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Bienensterben Ungespülte Honiggläser im Altglascontainer: Todesurteil für ganze Bienenvölker

Bienen sind an Honigwaben zugange. Im Hintergrund steht ein Glas mit Honig.
Bienen machen nicht nur leckeren Honig, sie sind für den Menschen und den Planeten Erde überlebenswichtig
© Koval Nadiya / Getty Images
Das Bienensterben schreitet weltweit voran. Neben natürlichen Feinden wie Parasiten und Milben stellen auch Bakterien eine Gefahr für Bienen dar. Durch den Menschen verbreitet können die Krankheitserreger ganze Bienenvölker ausrotten.

Ungespülte Honiggläser im Altglascontainer oder Plastikverpackungen voller Honig können eine erstzunehmende Gefahr für heimische Bienenvölker darstellen. Bienen, die auf der Futtersuche keine Blumen mehr finden, sammeln gerne Honigreste aus dem menschlichen Müll ein – und genau hier liegt das Problem.

Bakterien, die in kontaminierten Honigresten lauern können, werden in den Bienenstock getragen und können sich dort ungehindert vermehren. Ein Befall mit Bakterien wie der Amerikanischen Faulbrut können das Aus für ein ganzes Bienenvolk oder den gesamten Bestand eines Imkers bedeuten. 

Bienenpest ist schwer zu behandeln

Die Amerikanische Faulbrut (auch Bösartige Faulbrut genannt) ist eine Seuche, die auf der ganzen Welt unter Bienenvölkern verbreitet ist. Die Bienenpest beruht auf dem Bakterium Paenibacillus larvaelarvae, das die Brut der Honigbiene befällt. Für Menschen und andere Tiere ist es ungefährlich. Einmal im Bienenstock angekommen, kann es jedoch ganze Bienenvölker vernichten.

Anders als der Name es vermuten lässt, kommt die Bösartige Faulbrut nicht aus Amerika. Die Krankheit wurde lediglich dort entdeckt. Eine europäische Variante, die auch Gutartige Faulbrut genannt wird, soll harmloser sein. Beide Bienenseuchen sind schwer zu behandeln.

Der Erreger befällt den Nachwuchs

Über kontaminierten Honig – beispielsweise aus dem Altglascontainer – gelangt der Erreger der Faulbrut in den Bienenstock. Dort wird er über Körperkontakt und Futteraustausch verbreitet. Dabei schadet er den erwachsenen Bienen nicht, sondern befällt ausschließlich den Bienennachwuchs.

Sogenannte Ammenbienen geben Futter mit Sporen des Erregers an die Larven weiter. Die Faulbrut gelangt in den Darm der Bienenlarve. Sobald die Wabe verdeckelt ist, kommt es zu einer starken Vermehrung des Bakteriums. Die Larve wird inklusive Chitinhaut zersetzt. Zurück bleibt eine schleimige Masse, die zu einer dunklen Kruste eintrocknet. 

Verbreitung über ein Bienenvolk hinaus

Wie die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau angibt, sind pro abgestorbener Larve rund 2,5 Milliarden Erreger nachweisbar. Sogenannte Putzbienen verteilen diese Sporen aus der Kruste der Wabe im ganzen Bienenstock. Durch Körperkontakt oder infiziertes Futter wird daraufhin weiterer Nachwuchs infiziert. Flugbienen können den Erreger bei Räubereien in fremden Stöcken ebenfalls verbreiten.

Ein Bienenvolk ohne Nachwuchs wird immer schwächer. Nicht selten werden geschwächte Bienenvölker von anderen Völkern ausgeräubert oder übernommen. Diese neuen, gesunden Bienen nehmen den Erreger aus dem kontaminierten Bienenstock auf und tragen ihn ins eigene Volk.

Maßnahmen gegen die Amerikanische Faulbrut

Eine Verbreitung der Faulbrut sollte unbedingt verhindert werden. Dazu gibt es umfassende Maßnahmen, die nach Anweisung des Amtstierarztes durchgeführt werden müssen: Alles Kontaminierte rund um den Bienenstock muss desinfiziert oder beseitigt werden.

Je nach der Schwere des Befalls in einem Bienenstock und je nach Region werden erkrankte Völker getötet oder mithilfe eines aufwendigen, speziellen Verfahrens behandelt, bis alle Sporen beseitigt sind. Die Maßnahmen betreffen immer das ganze Volk oder den ganzen Bienenbestand eines Imkers, da eine Übertragung des Bakteriums sehr wahrscheinlich ist. Antibiotika helfen nur bedingt, denn gegen die Endsporen sind sie machtlos. 

Bienensterben: Ungespülte Honiggläser im Altglascontainer: Todesurteil für ganze Bienenvölker

Weltweite Verbreitung der Seuche

Der weltweite Honighandel ist die häufigste Ursache für die Ansteckung eines Bienenvolkes mit der Faulbrut. Schätzungen zufolge beinhalten 80 bis 90 Prozent des Importhonigs Sporen der Amerikanischen Faulbrut. Das liegt daran, dass infizierte Bienenvölker außerhalb der EU oft mit Antibiotika behandelt werden. Dadurch bleiben die Bienen zwar vorerst gesund, die Sporen des Erregers werden jedoch nicht bekämpft.

In der Nähe von Glascontainern, Mülldeponien und Autobahnraststätten tritt die Seuche besonders häufig auf, da die Bienen dort gerne Honig einsammeln, wenn sie auf der Nahrungssuche keine Blumen finden. Wer den meist günstigeren Honig aus dem EU-Ausland kauft, sollte seine Honiggläser oder -verpackungen gründlich ausspülen, bevor er sie entsorgt, um die einheimischen Bienen zu schützen. Alternativ kann man auch auf heimischen Honig zurückgreifen.

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Quellen:BR Wissen / Geniale Tricks / Tierseucheninfo Niedersachsen


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