen noch höher. In der Arbeit, welche britische Wissenschaftler bereits im Oktober im Fachblatt "The Lancet" veröffentlichten, stellten aber auch sie fest, dass die Corona-Maßnahmen in Schulen die Übertragung von Rhinoviren nicht wirksam verhinderten. 

Warum aber helfen die Corona-Maßnahmen zwar gegen Sars-CoV-2 und Influenzaviren, nicht aber gegen Erkältungsviren? Die Übertragungswege der verschiedenen Viren sind die gleichen. Doch Rhinoviren sind hartnäckiger. Sie lassen sich laut Forschern von einem Mund-Nasen-Schutz nicht abwehren, zudem seien sie robuster und könnten auch Desinfektionsmitteln besser standhalten. Unklar sei auch, welche Rolle die Übertragungswege für die Verbreitung der jeweiligen Viren spiele. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass sich die Wirksamkeit der eingesetzten Maßnahmen je nach Virenart unterscheiden könne. 

 Quellen: CDC,  The Lancet, Arstechnica

tpo

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