HOME

Therapeutisches Klonen: Stammzellen, maßgeschneidert

Ein koreanischer Forscher hat die erste Stammzellen-Bank der Welt eingeweiht: Forscher können dort Zellmaterial fürs therapeutische Klonen bestellen. Deutsche Forscher allerdings können den neuen Service nicht nutzen.

Ein koreanischer Forscher hat die erste Stammzellen-Bank der Welt eingeweiht: Forscher können dort Zellmaterial fürs therapeutische Klonen bestellen. Deutsche Forscher allerdings können den neuen Service nicht nutzen.

Eine bittere Pille für Stammzellenforscher in Deutschland: Der "König des Klonens", Woo Suk Hwang aus Südkorea, bietet aller Welt die Zusammenarbeit an. Doch die deutsche Elite muss passen. Jene embryonalen Stammzellen, die Hwang zur Erforschung noch unheilbarer Krankheiten maßschneidern und kollaborierenden Labors zur Verfügung stellen will, sind in Deutschland verboten. "Uns sind die Hände gebunden", sagte einer der führenden deutschen Stammzellenexperten, Professor Oliver Brüstle von der Universität Bonn.

Hwang weihte am Mittwoch an der Nationaluniversität in Seoul eine erste Stammzellen-Bank ein. Sie soll das therapeutische Klonen auf internationaler Front vorantreiben, berichtet das "New England Journal of Medicine". Der Veterinärmediziner hatte als erster weltweit einen menschlichen Embryo geklont und daraus Stammzellen gewonnen. Kürzlich produzierte er auch embryonale Stammzellen mit dem Erbgut schwer kranker Patienten. Jetzt will er ein weltumspannendes Netzwerk aufbauen, über das er Stammzellforschern maßgeschneiderte Zelllinien für ihre Studien und den Austausch von Daten anbietet.

In Hwangs Initiative, die "World Stem Cell Foundation", sind vorerst nur die USA und Großbritannien einbezogen. Dort will der Südkoreaner Labors einrichten, die Forscher vor Ort mit embryonalen Stammzellen nach Wunsch versorgen sollen. Allerdings behält Hwang die Technik fest in der Hand. Das therapeutische Klonen nehmen drei südkoreanische Labortechniker vor, und die neuen Zelllinien werden in Seoul überprüft, bevor amerikanische oder britische Forscher sie gegen ein Entgelt für ihre Arbeit überlassen bekommen.

Deutsche Forscher im Hintertreffen

Für den deutschen Stammzellenexperten Hans Schöler vom Max-Planck-Institut in Münster steht außer Zweifel, dass Südkorea mit dem neuen Konsortium weltweit in Führung gehen will. "Hwang hat eine positive, fast charismatische Persönlichkeit", sagt Schöler. Dieser glaube an den Nutzen des therapeutischen Klonens für die Menschheit und presche deshalb nach vorn, "jedoch nicht auf Kosten anderer Länder". Wie Brüstle bedauert Schöler, dass deutsche Forscher wegen der strikten Anti-Klon-Bestimmungen immer weiter abgeschlagen zu werden drohen. Deutsche Wissenschaftler dürfen laut Gesetz nur mit importierten Stammzell-Kulturen forschen, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden.

"Wir können ja kaum noch in Europa konkurrieren", klagt Brüstle, der nach Stammzellentherapien für die Multiple Sklerose (MS) und Epilepsie sucht. Großbritannien und die skandinavischen Länder hängten Deutschland zusehends ab. Für Brüstle ist der Gedanke, das Labor ins Ausland zu verlegen, "ein ständiger Wegbegleiter", wie er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur DPA zugab. Zunächst aber hofft er auf die Signalwirkung von Hwangs Initiative. Sie sollte deutschen Gesetzgebern zu Denken geben: "Hier breitet sich ein Forschungsgebiet von internationaler Relevanz aus. Sollte sich Deutschland nicht doch aufgeschlossener zeigen?"

Schöler schöpft aus zwei Veröffentlichungen in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins "Nature" Hoffnung. Sie zeigen neue Wege für die Gewinnung embryonaler Stammzellen auf, ohne dass ein lebensfähiger Embryo erzeugt und zerstört werden muss. "Darum ging es doch bei unserer Debatte in Deutschland", erinnert er. "Wenn diese Argumentation ehrlich war, haben wir jetzt die Lösung für das Problem". Dann sei jenen Gegnern des therapeutischen Klonens der Wind aus den Segeln genommen, die das medizinisch so viel versprechende Verfahren aus Sorge um das werdende Leben bisher abgelehnt haben.

Gisela Ostwald/DPA / DPA

Wissenscommunity