VG-Wort Pixel

Bienenfreundlich genießen Veganer Honig selbst gemacht: So stellen Sie Löwenzahnhonig her

Veganer Honig selbst gemacht: So stellen Sie Löwenzahnhonig her.
Kräftig, aromatisch und bienenfreundlich – veganer Honig ist leicht selbst herzustellen!
© Madeleine_Steinbach / Getty Images
Honig geht auch vegan. Auf Basis von Löwenzahnblüten schmeckt die pflanzenbasierte Alternative wunderbar aromatisch und lässt sich wie die herkömmliche Variante verwenden. Das Rezept.

Ist Honig vegan? Darüber diskutieren zahlreiche Veganer und Nicht-Veganer in Foren, sozialen Netzwerken oder auf Blogs unterschiedlicher Ausrichtung. Grund der Debatte? Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten.

Einzigartige Biene

Objektiv betrachtet ist Honig nicht vegan, da eine streng vegane Ernährung sowohl den vollständigen Verzicht von Tierprodukten als auch von Tieren produzierten Produkten – demnach beispielsweise Milch oder Eiern – umfasst. Da Honig von Bienen hergestellt wird, ist er also nicht vegan. Er ist jedoch für die Bienen und uns Menschen lebenswichtig. Genau hier liegt der springende Punkt der Debatte. Dem Honig wird eine andere Qualität bezüglich der ethischen Beurteilung beigemessen – schließlich sind wir Menschen auf die fleißigen Bienen und ihre Bestäubungsleistung angewiesen. Würden diese keinen Honig mehr produzieren und deshalb aussterben, würde das gesamte Ökosystem zusammenbrechen.

Aber erst einmal von vorne: 87,5 Prozent der Blütenpflanzen weltweit sind von der Bestäubung der Bienen abhängig. Ohne die Tiere würden die Erträge von Nutzpflanzen um bis zu drei Viertel schrumpfen – vor allem verschiedene Obst- und Gemüsesorten wären von einem starken Ertragsrückgang betroffen, unter anderem Äpfel, Birnen, Tomaten, Zucchini und Mandeln. Allein in Europa gibt es 4.000 Gemüsesorten nur dank Bienen. Der globale wirtschaftliche Nutzen dieser wird auf 265 Milliarden Euro geschätzt. Die auftretenden Ernteausfälle, die mit einem Bienenaussterben einhergehen würden, würden laut US-Forschern sogar zu einer weltweiten Mangelernährung und damit zu 1,42 Millionen zusätzlichen Todesfällen pro Jahr führen.

"Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr." – Albert Einstein

'Chapeau!' an die Bienenpopulation. Schließlich sind sie für den Erhalt der biologischen Vielfalt und damit für ein funktionierendes Ökosystem unersetzlich. Die Bienen sind nämlich nicht nur für die Nahrungssicherheit von uns Menschen wichtig: Ohne sie könnten sich Wildgewächse kaum fortpflanzen, was wiederum auch für verschiedene Tiere den Verlust von Nahrung und Wohnstätten bedeuten würde.

Erhöhtes Bienensterben

Das Fatale an der Sache: Das Bienensterben ist nicht nur eine dystopische Vorstellung, sondern Tatsache und tritt vermehrt in den letzten Jahren auf.  Die Gründe dafür liegen jedoch nicht in einer verminderten Honigproduktion, sondern vor allem im Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, eintönigen Landschaften, fehlenden Nahrungsquellen, dem Verlust des natürlichen Lebensraums der Tiere und Parasiten. Demnach ist es elementar wichtig, den Lebensraum der Bienen zu schützen und zudem die Honigproduktion zu unterstützen.

Warum verzichten Veganer auf Honig?

Die Gründe für einen Verzicht sind vielseitig. Die Haltung der Bienen unter unnatürlichen Lebensbedingungen, die genetische Manipulation der Tiere und stressvolle Transporte sind einige der Gründe. Zudem dient der Honig den Bienen als Nahrungsmittel. Der aus Nektar und einem kleinen Teil Pollen hergestellte Honig enthält Nährstoffe, die vor allem in den kalten Wintermonaten überlebenswichtig für die Biene ist und diese vor einem möglichen Befall durch verschiedene Milbenarten und anderen Krankheiten – die unter anderem wiederum für das Bienensterben verantwortlich sind – schützt. Die Tiere erhalten den von ihnen produzierten Honig aber nicht – schließlich ist dieser uns Menschen vorbehalten. Die von der Honigindustrie bereitgestellte künstliche Ersatznahrung macht die Tiere oftmals anfälliger für Krankheiten und unterstützt so indirekt das Aussterben. Nicht zuletzt verdrängt die gezüchtete Honigbiene ihre wilden Artgenossen. Von der Honigbiene ausgehende Krankheiten schwächen das Immunsystem der Wildbienen und dezimieren so den ohnehin schon bedrohten Bestand.

Wie kann man Bienen aktiv unterstützen?

Freilebende Bienen unterstützen Sie aktiv durch den Kauf bienenfreundlicher Blumen und Pflanzen. Der Verzicht auf bienenschädliche Pflanzenschutz-, Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel, also Pestizide, Herbizide und Biozide im Garten und Haus ist dabei wichtig, um den Tieren einen sicheren Lebensraum bieten zu können. Bieten Sie den Bienen zudem Nistmöglichkeiten: Mit wenig Aufwand lässt sich ein "Bienen- oder Insektenhotel" bauen. Weitere Tipps zum aktiven Schutz finden Sie hier.  

Mit dem Verzicht des Kaufs von industriell gefertigtem Honig können Sie der Ausbeutung und dem Aussterben der wichtigen Insekten entgegenwirken. Auf den Genuss müssen Sie jedoch auf keinen Fall verzichten. Sie können sich einen Honig auf pflanzlicher Basis ganz leicht selbst herstellen.

Veganen Honig aus Löwenzahn herstellen

Für selbst gemachten veganen Honig benötigen zunächst Löwenzahnblüten. Das Heilkraut ist sehr wertvoll und enthält seltene Bitterstoffe, welche die Verdauung unterstützen und zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Zudem wirkt Löwenzahn harntreibend, appetitanregend, lindert Rheuma, Bronchitis oder Fieber. Nicht zuletzt enthält er große Mengen an Cholin, Inulin, Kalium, Magnesium, Phosphor, Vitamin A, B12 und Vitamin C.

Aufgekocht mit Zucker und Zitrone schmeckt die vegane Alternative kräftig und aromatisch und erinnert geschmacklich an das Original. Verwenden lässt sie sich wie die herkömmliche Alternative auch – als Brotaufstrich, in Getränken, zum Verfeinern von Speisen und Gebäck oder einfach pur vom Löffel.

Rezept für selbst gemachten veganen Honig aus Löwenzahn

Zutaten

  • 500 Löwenzahnblüten (circa 600 Gramm)
  • Eine Zitrone
  • Zwei Kilogramm Zucker
  • Zwei Liter Wasser
Mit Insektenhotels Bienen retten

Zubereitung

  1. Die Löwenzahnblüten mit Wasser reinigen und die Stiele entfernen. Die Zitrone in Scheiben schneiden.
  2. Löwenzahnblüten, Zitronenscheiben und das Wasser in einen Topf geben. Etwa 20 Minuten kochen und anschließend 24 Stunden ruhen lassen.
  3. Am nächsten Tag alles zusammen durch ein Geschirrtuch pressen.
  4. Den Saft auffangen, wieder in den Topf geben, zusammen mit dem Zucker aufkochen und für circa zwei bis drei Stunden mit offenem Deckel köcheln lassen, dabei hin und wieder umrühren.
  5. Der Löwenzahnhonig ist fertig, wenn ein ausgekühlter Tropfen Fäden zieht. Das kann immer wieder getestet werden, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.
  6. Direkt im Anschluss in Schraubgläser füllen.

Quellen:PETA, Greenpeace, The Lancet, Bienenretter, Martin-Luther-Universität, PubMed


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker