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Büro, Bar, Schule? Wo steckt man sich mit Corona an? RKI veröffentlicht Grafik, doch die hat einen Haken

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Um den Anstieg des Coronavirus in Deutschland einzudämmen, soll ein sogenannter "Wellenbrecher"-Shutdown kommen. Dieser würde vor allem die Gastronomie- und Veranstaltungsbranche lähmen. Ist das sinnvoll? Eine Grafik des RKI zeigt, wo die Infektionen im Alltag geschehen.

Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland gerät zunehmend außer Kontrolle. Ein Alarmzeichen ist die erhöhte 7-Tage-Inzidenz mit mehr als 25 Fällen je 100.000 Einwohner. Diese liegt mittlerweile in 371 von insgesamt 401 Kreisen vor. Davon weisen 113 Stadt- beziehungsweise Landkreise sogar eine Inzidenz von über 100 Fällen je 100.000 Einwohner auf.

Um die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren, berät sich Bundeskanzlerin Angela Merkel heute mit den Ministerpräsidenten (der stern wird live ab 13 Uhr berichten) über neue, womöglich weitreichende Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Im Gespräch sei ein zeitlich befristeter, sogenannter "Wellenbrecher-Shutdown": Bars und Restaurants könnten schließen, ebenso Vereine, Theater und Museen. Schulen, Kitas und Geschäfte sollen dagegen geöffnet bleiben.

RKI-Grafik zeigt Infektionsumfelder

Doch kann man die zweite Welle damit wirklich stoppen? Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am Dienstag eine Grafik veröffentlicht, welche die gemeldeten Covid-19-Fälle nach Infektionsumfeld (in der Fachsprache nennt man es Setting) darstellt. Die Grafik ist Stand Dienstag, 27. Oktober 2020:

Büro, Bar, Schule?: Wo steckt man sich mit Corona an? RKI veröffentlicht Grafik, doch die hat einen Haken

Das RKI zeigt, dass das Infektionsgeschehen in den meisten Kreisen "diffus" sei und häufig im Zusammenhang mit privaten Feiern im Familien- und Freundeskreis stehe. Gelegentlich sei ein konkreter, größerer Ausbruch für den Anstieg in einem betroffenen Kreis verantwortlich. "Zum Anstieg der Inzidenz tragen aber nach wie vor auch viele kleinere Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sowie Ausbrüche in Krankenhäusern, Einrichtungen für Asylbewerber und Geflüchtete, Gemeinschaftseinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen, verschiedenen beruflichen Settings sowie im Zusammenhang mit religiösen Veranstaltungen bei."

Die Grafik hat einen Haken

An der Grafik wird deutlich, dass neben den privaten Haushalten zuletzt die Arbeitsplätze und Alten- und Pflegeheime verstärkt wieder die Pandemie vorantreiben. Letzteres ist gefährlich, da Menschen über 60 Jahre besonders anfällig für einen schweren Covid-19-Verlauf sind. 95 Prozent der Corona-Toten hierzulande sind älter als 60. In Krankenhäusern, Praxen und Reha-Einrichtungen komme es im Gegensatz zum Frühjahr dagegen kaum noch zu Ansteckungen, hier scheinen die Hygienemaßnahmen in vielen Fällen ausreichend zu funktionieren. Auch Bars und Restaurants haben laut offiziellen Zahlen keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen.

Die Grafik vermittelt ein klares Bild, hat jedoch einen entscheidenden Haken: "Nur etwa ein Viertel der insgesamt gemeldeten Covid-19 Fälle kann einem Ausbruch zugeordnet werden", schreibt das RKI. Sprich: Bei drei von vier Infektionen ist der Ursprung der Infektion völlig unklar und die Gesundheitsbehörden kommen dementsprechend mit der Nachverfolgung nur noch rudimenär hinterher.

Konkret wird das am Beispiel Hamburg: In der Hansestadt wurden am Dienstag 300 Neuinfektionen gemeldet. Davon können die Behörden jedoch nur bei 19 Personen die Infektionsquelle zweifelsfrei angeben. "Bei einer Person handelt es sich um einen Reiserückkehrer, die anderen 18 Personen haben sich im privaten Raum angesteckt", erklärte Julia Offen, Vize-Sprecherin des Senats auf der Landespresssekonferenz. Bei den übrigen 281 Corona-Fällen könne jedoch nicht im Detail nachvollzogen werden, wo sich die Personen angesteckt haben.

QuelleSituationsbericht des RKI

cf

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