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US-Präsidentschaftswahl 2016: Ihre Ehe, ihre Krisen, ihre Ziele - das ist Hillary Clinton

Sie machte ihren Mann Bill zum Präsidenten, war Senatorin und diente unter Barack Obama - nun greift sie zum zweiten Mal nach dem höchsten Amt in den USA: Hillary Clinton. Wer ist die Frau?

Von Niels Kruse

Rückkehr ins Weiße Haus: Hillary Clinton, hier mit Gatte Bill und Tochter Chelsea 2009, will die nächste Präsidentin der USA werden

Rückkehr ins Weiße Haus: Hillary Clinton, hier mit Gatte Bill und Tochter Chelsea 2009, will die nächste Präsidentin der USA werden

Ihre Herkunft

Hillary Diane Rodham Clinton ist das älteste Kind des Tuchwarenhändlers Hugh Ellsworth Rodham und dessen Ehefrau Dorothy Emma Howell. Sie kam am 26. Oktober 1947 in Chicago auf die Welt und hat zwei Brüder: Hugh und Tony. Sie wuchs in einem vornehmen, konservativ-methodistischen Umfeld auf.

Ihre Ausbildung

An der Elite-Universität Yale machte sie im Alter von gerade einmal 26 Jahren ihren Jura-Doktor. Als Studentin engagierte sie sich zunächst bei den konservativen Republikanern, bis sie Ende der 1960er Jahre zu den Demokraten wechselte. Als Studentenführerin setzte sich Clinton vehement für die Bürgerrechte ein.

Ihre Ehe

Während ihres Studiums an der Law-School lernte sie auch ihren späteren Mann Bill Clinton kennen, den sie 1975 heiratete. Da lehrte sie bereits als Assistenzprofessorin an der Uni in Little Rock, Arkansas. Erst 1980 legte sie ihren Geburtsnamen Rodham und nannte sich nur noch Clinton – sie tat das aus Rücksicht auf die konservative Wählerschaft von Bill, der damals seinen verlorenen Gouverneursposten zurückerobern wollte. Das gelang ihm 1982. Zehn Jahre später zog das Ehepaar ins Weiße Haus ein.

Ihre Tochter

Chelsea Victoria Clinton ist das einzige Kind von Hillary und Bill. Sie kam 1980 zur Welt und mischt mittlerweile ordentlich bei den diversen Aktivitäten des Clinton-Clans mit. Sie arbeitete als Reporterin, Unternehmensberaterin und für einen Hedgefonds, engagiert sich für die Clinton Foundation, eine Organisation, die sich um die Bekämpfung von Aids bemüht. Auch im ersten Präsidentschaftswahlkampf ihrer Mutter 2008 rührte Chelsea die Werbetrommel. Chelsea ist seit 2010 mit dem Investmentbanker Marc Mezvinsky verheiratet, der ebenfalls aus einer einflussreichen Politikerfamilie entstammt. Die beiden haben eine Tochter: Charlotte Clinton Mezvinsky.

Ihre Karriere

Schnell machte sich Hillary einen Namen als einer der Top-Anwältinnen des Landes. Ihr politisches Talent stellte sie wie nebenbei bei Bill Clintons ersten Gouverneurswahlkämpfen unter Beweis. Zehn Jahre später, Bill rang mit George Bush sen. um das höchste Amt des Landes, war sie es, die für ihn die Kohlen aus dem Feuer holte – als die Republikaner seine angeblichen Seitensprünge hervorzerrten. Berühmt geworden ist ihr Ausspruch "Amerika wählt den Präsidenten und nicht den Papst". Jahre nach dem Ende von Bill Clintons Amtszeit kehrte sie als Senatorin für New York ins Washingtoner Kapitol zurück, danach kandidierte sie für die Präsidentschaftswahl 2008. Sie scheiterte und wurde unter Barack Obama Außenministerin.

Ihre Zeit als First Lady

Es war nie ein Geheimnis, dass Hillary Clinton die engste Beraterin ihres Mannes Bill war. Schon im Wahlkampf gab sie unumwunden zu: "Wenn ihr Bill wählt, kriegt ihr mich dazu". Als First Lady entschied sie maßgeblich mit, wer als Minister in die Regierung durfte und wer nicht. Gleichzeitig aber verschaffte sie sich durch ihr Fachwissen und Verhandlungsgeschick auch Respekt – selbst unter den Republikanern, die sie anfänglich noch als machthungrig und heimliche Vizepräsidentin gescholten hatten. Bereits 1993 versuchte sie auch offiziell, dass Krankenversicherungssystem zu reformieren, scheiterte aber.

Ihre Affären

Als erste First Lady in Amerikas Geschichte musste Hillary 1996 vor einem Geschworenengericht aussagen, das ihre Beteiligung an der "Whitewater-Affäre" klären sollte. Darin ging es um frühere Immobiliengeschäfte der Clintons in Arkansas. Am Ende kam das Paar mit einem blauen Auge davon.

Kürzlich wurde bekannt, dass Clinton in ihrer Zeit als Außenministerin, ihren privaten E-Mail-Account auch für Amtsgeschäfte benutzte. Das ist ein Skandal, weil sämtliche Korrespondenz von hohen Amtsträgerin offiziell archiviert werden muss, sie aber offenbar eine Reihe von Mails gelöscht hatte.

Ihre größte Krise

Ein Name, ein Skandal: Monica Lewinsky. Die frühere Praktikantin im Weißen Haus hätte die Clintons beinahe Amt und Ansehen gekostet. 1998 wurde bekannt, dass Gatte Bill ein Verhältnis zu der jungen Frau hatte – er musste sich deswegen sogar einem Amtsenthebungsverfahren stellen, das er allerdings knapp für sich entscheiden konnte. Sicher auch wegen Hillarys Rolle, die sich nach außen hin stets und unverbrüchlich an die Seite ihres Mannes stellte. Im April 2015 behauptete eine Journalistin, dass der Seitensprung blutige Folgen hatte: Angeblich schlug Hillary in ihrem Zorn damals so heftig auf Bill ein, dass dessen Wunden mit diversen Stichen genäht werden mussten.

Ihre Freunde

Klar: Ohne sehr viel Geld wird niemand in den USA Präsident. Schätzungsweise 2,5 Milliarden Dollar wird sie für den anstehenden Wahlkampf brauchen, nur gut, dass sie mächtige und vor allem reiche Freunde hat. Einen großen Teil der Bankiers der Wall Street unterstützt sie schon seit vielen Jahren. 2008 bekam sie 7,3 Millionen Dollar aus der Branche. Enge Beziehungen werden ihr unter anderem zu Warren Buffet nachgesagt, einem der reichsten Menschen der Welt. Auch die Ehe ihrer Tochter Chelsea mit einem Investmentbanker sowie das Netzwerk der Clinton Foundation öffnet ihr weitere Türen zu den Mächtigen und Reichen im Land. Und als Demokratin genießt sie zudem traditionell die Sympathien der Showbranche in Hollywood.

Ihre Feinde

Viel Feind, viel Ehr: Kaum ein Politiker in den USA ist so bekannt wie Hillary Clinton, kalt lässt sie kaum jemanden. Und diejenigen, die sie als kalten, arroganten und machversessenen Ehrgeizling betrachten, sind nicht eben wenige. Auf Seiten der großen Politik gilt der ebenfalls äußerst einflussreiche Bush-Clan auf der Liste ihrer Gegner ganz oben. Aber auch Außenminister John Kerry gilt als (politischer) Feind.

Ihre Ziele

Ihren Wahlkampf wird Hillary Clinton ganz auf soziale Gerechtigkeit ausrichten. Zwar geht es der US-Wirtschaft wieder gut, doch die Mittelschicht bekommt wenig davon ab. Bei dieser größten Wählergruppe will sie punkten: Mit Themen wie Lohnerhöhungen für die breite Masse, besserer Bezahlung von Frauen, Stärkung der Bürgerrechte. Clinton gibt sich als Kämpferin für den Durchschnittsamerikaner als solchen. Außenpolitisch wird sie wohl ihren Kurs weiterführen, den sie bereits als Außenministerin verfolgte: pragmatisch, ruhig, selbstbewusst aber nicht konfrontativ.