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Studie: Atommeiler beeinflussen Fehlbildungsrisiko nicht

Kommen im Umfeld von Atommeilern mehr Kinder mit angeborenen Fehlbildungen zur Welt? Eine Studie der Uni Mainz verneint das. Atomkraftgegner kritisieren die Untersuchung.

Babys, die in der Umgebung von Atomkraftwerken zur Welt kommen, haben einer Studie zufolge kein höheres Risiko einer angeborenen Fehlbildung als Kinder in anderen Regionen. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung der Universität Mainz im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).

Für die Studie wurde das Geburtenregister durchforstet. Dabei wurden im Umkreis von zehn Kilometern um die Reaktoren im hessischen Biblis und baden-württembergischen Phillipsburg sowie in einer Vergleichsregion ohne Atomkraftwerk alle Geburten und Fehlgeburten zwischen November 2006 und Februar 2008 aufgenommen. Die Studie umfasste 5273 Kinder und Föten, davon 5218 Lebendgeborene, 30 Totgeborene und 25 Fehlgeburten. Dabei zeigte sich den Angaben zufolge kein Unterschied in der Häufigkeit angeborener Fehlbildungen zwischen der Umgebung der beiden Atomkraftwerke und der Vergleichsregion, dem pfälzischen Kaiserslautern und Umgebung. Auch mit zunehmender Nähe des Wohnorts zum Reaktor stieg das Risiko nicht.

Jedoch berichten die Forscher, dass Mütter, die beruflich Strahlungen ausgesetzt sind, häufiger Kinder mit einer angeborenen Fehlbildung bekommen. Allerdings beruhe dieser Hinweis auf wenigen Einzelfällen, betont das BfS. Ob ein Zusammenhang zur Strahlung oder zu anderen Ursachen im Beruf besteht, soll weiter untersucht werden. Das BfS hatte bereits 2007 die Häufigkeit von Tumoren bei Kindern unter fünf Jahren in der Umgebung aller westdeutschen Atomkraftwerke untersuchen lassen. Dabei stellten die Forscher fest, dass in Deutschland Kleinkinder häufiger an Krebs, insbesondere Leukämie, erkranken, je näher sie an einem Atomkraftwerk wohnen. Die Ursache dieses Risikos konnte bislang nicht geklärt werden. Denn nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand konnte der Anstieg der Erkrankungen nicht allein durch die Strahlenbelastung aus einem Atomkraftwerk erklärt werden.

Atomgegner kritisieren die Studie

Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW kritisiert die aktuelle BfS-Studie als "argumentative Schützenhilfe zugunsten der Atomindustrie". Die Studie habe aufgrund niedriger Fallzahlen eine zu geringe statistische Nachweisstärke, um einen ähnlichen Effekt wie in der Studie von 2007 nachzuweisen, teilt die Organisation mit und verweist dabei auf eine im Mai dieses Jahres veröffentlichte Analyse eines Physikers. Darin würde bemängelt, dass die Auswertung in der Studie nur an zwei Standorten im Umkreis von nur zehn Kilometer durchgeführt wurde und der Zeitraum lediglich etwas mehr als 15 Monate umfasste.

APN/DPA / DPA

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