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Neuer Film: "20.000 Days on Earth" Nick Cave für einen Tag


"20.000 Days on Earth" ist zwar ein Film über den Musiker Nick Cave, aber alles andere als eine herkömmliche Musik-Dokumentation. Gezeigt wird der 20.000. Tag im Leben des Künstlers.

Es ist ein dokumentarischer Spielfilm über das Leben, die Philosophie und die Musik des Menschen und Künstlers Nick Cave. Eine Rezension in sechs Abschnitten.

DIE IDEE: Ein Tag im Leben von Nick Cave. Was macht dieser kreative Kopf, wie denkt er, was ist seine Motivation? Unzählige Drehtage wurden zusammengefügt zu einem fiktiven Tag: Echte Musikaufnahmen, Mittagessen mit Bandkollegen, konstruierte Therapeuten- und Selbstgespräche, Archivkramereien und Autofahrten. So könnte er aussehen, der 20.000. Tag im Leben des Musikers. Oder auch ganz anders. Cave: "Dieser Tag ist realistischer und unrealistischer, wahrer und unwahrer, interessanter und uninteressanter als ein tatsächlicher Tag von mir - je nachdem wie man es betrachtet."

Nick Cave als Anti-Star

DER STAR: Der Star des Films ist gleichzeitig ein Anti-Star. Nick Cave (57) ist Kultmusiker, Underground-Poet und Schauspieler. Cool, lässig, tiefgründig - eine Stil-Ikone, aber kein Mann für Hochglanz-Titelseiten, Talkshows, Rummel. Sein Hitparadenerfolg 1995 mit Kylie Minogue und dem Hit "Where The Wild Roses Grow" fühlte sich an wie in einer "Seifenblase", wie Cave im Film sagt.

DIE REGISSEURE: Musik ist ein zentrales Thema des Künstlerduos Iain Forsyth und Jane Pollard. Sie verbinden Performance-Kunst mit Musik, experimentieren mit Klang. Ihr Kinodebüt "20 000 Days on Earth" ist ebenso ein Experiment: Sie drehten Promo-Material für das Album "Push The Sky Away" von Nick Cave & The Bad Seeds, daraus entwickelte sich der Film. Ihr Stil ist dokumentarisch, doch sie suchen fiktive Orte auf, stellen nach, inszenieren, schreiben Dialoge. Sie sprengen die Grenzen der Dokumentation, sind aber nah an einer möglichen Wirklichkeit.

Ein Film ohne Soundtrack

DER PLOT: Der Tagesablauf ist der Plot. Cave steht morgens auf, betrachtet sich im Spiegel. Er fährt durch seine Wahlheimat Brighton, spricht im Auto mit Weggefährten wie Ex-Bandmitglied Blixa Bargeld oder Pop-Diva Kylie Minogue. Er führt Therapeutengespräche über seine Kindheit, betrachtet Archivfotos, sinniert über das Künstlerdasein, reflektiert seine Drogenkarriere, nimmt Musik auf, steht auf der Bühne, singt, performt, ist er selbst.

DER SOUNDTRACK: Es gibt keinen Soundtrack. Kein Stück wurde eigens für die Doku geschrieben oder aufgenommen, keine Marketingmaschinerie setzt auf CD-Mitnahme-Effekte durch den Film. Allerdings zieht sich "Push The Sky Away" wie ein roter Faden durch den Film - schließlich wurde während der Albumaufnahmen gedreht. Gerade der hypnotische Titelsong bleibt dem Kinozuschauer noch lange in den Ohren. Bei den Albumaufnahmen war Cave "20.000 Days on Earth", wie er selbst als Kritzelei in einem Notizbuch festhielt. Der Kinostart in Deutschland am 16. Oktober ist nun Caves 20.843. Tag auf der Erde.

DAS PUBLIKUM: Natürlich ist "20.000 Days on Earth" ein Film für Nick-Cave-Fans. Dann ein Film für Liebhaber von Musik-Dokus und Biopics. Doch auch Menschen, die keine schrankfüllende Vinylsammlung haben und Cave nur von seinem Duett mit Kylie Minogue kennen, haben etwas von diesem Werk: Einen tiefen Einblick in ein kreatives, nachdenkliches, gleichsam anderes wie auch vertrautes Künstlerleben.

DPA DPA

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