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Zuckerersatz: Steviosid könnte Süßstoffen Saures geben

300 Mal so stark wie normaler Zucker ist der pflanzliche Süßstoff Steviosid, aber er macht nicht dick. Das neue Wundermittel könnte den Markt neu aufrollen.

Ein natürlicher Süßstoff könnte bald synthetischen Zuckerersatzstoffen Konkurrenz machen. Steviosid heißt der aus Südamerika stammende Pflanzenextrakt, der nach Angaben der Universität Bonn in Asien bereits 75 Prozent Marktanteil erobert hat und auch in Deutschland kurz der Zulassung als Nahrungsergänzungsmittel steht.

Seit 25 Jahren in Japan gebräuchlich

Steviosid kommt in hohen Konzentrationen in den Blättern der lateinamerikanischen Stevia-Pflanze vor. Es ist 300 Mal süßer als Zucker, nach Angaben der Bonner Forscher geschmacklich aber kaum davon zu unterscheiden. Positive Effekte seien gut dokumentiert: So senke es bei regelmäßiger Aufnahme den Blutdruck, verhindere die Entstehung von Zahnbelag, und mache vor allem nicht dick.

Auch die Langzeiterfahrungen seien gut. Japans Köche verleihen nach den Angaben der Bonner Wissenschaftler ihren Gerichten schon seit 25 Jahren mit Stevia-Extrakt die rechte Süße; in Paraguay "zuckerten" Indianer damit bereits vor einem halben Jahrtausend ihren Mate-Tee - augenscheinlich ohne negative Folgen.

In hohen Dosen eventuell Nebenwirkungen

Gefährlich sei die Pflanze dagegen für die Hersteller von synthetischen Süßstoffen, erklärte der Bonner Privatdozent Ralf Pude vom Institut für Gartenbauwissenschaft. In zahllosen Versuchsreihen hätten sie zu beweisen versucht, dass von dem süßen Hauptinhaltsstoff der Stevia-Pflanze ein Gesundheitsrisiko ausgehe. Tatsächlich beeinträchtige nach einer Studie aus dem Jahr 1999 Steviosid die Fruchtbarkeit von Ratten, allerdings in "absurd hohen Dosen", erklärte Pude. "Ein Erwachsener müsste täglich mehr als die Hälfte seines Körpergewichts an frischen Stevia-Blättern zu sich nehmen, um auf vergleichbare Konzentrationen zu kommen - in dieser Menge wäre selbst Zucker gefährlich."

Realistisch seien derartige Dosen nicht, erklärte der Wissenschaftler: Wollte man die rund 130 Gramm Zucker, die der Durchschnittsdeutsche täglich mit der Nahrung aufnimmt, komplett durch das 300mal süßere Steviosid ersetzen, käme man auf weniger als ein halbes Gramm - ein Stückchen Würfelzucker wiege sechs Mal so viel.

Die Bonner Wissenschaftler haben zudem festgestellt, dass das Süßstoff-Kraut auch problemlos auf heimischen Böden gedeiht. Allerdings erfriert die aus Paraguay stammende Pflanze bei Frostgraden und muss deshalb hier zu Lande jährlich neu gesetzt werden.

DPA

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