Stammzellen im Menstruationsblut Jeden Monat ein Wunder erleben


Stammzellen gelten als Alleskönner, als flexibel einsetzbare Ersatzteile für den menschlichen Köper. Bisher wurden sie meist aus Nabelschnurblut gewonnen, doch jetzt haben Forscher - zur Freude einer geschäftstüchtigen US-Firma - eine neue Quelle entdeckt: Menstruationsblut.

Frauen empfinden ihre Menstruation meist als Last, als unwillkommenen Störfaktor. Die US-Firma "C'elle" will mit dieser Einstellung jetzt aufräumen. Frauen sollten ihre Regel als "monatliches Wunder" betrachten, heißt es auf der firmeneigenen Homepage. Warum? Weil in dem Blut wertvolle Stammzellen enthalten seien, aus denen sich bei Bedarf neue Herz-, Nerven- oder Knochenzellen kreieren ließen. "C'elle" biete deswegen den "exklusiven und revolutionären" Service an, die Zellen für die Frauen zu sammeln und einzufrieren.

Herzmuskelzellen aus Menstruationsblut

Hintergrund des Angebots ist eine Studie amerikanischer Forscher. Diese haben im Menstruationsblut von Frauen eine neue Art von Stammzellen gefunden. Diese Zellen könnten sich zu mindestens neun Gewebearten entwickeln - von Nerven- bis zu Herzmuskelzellen, berichten die Forscher im Fachblatt "Journal of Translational Medicine". Schon aus fünf Milliliter Blut einer gesunden Frau ließen sich genug Zellen gewinnen, die nach zwei Wochen Zellkultur schlagende Herzmuskelzellen bildeten. Durch den einfachen Zugang könnten die neu entdeckten Stammzellen möglicherweise die Behandlung von zerstörtem Gewebe erleichtern, meinen die Wissenschaftler.

Die Zellen stammen aus der Gebärmutterwand, die während der Periode besonders durchblutet ist. Sie teilten sich im Labor mehr als 68 Mal und vermehrten sich dabei sehr viel schneller als etwa Stammzellen aus der Nabelschnur, berichten die Forscher um Xiaolong Meng vom Bio-Communications Research Institute in Wichita (US-Staat Kansas). Die neu entdeckten Stammzellen waren demnach in der Lage, sich in neun verschiedene Gewebearten zu differenzieren, darunter Leber-, Fett- und Bauchspeicheldrüsenzellen sowie knochenbildende Zellen.

Stammzellen werden unter anderem gebraucht, wenn im Körper Reparaturen nötig sind. Bei erwachsenen Menschen sind etwa 20 verschiedene Stammzelltypen bekannt. "Wir haben viele Probleme mit unseren gegenwärtigen Methoden der Stammzellentherapie", meint Meng. Manche Zellen könnten vom Empfänger abgestoßen werden und manche hätten ein begrenztes Potenzial, neues Gewebe zu bilden. "Jetzt haben wir einen möglichen neuen Weg gefunden, diese Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen, indem wir Zellen aus dem Menstruationsblut nutzen." Allerdings treibt die Forscher nicht nur der wissenschaftliche Erhgeiz und die Suche nach neuen Heilungsmethoden an. Entsprechend den Statuten des Fachjournals, in dem sie ihre Ergebnisse veröffentlichen, erklärt ein Teil der Autoren, wirtschaftliche Interessen an der Forschung zu haben.

Spezialist rät von "C'elle"-Angebot ab

Das wirtschaftliche Interesse dürfte auch die treibende Kraft bei der Firma "C'elle" sein. Für 499 Dollar (341 Euro) können sich Frauen auf der Homepage der Firma eine Art "Werkzeugkasten" bestellen. In diesem finden sie alles, was sie brauchen, um ihr Menstruationsblut zu sammeln und zur Aufbewahrung an "C'elle" zu schicken - ein Jahr Lagerungspauschale inklusive. Jedes weitere Jahr kostet 99 Dollar extra.

Prof. Dr. med. Martin Bornhäuser, Bereichsleiter der Abteilung Stammzellentransplantation der Universitätsklinik Dresden, rät Frauen jedoch davon ab, das Angebot der Firma zu nutzen. "Ich halte das für wenig seriös", sagt der Stammzellenforscher. Noch sei nicht ausreichend untersucht worden, welche Funktionen die Zellen aus dem Menstruationsblut übernehmen können. "Ich halte das für spannend, würde aber weitere Ergebnisse abwarten", sagt der Mediziner. So gebe es erst zwei oder drei Arbeiten zu dem Thema und die seien "nicht der Weisheit letzter Schluss".

DPA/hes DPA

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