Verbot gefordert Keine Schönheits-OP für Jugendliche

20 Prozent der Jugendlichen wünschen sich eine Schönheits-OP
20 Prozent der Jugendlichen wünschen sich eine Schönheits-OP
© Colourbox
In den USA ist die Nasenkorrektur oder Brust-OP zum Schulabschluss kein seltenes Geschenk. In Deutschland warnen Kinder- und Jugendärzte vor diesem Trend. Gesundheitspolitiker fordern jetzt sogar ein Verbot von Schönheitsoperationen an Minderjährigen.

Am Mittwoch befasst sich der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags in einer öffentlichen Anhörung mit dem Thema. Hintergrund ist ein gemeinsamer Antrag von Politikern von sowohl CDU/CSU als auch SPD mit dem Ziel, Missbräuche bei Schönheitsoperationen zu verhindern. Mehr als eine Million Deutsche sollen sich nach Schätzungen derzeit pro Jahr einer Schönheitsoperation unterziehen, wie es in dem Antrag heißt. Etwa zehn Prozent von ihnen, also rund 100.000, seien jünger als 20 Jahre. Amtliche Zahlen gibt es nicht. Gerade die Entwicklung bei den Kindern und Jugendlichen beunruhigt die Parlamentarier. Nach einer Umfrage des Kinderbarometers der LBS-Initiative "Junge Familien" wünschen sich 20 Prozent der 9- bis 14-Jährigen eine Schönheitsoperation.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der auch zu den Antragstellern gehört, sieht ein "verirrtes Schönheitsideal" als treibende Kraft. Kinder würden schon sehr früh darauf vorbereitet, Idealfigur zu entwickeln, und träumten davon, Model zu werden, sagte er im NDR. Ein gesetzliches Verbot ist nach seiner Einschätzung unumgänglich, weil es zu wenig Selbstbeschränkung der Ärzte gebe. Es gehe dabei nicht um medizinisch notwendige Operationen, sondern um echte Schönheitseingriffe wie Brustvergrößerungen, Brustverkleinerungen oder Fettabsaugungen. "So etwas müsste schlicht und ergreifend bei unter 18-Jährigen verboten sein und auch unter Strafe stehen für die Chirurgen, die das machen", forderte Lauterbach.

Empfehlung des Europäischen Parlaments nicht bindend

Zwar gibt es seit 2002 eine Empfehlung des Europäischen Parlaments, Brustimplantationen bei Frauen unter 18 Jahren nur aus medizinischen Gründen zu erlauben. Tatsächlich sind solche Eingriffe aber in Deutschland weiterhin unter der Voraussetzung erlaubt, dass die Eltern oder Erziehungsberechtigten zustimmen. Eine vorherige medizinische Begutachtung muss nicht erfolgen. Für die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen, Kerstin van Ark, ist diese Regelung völlig ausreichend: "Wir gehen davon aus, dass sich die Eltern und die Ärzte ihrer Verantwortung bewusst sind", sagte sie, vorausgesetzt, es handele sich um Fachärzte.

Ein viel größeres Problem für sie ist die auch von den Gesundheitspolitikern kritisierte Tatsache, dass praktisch jeder Arzt, also auch jemand ohne entsprechende Zusatzausbildung und Erfahrung, schönheitschirurgische Eingriffe vornehmen darf. Für Patienten sei es auf den ersten Blick schwer zu erkennen, ob ihr Operateur sich in einer sechsjährigen Weiterbildung den Titel "Facharzt für plastische/ästhetische Chirurgie" oder "Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie" erworben habe oder sich schlicht "Ästhetische Chirurgie" aufs Praxisschild geschrieben habe. Van Ark verwies auf Spanien, wo gesetzlich geregelt ist, dass nur Plastische Chirurgen ästhetische Eingriffe vornehmen dürfen. In Deutschland sei eine solche Regelung unter anderem wegen des komplizierten Berufsrechts kaum möglich.

"Seriöse Ärzte werden Jugendliche nicht operieren"

Für die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland, einen Zusammenschluss von Ärzten verschiedener Fachrichtungen, die Schönheits-OPs durchführen, ist ein Verbot solcher Eingriffe an Kindern und Jugendlichen ebenfalls kein Thema: "Seriöse Ärzte werden in Deutschland keine Patienten unter 18 Jahren ästhetisch operieren, es sei denn, es handelt sich um Ohrenkorrekturen, die vor allem bei Kindern zu empfehlen sind", erklärte ihr Präsident, Heinz Bull, im vergangenen Jahr. Er sprach sich klar gegen Brustvergrößerungen oder auch Fettabsaugung bei Minderjährigen aus, denn "der Körper ist noch nicht fertig entwickelt. "Wenn ein Arzt bei diesen Indikationen operiert, sollte der Patient stutzig werden", riet der Professor.

AP AP

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