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Verordnung: Kennzeichnungspflicht für Gen-Food

Ab dem 18. April müssen alle genetisch veränderten Lebensmittel in der gesamten Europäischen Union als solche gekennzeichnet werden. Aber es gibt auch noch Ausnahmen.

Wer Wert auf Essen ohne Gentechnik legt, sollte ab kommender Woche verstärkt aufs Kleingedruckte achten: Ab 18. April müssen Lebensmittel, die auch nur kleine Mengen gentechnisch veränderter Pflanzen enthalten, in der gesamten Europäischen Union genau gekennzeichnet werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland lobte am Dienstag in Berlin die neuen EU-Vorschriften.

"Erstmals kann der Verbraucher sicher sein: Wenn Gentechnik nicht drauf steht, ist auch keine Gentechnik drin", sagte BUND-Expertin Heike Moldenhauer. Damit könnten Verbraucher eine bewusste Entscheidung treffen. Dies gelte auch in Restaurants oder Kantinen: Dort müssten gentechnisch veränderte Zutaten per Aushang oder in der Speisekarte aufgeführt werden.

Rückverfolgbarkeit der Verarbeitung muss ausgewiesen werden

Die Kennzeichnung betrifft künftig auch nicht mehr nur das Endprodukt. Vielmehr müssen die Hersteller den EU-Verordnungen zufolge ein System zur "Rückverfolgbarkeit" aufbauen und ausweisen, ob das Produkt irgendwann in seiner Verarbeitungskette mit Gentech-Produkten in Berührung gekommen ist.

Folge dieser umfassenden Pflicht wird nach Einschätzung der Umweltschützer sein, dass Verbraucher kaum Produkte mit dem Gentechnik-Label finden werden. Denn die meisten Lebensmittelhersteller hätten sich längst darauf eingestellt und bei ihren Lieferanten auf Zutaten und Produkte ohne Gentechnik bestanden, sagte BUND-Vizevorsitzende Doris Tropper. "Das Label ist Selbstmord für ein Produkt", sagte Tropper unter Hinweis auf Umfragen, dass 70 Prozent der EU-Bürger keine Gentechnik in ihrem Essen wollten. "Die Reorganisation des Marktes ist bereits in vollem Gange."

Ausnahmen bestätigen die Regel

Zwei Lücken beklagten die BUND-Expertinnen allerdings. So seien zwar Futtermittelhersteller ebenfalls zur Kennzeichnung ihrer Produkte gezwungen. Wenn eine Kuh Gentech-Futter gefressen habe, müsse dies aber auf der von ihr gegebenen Milch nicht mehr angegeben werden. Spuren des Futters seien im Endprodukt nicht nachweisbar und wohl für Verbraucher auch nicht relevant, räumte Moldenhauer ein. Relevant sei der Futteranbau hingegen für die Umwelt: Es gehe darum, Gentech-Pflanzen möglichst weit zurückzudrängen, weil ihre Risiken nicht einzuschätzen seien. 80 bis 90 Prozent der angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen dienten als Futter.

Die zweite Lücke sei eine Ausnahme von der Kennzeichnungspflicht für gentechnische Verunreinigungen, die "zufällig oder technisch nicht zu vermeiden" sind, kritisierte Moldenhauer. Somit könnten Lebensmittel mit bis zu 0,9 Prozent gentechnisch veränderten Anteilen ohne Label auf den Markt kommen. Verbraucherministerin Renate Künast solle sich für Nachbesserungen einsetzen.

50 000 Euro Bußgeld

Die Umweltschützerinnen forderten zudem den Bundesrat auf, das Ausführungsgesetz für die Kennzeichnungspflicht nicht länger zu blockieren. Dieses sieht bis zu 50.000 Euro Buße für Hersteller vor, die Gentech nicht auf dem Etikett ausweisen. Die Mehrheit der Länder hatte den Vorschlag der Bundesregierung an den Vermittlungsausschuss verwiesen.

AP / AP

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