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Corona-Pandemie Zu viele Corona-Tote: Trauer statt Fiesta am "Día de Muertos" in Mexiko

Die Mexikaner gedenken am "Día de Muertos" ihren verstorbenen Angehörigen.
Blumen, Kerzen, Fotos: Die Mexikaner ehren am "Día de Muertos" ihre verstorbenen Angehörigen.
© Claudio Cruz / AFP
In Mexiko wird der Tag der Toten mit einem rauschenden Fest gefeiert. Eigentlich. Wegen Corona sind jedoch alle Feierlichkeiten abgesagt worden. Viele Familien haben nun kreative Wege gefunden, ihren verstorbenen Angehörigen zu gedenken.

Geschmückte Altäre, große Paraden und ausgelassene Familienfeste – am "Día de Muertos" oder Tag der Toten wird in Mexiko an die verstorbenen Angehörigen erinnert. Doch in diesem Jahr gibt es zu viele Tote, um zu feiern. Mehr als 90.000 Mexikaner sind seit Beginn der Corona-Pandemie gestorben. Die Dunkelziffer liegt bei mindestens 140.000. 

Der "Día de Muertos" in Corona-Zeiten

Dabei wird am "Día de Muertos" normalerweise nicht getrauert, ganz im Gegenteil. An dem bedeutsamen Feiertag treffen sich Familien zum Andenken an ihre verstorbenen Verwandten auf den Friedhöfen. Es werden Altäre aufgestellt – die sogenannten "ofrendas" – geschmückt mit alten Fotos, orange leuchtenden Ringelblumen und besonderen Speisen, die die Toten gerne mochten. Die Familienältesten erzählen Geschichten von früher, es wird getanzt und gesungen.

Doch wegen Corona ist dieses Jahr alles anders. Es gibt weder größere Familienfeiern, noch bunte Paraden. Selbst die Kirchen und Friedhöfe werden im ganzen Land geschlossen, weil sie "zu Orten mit hohem Ansteckungsrisiko werden könnten", wie der stellvertretende Gesundheitsminister Hugo Lopez-Gatell Journalisten mitteilte. Den Zugang zu den Gräbern zu sperren, vor denen normalerweise die "ofrendas" aufgestellt werden, sei eine schmerzhafte Erinnerung daran, "Social Distancing" weiterhin einzuhalten.

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador verkündete anlässlich des "Día de Muertos" eine dreitägige Staatstrauer. Während der Trauertage wird die Flagge im Nationalpalast in Mexiko-Stadt auf Halbmast gehisst und es gibt einen offiziellen Altar für die Opfern der Pandemie. Für Familien, die Verwandte durch Corona verloren haben, dürfte das jedoch nur ein schwacher Trost sein. Nicht die Möglichkeit zu haben den Toten ordnungsgemäß zu gedenken, ist für viele Mexikaner fast genauso schlimm wie der Verlust der Angehörigen. 

Der Geist des Feiertages lebt weiter

Trotz der vielen abgesagten Feierlichkeiten ist der Geist des "Día de Muertos" nicht erloschen. Ein Meer aus Ringelblumen schmückt die mexikanischen Boulevards, an Straßenständen wird das süße, traditionelle "Pan de Muerto" verkauft und Totenschädel und Skelette zieren Schaufenster und Werbetafeln. Statt auf den Friedhöfen stellen viele Familien ihre mit Kerzen, Blumen und Fotos dekorierten "ofrendas" vor dem Haus auf.

Im ganzen Land haben sich viele kreative Methoden zu "Social Distancing"-Feiern einfallen lassen: Das "National Museum of Interventions" in Mexiko-Stadt veranstaltet beispielsweise einen Wettbewerb unter dem Motto "Wer hat den schönsten Altar?". Dafür müssen die Teilnehmer ihre geschmückten "ofrendas" zu Hause fotografieren und einschicken – das beste Bild gewinnt. Ziel des Wettbewerbs ist es "die mexikanischen Traditionen zu bewahren und den Geist der Gemeinschaft zu fördern". 

Zwar wurde auch die große traditionelle Parade in Mexiko-Stadt abgesagt, die normalerweise Tausende anzieht und spätestens seit dem James-Bond-Film "Spectre" weltweit bekannt ist. Dafür findet der ebenfalls beliebte Zombie-Umzug virtuell statt – mit TikTok-Challenge für die besten Kostüme.

Lateinamerika im Corona-Brennpunkt

Doch nicht nur Mexiko wird von den steigenden Infektionszahlen überschattet. Ganz Lateinamerika gehört aktuell zu den Brennpunkten der Coronakrise.

Brasilien ist nach den USA und Indien weltweit am stärksten von der Pandemie betroffen. Anfang November liegt die Zahl der nachgewiesenen Infektionen bei mehr als fünfeinhalb Millionen. Präsident Jair Bolsonaro hat die Pandemie von Anfang an verharmlost und erkrankte selbst an Covid. Dennoch drängt die Regierung auf eine Rückkehr zur Normalität und stellt sich gegen die strengeren Einschränkungen der Bundesstaaten.

Auch in Argentinien steigen die Infektionszahlen. Trotz eines frühen Lockdowns ist das Land nach Brasilien am stärksten in Südamerika von der Pandemie getroffen. Bisher wurden rund 1.170.000 Covid-Infektionen nachgewiesen. Seitdem die Einschränkungen jedoch großteils wieder aufgehoben sind, breitet sich das Virus von den Metropolen in die Provinzen aus.

Weitere Quellen: "CNN", "The Guardian"

mit dpa

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