Vogelgrippe "Explosionsartig"


Der Virologe Albert Osterhaus über die Verbreitung der Vogelgrippe.

Viele tote Vögel fand man außerhalb der Vogelfluglinien. Was bedeutet das?

Dass der Erreger nicht unbedingt durch Zugvögel verbreitet werden muss. Die Transmission geschieht auch durch Transportmittel wie Lkws, Futter und Stroh.

Was halten Sie von der These, dass das Virus schon seit dem Herbst hier ist, die Tiere aber erst jetzt gefunden werden?

Die ersten Krankheitsfälle betrafen Höckerschwäne in Rumänien im Vorjahr. Erst später tauchte die Seuche auch bei anderen Wasservögeln auf. Das bedeutet, dass sich das Virus überall, quasi unter der Oberfläche versteckt, von Tümpel zu Tümpel verbreitet. Wir untersuchen nun fieberhaft, welche Sorten besonders für die Pest anfällig sind, wie lange sie das aggressive Virus ausscheiden und wie aktiv sie es weitergeben.

Gibt es Vögel, die den Erreger in sich tragen, aber nicht daran erkranken - und somit andere heimlich infizieren?

Bis vor kurzem dachten wir, dass alle Vögel durch die Krankheit verenden. Das gilt jedoch nicht für die Hausente, wie wir nun wissen. Den Grund dieser Immunität kennen wir noch nicht, das müssen wir jetzt erforschen.

Wann sind bei uns die Hühner bedroht?

Die Bedrohung ist ja existent, wie das Beispiel Frankreich zeigt. Den richtigen Zeitpunkt kann man nicht bestimmen. Wenn überhaupt, so tippe ich ohnehin auf einen explosionsartigen Ausbruch.

Bereitet sich Deutschland ausreichend auf eine Epidemie vor?

Das kann ich von hier aus nicht einschätzen. Aber wenn der Staat strenge Hygiene- und Schutzmaßnahmen verordnet und alle sich effektiv daran halten, muss es kein Drama werden. Worauf es ankommt, ist, dass die zuständigen Behörden die Lage ständig kontrollieren. Die Infektionsgefahr ist so groß wie das schwächste Glied.

Das heißt, es hängt vom Bauern ab?

Richtig. Wenn die Landwirte den Vorschriften wie etwa der Aufstallung nicht folgen, dann könnte es eine Katastrophe geben.

Interview: Albert Eikenaar

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