VG-Wort Pixel

Zulassung Wann kommen sie? Lohnt sich das Warten? Was Sie über die neuen Omikron-Impfstoffe wissen müssen

Frau wird geimpft– Omirkon-Impfstoffe vor der Zulassung
Bald könnte es auch in Deutschland angepasste Corona-Impfstoffe geben.
© franckreporter / Getty Images
Schon vor Monaten war das erste Mal die Rede von angepassten Omikron-Impfstoffen. Jetzt sind auch in Europa die ersten angepassten Impfstoffe zugelassen.

Als die Omikron-Variante wie aus dem Nichts auftauchte, schossen weltweit die Infektionszahlen in die Höhe. Mittlerweile gibt es mehrere Subvarianten, die sich gegenseitig sozusagen die Klinke in die Hand geben. Die im November 2021 aufgetauchte Omikron-Subvariante BA.1 spielt in Deutschland längst keine Rolle mehr im Infektionsgeschehen. Aktuell gehen die meisten Infektionen mit Sars-CoV-2 hierzulande auf das Konto von BA.5 Forschende sehen die Sublinie BA.2.75 auf der Position, BA.5 abzulösen. Die immer neu auftauchenden Varianten erschweren die Anpassung der Impfstoffe, wie auch Biologe Ulrich Elling im Interview mit dem stern erklärte.

In Großbritannien wird bereits ein angepasster Impfstoff von Moderna verimpft. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat bereits eine Notfallzulassung für zwei Impfstoffe erteilt, die auf die Varianten BA.4/BA.5 angepasst sind. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat am 1. September 2022 eine Zulassung für zwei angepasste Omikron-Impfstoffe erteilt. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte angesichts der anstehenden Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zu angepassten Corona-Impfstoffen dazu geraten, bei Impfungen gegen das Virus auf die neuen Vakzine zu warten. "Jetzt macht es wirklich Sinn, die paar Tage zu warten, bis der neue Impfstoff da ist", sagte Lauterbach im ARD-"Morgenmagazin". Doch welchen Schutz bieten die angepassten Impfstoffe? Und wann könnten welche Impfstoffe kommen?

Welche Impfstoffe hat die EMA geprüft?

Der Ausschuss für Humanarzneimittel beschäftigte sich mit der Bewertung von zwei sogenannten bivalenten mRNA-Impfstoffen der Unternehmen Biontech/Pfizer und Moderna. Bivalent bedeutet, dass zwei Komponenten berücksichtigt sind: Die Präparate sollen Schutz bieten sowohl vor dem ursprünglichen Sars-CoV-2 als auch vor der Omikron-Sublinie BA.1. Konkret prüfte der Ausschuss laut EMA, ob Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit erfüllt sind und ob ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis besteht.

Auch ein weiterer bivalenter Impfstoff könnte kommen, doch bisher wartet man bei der EMA noch auf weitere Daten. Biontech/Pfizer hat am 26. August 2022 einen Zulassungsantrag für einen bivalenten Impfstoff für die Varianten BA.4 und BA.5 eingereicht.

Wie effektiv sind die neuen Impfstoffe?

Prozentangaben, wie es sie für die ersten Covid-19-Vakzine gegeben hatte, wurden nun nicht erhoben. Daten zum Schutz vor symptomatischer Infektion, schwerer Erkrankung und Tod sind erst aus der Anwendung zu erwarten. Angestrebt wird ein besserer Schutz vor Omikron – und hierbei vor allem vor der Erkrankung, denn ein Schutz vor der Infektion werde nach der Impfung wieder nur vorübergehend bestehen, sagte Immunologe Carsten Watzl. Er warnte die Politik davor, mit den angepassten Impfstoffen falsche Hoffnungen zu wecken - auch mit ihnen könne man Corona nicht wegimpfen. "Wenn man damit jetzt großflächig hausieren geht und jeden unbedingt zu der Impfung aufruft, wiederholt man die Fehler vom vorigen Jahr."

Die Sublinie BA.1 spielt bei den Infektionen in Deutschland keine Rolle mehr. Die aktuell verbreitete BA.5-Variante kann die Immunität von BA.1 relativ gut umgehen. Biologe Ulrich Elling schätzt deshalb, dass die Schutzwirkung eines angepassten BA.1-Impfstoffes nicht lange effektiv sei, wie er im Interview mit dem stern erklärte. Die Hoffnung ist aber, dass die angepassten bivalenten BA.1-Impfstoffe einen besseren Schutz bieten als der bisherige Corona-Impfstoff der auf die Wuhan-Variante optimiert ist.

Beide neuen an die Omikron-Variante angepassten Impfstoffe böten einen "sehr guten Schutz" gegen alte und neue Virusvarianten. Sie enthielten Teile des alten Impfstoffs und darüber hinaus Teile, die gegen die Omikron-Varianten schützten, sagte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach.

Solle man auf einen BA.5-Impfstoff warten?

Immunologe Watzl rät Impfwilligen klar vom Warten ab. "Es gibt zu diesem Impfstoffkandidaten bisher keine klinischen Daten." Man könne nur über den Nutzen spekulieren – auch angesichts der nicht vorhersehbaren Entwicklung der vorherrschenden Varianten in den kommenden Monaten. Auch Modalitäten der Zulassung in der EU und deren Zeitpunkt seien offen. Experten geben auch zu bedenken, dass der große Sprung in der Virusentwicklung zwischen dem Wildtyp und BA.1 lag, zwischen BA.1 und BA.4/BA.5 lägen viel weniger Mutationen.

Wer sollte sich mit den angepassten Impfstoffen boostern lassen?

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat bisher noch keine Empfehlung für angepasste Impfstoffe herausgegeben. Aktuell empfiehlt das Gremium allen Menschen ab 60 Jahren eine vierte Impfung. Der Immunologe Watzl hält eine Empfehlung für einen zweiten Booster mit den neuen Präparaten nur für bestimmte Gruppen für wahrscheinlich – etwa Menschen ab 60 Jahren, mit unterdrücktem Immunsystem oder mit Vorerkrankungen. "Ich wäre sehr überrascht, wenn die Stiko sagen würde, dass sich alle Erwachsenen noch mal impfen lassen sollen." Er wolle der Stiko nicht vorgreifen - aber allen voran profitierten Risikopatienten. "Eine schwere Erkrankung ist damit weniger wahrscheinlich." Wer also über 60 sei und bisher mit der vierten Impfung gewartet habe, für den sei jetzt die Gelegenheit.

Wann sollen angepasste Impfstoffe in Deutschland verfügbar sein?

Nach Plänen von Gesundheitsminister Karl Lauterbach sollen die neuen Impfstoffe nach der Genehmigung durch die EMA bereits kommende Woche ausgeliefert werden.

Quellen:ZDF,VFA, RKI, dpa, AFP

rha/dpa/AFP

Mehr zum Thema

Newsticker