Tödliche Malaria Erreger stammte vom Schimpansen


Der Erreger der gefährlichsten Malaria-Variante ist vom Schimpansen auf den Menschen übergesprungen. Das vermuten Forscher nach Erbgutanalysen verschiedener Stämme des Parasiten. Die Ergebnisse könnten helfen, mehr darüber zu erfahren, wie Infektionskrankheiten von Tieren auf Menschen übertragen werden.

Der Erreger der "Malaria tropica", der gefährlichsten Malaria-Variante, ist von Schimpansen im äquatorialen Afrika auf den Menschen übergegangen. Das schließt ein internationales Forscherteam aus Erbgutanalysen verschiedener Stämme des Parasiten, welche die Wissenschaftler bei Schimpansen in Kamerun und an der Elfenbeinküste entdeckt hatten. Ob dieser Übergang jedoch vor Zehntausenden oder gar schon vor Hunderttausenden von Jahren stattfand, können die Wissenschaftler noch nicht sagen.

Neben Aids, Sars und der Schweinegrippe könnte Malaria also eine weitere Krankheit sein, die vom Tier auf den Menschen übergesprungen ist. Durch die neuen Untersuchungen erhoffen sich die Wissenschaftler um Stephen Rich von der Universität von Massachusetts in Amherst besser zu verstehen, wie das passiert. Die Ergebnisse könnten auch dazu beitragen, eine Impfung gegen Malaria zu entwickeln. Denn: "Malaria ist beim Menschen gegen manche Medikamente resistent geworden", sagt der Co-Autor der Studie, Francisco Ayala. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher im Fachmagazin "PNAS" vor.

Gewebe- und Blutproben ausgewertet

250 Millionen Menschen erkranken laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jährlich weltweit an Malaria, beinahe eine Million stirbt daran. Ausgelöst wird die "Malaria tropica" durch den Parasiten Plasmodium falciparum. Der Einzeller wird über Stechmücken von Mensch zu Mensch übertragen und ist nahe verwandt mit Plasmodium reichenowi - einem Parasiten, der lediglich Schimpansen befällt.

Zur Frage, welchen Zusammenhang es zwischen den beiden Erregern gibt und wie der Mensch letztlich zur Malaria kam, sind unter Wissenschaftler drei Thesen verbreitet: Eine Theorie besagt, beide Erreger seien in den vergangenen fünf bis sieben Millionen Jahren aus einem gemeinsamen Vorfahren entstanden. Andere Forscher gehen hingegen davon aus, dass die menschliche Variante des Erregers zuerst existierte und diese dann auf die Schimpansen übergesprungen ist. Laut der dritten These schließlich gab es zuerst die tierische Variante, aus der schließlich der für Menschen bis heute oft tödliche Erreger entstand.

Auf der Suche nach möglichen Antworten werteten die Wissenschaftler Gewebe- und Blutproben afrikanischer Schimpansen aus. Die Tiere stammten aus Freigehegen in Kamerun und oder waren in Nationalparks der Elfenbeinküste an Milzbrand oder Atemwegserkrankungen gestorben. Die Forscher untersuchten das genetische Profil der Erreger Plasmodium reichenowi im Blut der Affen und verglichen dieses mit dem Profil von Plasmodium falciparum. So konnten sie einen Stammbaum der Erreger anfertigen, der letztlich die These unterstützt, nach der Plasmodium falciparum ein Abkömmling des bei den Affen verbreiteten Erregers ist. Die Daten deuten sogar darauf hin, dass dieser Übergang vom Affen zum Menschen nur ein einziges Mal stattgefunden hat und alle Parasiten der Art Plasmodium falciparum auf dieses eine Ereignis zurückgehen.

Wann und wo dieser Mensch jedoch lebte, der erstmals von dem Erreger befallen war, können die Forscher aus ihren Daten nicht ablesen. Wahrscheinlich sei, dass sich der Erreger nicht sofort, sondern erst in jüngerer Zeit massenhaft unter den Menschen ausbreitete, erklären die Wissenschaftler. Möglicherweise habe dem Erreger erst eine Mutation vor 5000 bis 10.000 Jahren zum Durchbruch verholfen.

DDP DDP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker