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Schutz vor der Infektion Forscher untersuchen Antikörper von Genesenen – die Ergebnisse legen eine Impfempfehlung nah

Wie lange hält der Genesenen-Schutz?
Getestet: Auch Genesen können sich nach einer gewissen Zeit wieder mit Corona infizieren.
© Julian Stratenschulte / DPA
Wie lange sind Genesene vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt? Forscher der Medizinischen Universität Graz sind dieser Frage nachgegangen – mit eindeutigen Ergebnissen.

Wie lange der Impfschutz anhält, steht nur ungefähr fest und ist abhängig vom jeweiligen Impfstoff. Laut einem Pre-Print nimmt die Wirkung des Impfstoffs von Biontech bereits in den ersten vier Monaten rapide ab. Auch bei Moderna verläuft die Kurve nach unten, wenn auch nicht ganz so stark. Die kürzeste Wirkung weist der Studie zufolge das Vakzin von Astrazeneca auf. Angesichts der begrenzten Wirksamkeit forderte die SPD zuletzt eine Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten. Auch in anderen Ländern hat die Politik bereits ein Ablaufdatum für den Impfstatus festgelegt. So müssen sich etwa in Österreich alle Bürger sieben Monate nach der Zweitimpfung einen Booster abholen. Andernfalls gelten sie als ungeimpft und werden möglicherweise vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Der Epidemiologe Timo Ulrichs (r.) im Gespräch

Und wie sieht es bei den Genesenen aus? Auch ihr Schutz vor einer erneuten Infektion mit dem Coronavirus nimmt nach einiger Zeit ab, wie Forscher der Med Uni Graz in einer Studie herausfanden. Für die Untersuchung werteten sie Antikörperwerte von 326 Studienteilnehmern aus, die zwischen Februar 2020 und Januar 2021 mittels eines PCR-Tests positiv auf das Coronavirus getestet worden waren und einen symptomatischen aber milden Krankheitsverlauf ohne Krankenhausaufenthalt aufwiesen. Für ihre Untersuchung entnahmen die Forscher den Studienteilnehmern Blutproben sowie Mund- und Nasenabstriche. Zudem mussten die Probanden Fragebögen zum Verlauf der Krankheit, Vorerkrankungen, ihrer Krankengeschichte und ihrem Lebensstil ausfüllen.

Ziel des Ganzen war es, den Antikörperstatus zu messen. Den Ergebnissen zufolge bleibt die Antikörperkonzentration acht Monate lang auf einem stabilen Niveau. Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass Personen mit Erkrankungen der Atemwege, des Herz-Kreislaufsystems oder der Schilddrüse einen höheren Antikörperspiegel aufwiesen als jene ohne Vorerkrankungen.

Krankheitssymptome halten länger als einen Monat an

Auch der eigentliche Krankheitsverlauf bei Corona beeinflusst den Antikörperspiegel. Wer mindestens ein Hauptsymptom wie Fieber, Husten oder Geschmacks- und Geruchsverlust aufwies, hatte einen höheren Antikörperwert. Was dieser Wert genau bedeutet, werde aber derzeit noch untersucht, schreiben die Studienautoren.

Auffällig war zudem, dass die Symptome einer Corona-Erkrankung relativ lange anhalten. Knapp 70 Prozent der Studienteilnehmer klagten im Mittel 38 Tage nach der Infektion noch über Symptome. Die meisten von ihnen litten unter Müdigkeit (41 Prozent), einen veränderten Geschmackssinn (23 Prozent), Kopfschmerzen (23 Prozent) und einen veränderten Geruchssinn (rund 20 Prozent).

Eine Bewertung der Studienergebnisse ließ das Forscherteam aus. Allerdings legen die Erkenntnisse nahe, dass sich auch Genesene zeitig durch eine Impfung gegen das Coronavirus immunisieren lassen sollten.

cl

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