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Weltaidskonferenz in Wien: Vaginalgel soll Frauen vor HIV schützen

Ein Vaginalgel gegen Aids hat in einer Studie erfolgreich abgeschnitten: Es senkte das Risiko einer HIV-Infektion deutlich. Auch wenn das Gel nicht so sicher ist wie Kondome, sprachen Experten auf der Weltaidskonferenz in Wien von einem Meilenstein. Vor allem in Afrika könnte es für Frauen häufig den einzigen Schutz bedeuten.

Nach 20 Jahren Forschung endlich eine Erfolgsmeldung: Zum ersten Mal hat sich ein Gel als wirksam gegen Aids erwiesen. Das "chemische Kondom", dem ein Aidsmittel beigemischt ist, wird vor dem Sex in die Scheide eingeführt. In einer südafrikanischen Pilotstudie mit rund 900 Frauen sank dadurch das Ansteckungsrisiko mit HIV um knapp 40 Prozent. Die Untersuchung, die im US-Fachjournal "Science" erscheint, wurde am Dienstag auf der Weltaidskonferenz in Wien vorgestellt. Das UN-Aidsprogramm Unaids und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) begrüßten die Ergebnisse. Allerdings dämpften die Wissenschaftler auch gleich zu hohe Erwartungen. Bevor das Mikrobizid eingesetzt werden kann, bedürfe es noch weiterer Untersuchungen zur Sicherheit und Wirksamkeit.

Von einen funktionierenden "chemischen Kondom" erhoffen sich Mediziner eine Wende in der Aidsepidemie. "Angesichts der Tatsache, dass auf der ganzen Welt die Mehrheit der neu mit HIV Infizierten Frauen sind, bedeuten diese Resultate einen wichtigen Schritt, um einer Risikogruppe eine sichere und effektive Präventionswaffe an die Hand zu geben", urteilte der Direktor des staatlichen US-Instituts für Infektionskrankheiten, Anthony Fauci.

Auch der Direktor der WHO-Aids-Abteilung, Gottfried Hirnschall, zeigte sich erfreut über die Ergebnisse. "Es ist das erste Mal, dass wir etwas haben, das Frauen von sich steuern können." Besonders im südlichen Afrika, der am schlimmsten betroffenen Aidsregion der Welt, können Frauen bei ihren Sexpartnern oft nicht den Gebrauch von Kondomen durchsetzen. Ein unbemerkt angewendetes Scheidengel könnte sie daher schützen. Sollten sich die Studienergebnisse bestätigen, könne das Gel allein in Südafrika in den nächsten zehn Jahren mehr als eine halbe Million neue HIV-Infektionen verhindern, schreiben die Studienautoren.

Kombinierte Prävention nötig

Unaids und WHO sprachen von einem Meilenstein. Die Studie belege, dass das Mikrobizid-Konzept grundsätzlich funktioniere. "Das ist nicht die neue Präventionswaffe", schränkte Hirnschall allerdings ein. "Es gibt nichts, was hundertprozentig wirkt. Es braucht eine kombinierte Prävention, bei der wir verschiedene Waffen gebündelt einsetzen."

Die Forscher um Quarraisha Abdool Karim vom südafrikanischen Aids-Forschungszentrum Caprisa hatten im Aidsbrennpunkt KwaZulu-Natal ein Vaginalgel getestet, das zu einem Prozent das Aidsmittel Tenofovir enthält. Dieser Wirkstoff wird auch in Tablettenform gegen HIV-Infektionen eingesetzt.

Die Studienteilnehmerinnen wurden in zwei etwa gleich große Gruppen eingeteilt. Die eine bekam das Gel mit dem Aidsmittel, die andere ein wirkstoffloses Gel. Alle Frauen wurden intensiv über den Schutz vor Aids und anderen Geschlechtskrankheiten beraten, bekamen Kondome und wurden zu deren Benutzung angehalten. Sie wurden regelmäßig untersucht und, wenn nötig, behandelt. Die von den Regierungen der USA und Südafrikas finanzierte Studie sei nach den international höchsten ethischen Maßstäben gestaltet worden, betonen die Autoren.

Infektionsrisiko deutlich gesenkt

Nach 30 Monaten hatten sich in der Wirkstoffgruppe 38 Frauen mit HIV infiziert, in der Placebogruppe 60. Durch das Gel sank die Infektionshäufigkeit damit rechnerisch um 39 Prozent. Zudem schützte das Gel in der Studie auch vor einer Herpesinfektion, die wiederum eine Ansteckung mit HIV erleichtert. In der Untergruppe derjenigen Frauen, die das Gel sehr regelmäßig angewendet haben - in mindestens 80 Prozent aller Fälle - lag die HIV-Infektionshäufigkeit in der Wirkstoffgruppe sogar um 54 Prozent niedriger. Bei Frauen, die es im Schnitt nur bei jedem zweiten Geschlechtsverkehr benutzten, betrug sie dagegen nur 28 Prozent.

In den vergangenen 20 Jahren Forschung habe keine der elf Studien mit sechs verschiedenen Mikrobizid-Kandidaten einen nennenswerten Schutz vor HIV erreicht, schreiben die Wissenschaftler in "Science". Allerdings stehen die Ergebnisse statistisch nicht auf sehr festen Füßen und müssen zunächst durch weitere, größere Studien bestätigt werden, wie auch die Studienautoren betonen. Eine davon hat im vergangenen Herbst bereits begonnen: In einer Studie mit 5000 Frauen in vier südafrikanischen Ländern soll die Wirksamkeit eines Tenofovir-Gels untersucht werden. Die Untersuchung wird vom US-Institut für Infektionskrankheiten gesponsert.

Weltweit 33 Millionen Menschen mit HIV infiziert

Das jetzt getestete Gel ist allerdings nicht der erste aussichtsreiche Kandidat. Das Vaginalgel "Pro 2000" schien zunächst das Infektionsrisiko deutlich zu senken. In einer großen Studie mit mehr als 9000 Frauen in vier afrikanischen Ländern zeigte sich letztlich jedoch keinerlei Schutzwirkung.

Eine alternative Präventionsmethode für Frauen sind Frauenkondome, sogenannte Femidome. Der gut 18 Zentimeter lange Schlauch hat an beiden Enden einen biegsamen Ring. Der kleinere Ring wird in die Scheide eingeführt und legt sich wie ein Diaphragma auf den Muttermund. In Afrika werden die Femidome kostenlos verteilt. Trotzdem kritisierten Nichtregierungsorganisationen auf der Weltaidskonferenz, dass diese Methode immer noch zu unbekannt und wenig verbreitet sei.

Weltweit sind mehr als 33 Millionen Menschen mit HIV infiziert, zwei Drittel davon leben in Afrika südlich der Sahara. In dieser Region werden 60 Prozent der Neuinfektionen bei Frauen und Mädchen festgestellt. Bei der 18. Weltaidskonferenz in Wien, die noch bis Freitag dauert, hatten der frühere US-Präsident Bill Clinton und Microsoft-Gründer Bill Gates am Montag einen wirkungsvolleren Einsatz von Hilfsgeldern im Kampf gegen Aids angemahnt.

DPA/AFP / DPA

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